Sexarbeit

Wie in Freiburg Ferienwohnungen an Prostituierte vermietet werden

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Mi, 19. Februar 2020 um 14:32 Uhr

Freiburg

In Freiburg werden Urlaubsappartements an Prostituierte vermietet – verteilt über die ganze Stadt. Die BZ ist einem besonders krassen Fall nachgegangen, der zu einer Firma führt, die Appartements vermietet.

Betreiber von zugelassenen Bordellen ärgern sich besonders, wenn ihnen nichtgenehmigte Betriebe oder selbstorganisierte Prostituierte Konkurrenz machen. Zwei Freiburger Bordellbetreiber haben in ihrem Ärger versucht, die Angebote auf einer Online-Plattform für Prostituierte systematisch auszuwerten und haben sich mit ihren Ergebnissen an die BZ gewandt. Systematisch haben sie Frauen angeschrieben, die sie keinem der bestehenden Betriebe zuordnen können, haben sich als Freier ausgegeben, um herauszufinden, wo die Frauen ihre Dienste anbieten. Das Ergebnis war überraschend: Angebote finden sich über die ganze Stadt verteilt, viele auch in bester Innenstadtlage. Die Angebote, die dort gemacht werden, sind auch nicht immer legal. Eine Frau schreibt: "Ohne Kondom extra 30 Euro".
BZ-Dossier über das Freiburger Rotlichtmilieu

Zahlreiche Wohnungen sind Ferienappartements

Gibt man die Adressen bei Google ein, finden sich bei weit über der Hälfte der Angebote Ferienwohnungen unter derselben Adresse. Ob diese nur sporadisch von Frauen privat angemietet werden, um dort für einige Tage der Prostitution nachzugehen, oder ob sie häufiger für diese Zwecke genutzt werden, ist damit noch nicht gesagt. Dass zumindest in einigen Fällen Ferienwohnungen gezielt an Prostituierte vergeben werden, legt ein Chatverlauf nahe, der der Badischen Zeitung vorliegt. Auch dieser stammt von den beiden Bordell-Betreibern, die sich für eine Prostituierte ausgegeben und per WhatsApp Verhandlungen über ein Zimmer geführt haben.

"Wir haben über 22 Apartments, wir sind ein Hotel mit Apartments", heißt es da von Seiten des Wohnungsvermittlers. Er brauche lediglich Namen, Adresse, E-Mail und ein Foto des Ausweises, dann buche er ein Zimmer. Solange das Geld fließe, sei ihm alles Weitere egal. Als seine Gesprächspartnerin fragt, ob sie Freundinnen mitbringen könne, die unangemeldet sind, also keinen sogenannten Hurenpass haben, oder die keine Arbeitserlaubnis in Deutschland besitzen, winkt er ab. Das interessiere ihn nicht. Selbst als sie fragt, ob sie auch eine Kollegin mitbringen könne, die noch keine 18 Jahre alt ist, macht ihm das nichts aus. "Was du dort machst, ist dein Geschäft", schreibt er und schickt ein Smiley hinterher. "Ich bekomme meine Miete und alle sind zufrieden."

Kenner der Szene halten das Gespräch für echt

Simone Heneka von der Prostituiertenberatungsstelle Pink hält das Gesprächsprotokoll für durchaus realistisch. Auch die Prostitution Minderjähriger hat sie in Freiburg schon erlebt. "Ich begleite Frauen, von denen ich weiß, dass sie minderjährig angefangen haben", erzählt sie. Und Frauen, die hier keine Arbeitserlaubnis hätten, seien sowieso auf solche Angebote unter der Hand angewiesen.

Ferienwohnungen, sagt Heneka, seien auch eine Möglichkeit für Sexarbeiterinnen, auf die Wohnungsnot in Freiburg zu reagieren. Wenn sie keine Arbeitswohnung mehr finden würden, seien Ferienwohnungen eine Alternative. Kriminalkommissar Walter Martin will sich zur Echtheit des Gesprächsprotokolls nicht äußern, verweist aber darauf, dass eine solche Vermietpraxis an sich erlaubnispflichtig sei. Für die Überlassung einer Wohnung zur Prostitution an eine Minderjährige sieht das Strafgesetzbuch bis zu drei Jahre Haft vor.

Die Spur führt zu einer insolventen Firma in Freiburg und bis nach Miami

Geht man den Adressen nach, die in dem Gespräch genannt werden, findet man an allen Adressen Ferienwohnungen. Eine wird auch über die Online-Platform Airbnb angeboten, die dortigen Preise decken sich mit denen im Chat, ebenso der Name des Vermieters. Dieser wiederum taucht als Geschäftsführer einer Firma auf, die Ferienwohnungen in Freiburg vermietet. Auf verschiedene Kontaktierungsversuche der Badischen Zeitung antwortet er nicht – weder per Telefon, noch per Mail und auch an seiner Privatadresse öffnet niemand die Türe. Gegen die Firma läuft derweil ein Insolvenzverfahren, an ihrem Firmensitz im Freiburger Industriegebiet Nord ist von dem Unternehmen nichts mehr zu sehen. Ein Nachbar meint, die Firma sei schon lange ausgezogen. Auch der laut Homepage Partner der Firma, ein Immobilienmakler aus Miami, war auf BZ-Anfrage nicht zu erreichen. Die Ferienwohnungen dagegen sind nach wie vor online zu buchen.

Mehr zum Thema: