Tag der Muttersprache

Wie die französische Sprache den Dialekt in der Region beeinflusst hat

Martin Frenk

Von Martin Frenk

So, 21. Februar 2021 um 08:00 Uhr

Schwanau

Dialekt ist die Sprache des Herzens, sagt man. Zum Tag der Muttersprache hat BZ-Mitarbeiter Martin Frenk aus Ottenheim nachgeforscht, wie sich die Grenznähe auf den alemannischen Dialekt auswirkt.

Auch wenn die Menschen ein und dieselbe Sprache sprechen, so gibt es in der Mundart viele regionale Unterschiede. Man denke nur an die Kartoffel, die sowohl als "Erdepfel" wie auch als Grumbiier" bekannt ist. Fremde stauen sehr oft darüber, dass "Ritscherli", Sunnewirbili" und Feldsalat identisch sind. Dabei sind es geographisch nur ein paar Kilometer Unterschied.

Entlang des Rheins gibt es bis auf den heutigen Tag noch viele Mundartausdrücke im Alemannischen, deren Ursprung die französische Sprache ist. Aber es ist die Melodie dieser Wörter, die die Geschichte der Menschen und die Topografie der Landschaft widerspiegeln, die links und rechts des Rheins leben. Angesichts der heutigen Berufspendler ist in diesen Wortvariationen die Mundart gegenwärtiger als je zuvor. Vielleicht ist deshalb das Hochdeutsch heutzutage noch mehr Fremdsprache.

"Mundidje" kommt vom französischen "mon Dieu"

Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, ist "Nundidjee" ein Fluch, der aus aus dem französischen "nom de Dieu" abgeleitet wird. Ähnlich auch "Mundedje" als Ausdruck des Erstaunens, das von "mon Dieu" stammt.

Dass "dr Boddschamber" vom französischen "Pot de Chambre" herrührt, ist nachvollziehbar. Aber was ist mit der heute praktisch nicht mehr vorkommenden "Lamberie". Die Lamberie war früher in den Häusern eine etwa ein Meter hohe Holzvertäfelung der Wände. Im französischen heißt diese hölzerne Wandverkleidung "lambris".

Wenige hört man heute noch den Ausdruck "Äschdemiere". "Des isch e alder Mann, dänne muesch äschdemiere", so klingt es in der Erinnerung, wenn man einem in der Kindheit die Wertschätzung gegenüber älteren Menschen eingebläut hatte. Dieses "äschdemiere" als das Wertschätzen wurde vom französischen "estimer" entlehnt. Ebenfalls weniger zu hören ist heutzutage der Ausspruch "steh in d Miggi". Was nicht anderes bedeutet als "steh in die Bremsen". Die Miggi hat im französischen "mécanique" den Ursprung.

Interessant ist es auch die Wettervorhersage. Das Wetter wird sehr oft durch den Einfluss mediterranen Klimas bestimmt, das durch die burgundische Pforte ins Rheintal einfließt. "Vun s Grete Loch kommt s Wätter rigezoije", ist bis heute im Ried ein Ausspruch, wenn dunkle Wolken Regen ankündigen. Aber was ist s Grete Loch? Auch hier gibt die französische Sprache die Erklärung. "Les Crêtes au loin" heißt frei ins Deutsche übersetzt "zu den weit entfernten Bergen". Also von den weit entfernten Bergen zieht das Wetter in den Oberrheingraben. Vom Klang hört sich "Les Crêtes au loin" an wie "kret a lo". Und aus diesem "kret a lo" wurde im Laufe der Jahrzehnte "s Grete Loch".