Lieblingsgeschichten der BZ-Redaktion

Wie der Tod der Soldaten im Ersten Weltkrieg bis heute nachwirkt

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

So, 11. April 2021 um 17:35 Uhr

Deutschland

Wenn sich historische Daten jähren, bewerten gerne Historiker die Ereignisse. Immer häufiger rückt aber auch die erzählte Geschichte in den Vordergrund. In meinem Fall die meines Urgroßvaters.

Meine Lieblingsgeschichte ist eine sehr persönliche. Mit meiner Großmutter habe ich immer wieder über die Familiengeschichte und den Tod ihres Vaters Friedrich Stickelberger, meines Urgroßvaters, gesprochen. Er starb im Ersten Weltkrieg: am 1. Juli 1916 in der Schlacht an der Somme. Eindringlich schilderte meine Großmutter mir, wie dieser Tod ihr Leben und das ihres Bruders verändert hat. Sie war überzeugt, dass ihre Kindheit eine bessere gewesen wäre, wäre ihr Vater nicht gefallen.

Große Feiern zum Gedenken an die Schlacht

Als sich diese Schlacht zum 100. Mal jährte und auch die Badische Zeitung über sämtliche Ereignisse des Ersten Weltkriegs berichtet, kam mir die Idee, einmal bei der Kriegsgräberfürsorge nachzufragen, ob mein Urgroßvater ein Grab hat. Meine Großmutter hat nie nach ihm gesucht. Er hat keines, wie sich herausstellte. Ich recherchierte zu diesem Thema, erfuhr, dass es in der Nähe des Ortes Grandcour, wo er gefallen ist, Massengräber gibt, die die Kriegsgräberfürsorge pflegt. Zum 100. Jahrestag des Schlachtbeginns am 1. Juli sollte es große Feiern mit allen damals am Krieg beteiligten Parteien geben: Franzosen, Briten, Australiern und Deutschen.

Der Tod jedes einzelnen beeinflusst die Geschichte

Zusammen fuhr die Familie an die Somme, um eine Ahnung zu bekommen, wo die Soldaten damals kämpften. Beeindruckend, wie besonders die Briten heute noch ihrer Gefallenen gedenken – ganz anders als die Deutschen, die wegen der Verbrechen vieler ihrer Vorfahren im Zweiten Weltkrieg Soldatentum kritischer sehen. Beeindruckend war auch, wie die Feinde von einst der schrecklichen Ereignisse gemeinsam gedachten und feierten – und wie weit weg in Westeuropa heute solche Ereignisse sind. Trotz mancher Reibereien.



Schnell war klar: Daraus wird eine Geschichte für die Badische Zeitung. "Im Krieg geblieben" heißt sie und erschien auf der Seite 3 der BZ Ende Juli 2016. Sie macht klar, dass der Tod jedes einzelnen die Geschichte in eine andere Bahn lenkte, ob nun im Heimatort des Urgroßvaters in Binzen – oder auch anderswo.

Ein Auszug aus der Geschichte wurde in die neue Ortsgeschichte von Binzen aufgenommen.

Hubert Bernnat: Binzen. Geschichte der Gemeinde. Herausgeber Gemeinde Binzen 2017, 320 Seiten

Zur Geschichte:

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