Containern

Wieso essen Menschen das, was andere wegwerfen?

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

So, 23. Juni 2019 um 10:00 Uhr

Südwest

BZ-Plus Mia und Ben sind Studierende, die in Freiburg nachts Lebensmittel aus den Müllcontainern der Supermärkte fischen – illegal. Sie beklagen die Verschwendung.

Wenn man wie Mia und Ben unterwegs ist, um den heimischen Kühlschrank zu füllen, dann braucht man Geduld. Man braucht eine große leere Sporttasche oder einen Rucksack, der mit einem gelben Sack ausgelegt wird, um Verschmutzungen zu vermeiden. Man braucht eine Taschenlampe und festes Schuhwerk. Und vor allem braucht man Glück. Denn was es morgen auf den Tisch gibt, das wissen die beiden heute, an diesem späten lauen Sommerabend in einem Café am Rande der Freiburger Innenstadt, noch nicht.

Ein bis zwei Mal die Wochen gehen sie containern
Bald schließt ihr nahe gelegener Lieblingssupermarkt, bald sind die beiden Studierenden – er Lehramt, sie ein Masterstudiengang – an der Reihe. Ein bis zwei Mal die Woche gehen Mia und Ben, die beide aus der Ortenau stammen, in einer Wohngemeinschaft leben und im normalen Leben andere Namen haben, containern. Sie holen sich das, was andere wegwerfen, aus dem Müll. Sie ekeln sich nicht. Sie machen das auch nicht aus materieller Not, wie einige andere, auch wenn sie natürlich Geld dabei sparen. Sie sehen sich als Lebensmittelretter.

Der Supermarkt ist zu, doch die Angestellten wollen noch nicht nach Hause. Es ist warm, man raucht und ratscht im Freien, man lacht, und Ben, groß gewachsen, Brille und Schnurrbart, sagt: "Mist! Das dauert. Los, zum nächsten Markt". Nein, nervös sei er nicht, das Warten in der Dunkelheit gehöre dazu. Am Anfang, ja, da habe es ihm einen Nervenkitzel bereitet, da sei es wie eine Schatzsuche gewesen, heute sei ...

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