Wie war’s beim Online-Vortrag über die Natur rund um Titisee-Neustadt?

Eva Korinth

Von Eva Korinth

So, 09. Mai 2021 um 17:38 Uhr

Titisee-Neustadt

Wie viel Wildnis bietet das Stadtgebiet Titisee-Neustadts? Antworten auf diese Frage gab es bei einem Online-Vortrag, zu welchem der Naturschutzbund (Nabu) Hochschwarzwald eingeladen hatte.

Es wurden interessante Geschichten erzählt und von tierischen Erlebnissen in der und rund um die Stadt berichtet. Dazu gab es eindrucksvolle Fotos.

Die Referenten
Mit dabei waren Förster Martin Bach, Angler Martin Erne, Nabu-Vorsitzender und Biotoppfleger Siegfried Kognitzki, Kajakfahrer Rudi Wiesler, die Hobbyfotografen Hannes Kuppig, Stephan Kuppig, Klaus Tritschler und Herbert Steffny. Sie hatten Spannendes über Vierbeiner, Flugkünstler, Amphibien, Fische und Schlangen zu berichten. Und sie informierten über Verhaltensweise und Vorkommen der von ihnen fotografierten Tiere.

Die Szenerien
Sie waren vielfältig: Es wurden von der Magie der frühen Morgenstunden erzählt und von Naturerlebnissen weit draußen auf dem Titisee berichtet. An einem Frühlingsabend am Eisweiher in Titisee kann es ebenso interessante Begegnungen geben wie bei einer kurzen Runde ums eigene Haus. Und es wurde erzählt, was es mit Weihnachtsbäumen im Titisees auf sich hat: Sie dienen den Fischen als Laichplätze. Die Bäume werden versenkt, durchbohrte Steine dienen als Gewichte.

Die Tiere
Direkt auf dem Wasser gleitend, erlebt Kajakfahrer Rudi Wiesler Fledermäuse, Tauben, Biber und Kormorane hautnah. "Sie sehen mich wohl als Treibholz an", sagte er. Dass sein Haus am Rand von Titisee von purer Wildnis umgeben ist, hat Klaus Tritschler auf zahlreichen Fotos dokumentiert. Er berichtete von Mauswieseln, Schlangen, Füchsen, Feldhasen, Baummardern und Rehböcken. Ohne die ausrangierten Weihnachtsbäume, die von Anglern im Titisee versenkt werden, haben die Fische keine Laichplätze, erklärte Marin Erne. Fischlaich sehe wie eine zusammengeknüllte Plastiktüte aus "und die Rotaugen laichen am liebsten an Fichten". Die Entwicklung des künstlich angelegten Schlangenweihers in der Gutach-Aue als Ausgleichsmaßnahme für die B 31 zeigte Siegfried Kognitzki auf. Hier hat seit 2010 der Biber Quartier bezogen, zahlreiche Amphibien leben in dem Gebiet, welches auch Füchse anlockt. Beängstigend sei die nächtliche Begegnung mit wandernden Kröten gewesen, erzählte der elfjährige Hannes Kuppig. Er hielt die Tiere erst für Tannenzapfen – doch die bewegten sich plötzlich. Martin Bach und Herbert Steffny führten ins versteckte Leben der Rotmilane ein, die am Waldrand auf einer Weißtanne brüten. Im Schlangenhabitat am Bahndamm fühlen sich Kreuzottern und schwarze Höllenottern wohl. Die Exemplare sind an ihren Kopfschildern zu identifizieren. Steffny zeigte auf, dass Neuntöter, Tagfalter, Krabbenspinnen und Wasseramseln im Mai sehr gut beobachtet werden können.

Die Fotos
Zu sehen waren Tiere mit Jagdbeute, schlafend, sich sonnend, beim Balztanz in der Luft und beim Füttern des Nachwuchses. Aufgenommen waren diese Fotos nach stundenlangem Ausharren und das über Tage hinweg, aber es waren auch geglückte Schnappschüsse überraschender Begegnungen dabei. Für ein gutes Tierfoto benötige es Hartnäckigkeit, Geduld, gute Tarnung, eine schussbereite Kamera, lange Teleobjektive und viel Abstand. Dazu kommen Kreativität, Kenntnisse über die Verhaltensweisen der jeweiligen Tiere, ein geschulter Blick, gute Lichtverhältnisse sowie Glück, schnell genug zu sein und sich zur richtigen Zeit sich am richtigen Ort zu befinden.

Die Rückmeldungen
Die Rückmeldungen der Zuschauer erhielt Organisator Stephan Kuppig über einen Chat, den nur er lesen konnte: "Wir haben sehr viele Komplimente für das Format bekommen."