Betrugsfälle

Volksbank Freiburg sperrt Zahlungen an Direktbanken

Jörn Bender /Barbara Schmidt

Von Jörn Bender (dpa)/Barbara Schmidt

So, 16. Juni 2019 um 18:06 Uhr

Wirtschaft

Die Volksbank Freiburg ergreift Schutzvorkehrungen gegen betrügerische Überweisungen auf Konten von Direktbanken wie N 26, Fidor, Revolut, Bunq oder Solarisbank.

Das Institut habe "aufgrund einer Zunahme an Betrugsfällen im Online-Banking den Zahlungsverkehr mit den Direktbanken N 26, Fidor, Revolut, Bunq und Solarisbank temporär eingestellt", sagte ein Volksbank-Sprecher auf Anfrage. Eine weitere Genossenschaftsbank reagiert ähnlich.

"Hintergrund ist, dass aktuell gerade diese Banken von vermeintlichen Betrügern aufgrund von einfachen Identifikationsverfahren wie beispielsweise Foto-Identifikation – außerhalb von Deutschland – als Zielkonto für vermeintliche Straftaten genutzt werden", führte der Volksbank-Sprecher aus. Spätestens am Dienstag will das Geldhaus seine Systeme technisch so angepasst haben, dass die Sperre wieder aufgehoben wird.

138.000 Privat- und Firmenkunden wurden auf Internetseite informiert

Bis dahin werden alle Zahlungen zu den genannten Direktbanken gesperrt, wie die Volksbank ihre 138.000 Privat- und Firmenkunden auf ihrer Internetseite informiert. Wegen einer bundesweit erhöhten Zahl an Betrugsfällen im Onlinebanking seien vorsorglich verschiedene Funktionen deaktiviert worden. So können Online-Kunden derzeit zum Beispiel das Dispolimit ihres Girokontos nicht erhöhen.

Auch bei der Volksbank Rottweil stehen N 26 und Fidor nach Angaben von Institutschef Henry Rauner "nach wie vor auf der schwarzen Liste". Die Rottweiler prüfen jede Überweisung an die genannten Banken gesondert. Erst wenn der Volksbank-Kunde auf Nachfrage die Richtigkeit bestätigt, wird laut Rauner das Geld freigegeben. Seinen Angaben nach konnten Bankmitarbeiter so schon in zwei bis drei Fällen betrügerische Transaktionen verhindern. Die Volksbank Rottweil ist mit knapp 41.000 Kunden und einer Bilanzsumme von 926 Millionen Euro deutlich kleiner als die Freiburger, die das Geschäftsjahr 2018 mit einer Bilanzsumme von 3,21 Milliarden Euro abschloss und damit zu den zehn größten Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg zählt.

Mobiles TAN-Verfahren ist Einfallstor für Angriffe

Ein Einfallstor für Angriffe auf Konten ihrer Kunden war – wie bei früheren Fällen schon bei anderen Instituten – das mobile TAN-Verfahren. Hierbei bekommt der Bankkunde, der online eine Überweisung tätigen will, die dafür notwendige Transaktionsnummer (TAN) per SMS an eine zuvor bei der Bank hinterlegte Handynummer geschickt. Kriminelle machen sich das zunutze, indem sie zunächst die Zugangsdaten des Kunden für das Online-Banking abgreifen – zum Beispiel über ein Schadprogramm, das sie auf den Computer des Kunden einschleusen. Damit können sie dann auf das Bankkonto des Kunden zugreifen. An die Transaktionsnummer für die Überweisung kommen sie über eine Ersatz-Sim-Karte für die Handynummer des Kunden, die sie bei dessen Mobilfunkanbieter mit falschen Angaben erschleichen.
Fintechs

Finanz-Start-ups wie N 26 krempeln derzeit das Finanzgewerbe um. Ob Geldanlage, Versicherungen, Kredite oder mobiles Bezahlen – die jungen Firmen bieten Verbrauchern oft eine kostengünstige Alternative zu klassischen Banken und Versicherungen. Die sogenannten Fintechs nutzen die Digitalisierung, um Finanzdienstleistungen über das Internet und elektronisch anzubieten. Oft konzentrieren sie sich dabei auf die ertragreichen Geschäftsfelder – wohingegen klassische Geldhäuser das gesamte Portfolio anbieten und außerdem Filialen betreiben. Sie stehen derzeit ohnehin unter Druck, weil die anhaltende Niedrigzinsphase auf den Ertrag drückt. Wie herkömmliche Banken unterliegen auch Finanz-Start-ups, sobald sie erlaubnispflichtige Geldgeschäfte anbieten, der Bankenaufsicht.

Die hohe Professionalität und die Geschwindigkeit, mit der Kriminelle sich Zugriff auf Kundengelder verschafften, überraschte die Volksbank Freiburg. "Sobald die Betrüger sich erfolgreich Zugang zum Online-Banking und einem TAN-Verfahren verschafft haben, finden die Verfügungen in wenigen Minuten statt", berichtete der Sprecher. Fällt der Betrug auf, ist das Geld meist schon weiter ins Ausland transferiert oder in digitale Währungen wie Bitcoin umgetauscht worden.

Eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) betonte: "Sollte es zu einem Betrugsfall im Onlinebanking gekommen sein, entsteht Kunden kein Schaden, sie erhalten ihr Geld zurück." Voraussetzung sei, dass Kunden sorgfältig mit sensiblen Daten wie Geheimnummer (PIN) und TAN umgegangen seien.

Direktbanken rechtfertigen sich

Ein Sprecher der Fidor Bank betonte auf Anfrage: "Jeder, der ein Konto bei der Fidor Bank eröffnet, durchläuft das fälschungssichere Video-Ident-Verfahren. Auch wer aus dem Ausland ein Konto eröffnen will, muss dieses Verfahren durchlaufen. Es ist deshalb wenig wahrscheinlich, dass Betrüger Inhaber solcher Konten sind und gestohlenes Geld dorthin überweisen lassen, wo man sie leicht identifizieren könnte."

N 26 teilte mit, das Unternehmen setze wie alle Banken "Maßnahmen zur Geldwäscheprävention" um. "Sobald wir davon erfahren, dass andere Banken einzelne Transaktionen an N 26 anhalten, treten wir so schnell wie möglich mit der betreffenden Bank in Kontakt, um das Problem zu lösen. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden reibungslos am Zahlungsverkehr teilnehmen können."

N 26 will Belegschaft aufstocken

Im Mai hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bei N 26 Mängel bei Vorkehrungen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung entdeckt. Die Finanzaufsicht hat das Berliner Start-up verpflichtet, einige Bestandskunden neu zu identifizieren, mehr Arbeitsläufe schriftlich festzuhalten und Rückstände bei der Kontrolle verdächtiger Transaktionen aufzuarbeiten.

N 26 kündigte daraufhin an, die Vorgaben noch vor der vorgegebenen Frist umzusetzen. Zudem werde die Belegschaft zum Jahresende von 1000 auf 1500 Mitarbeiter aufgestockt. Die Bafin hatte angeordnet, dass die Bank für eine angemessene personelle Ausstattung für die Geldwäsche-Kontrollen sorgen müsse. N 26 wurde 2013 von den Wienern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal in Berlin gegründet und hält seit 2016 eine Vollbanklizenz. Vergangene Woche knackte die App-Bank nach eigenen Angaben die Marke von 3,5 Millionen Kunden.