Wo sich Autos teilen lassen

Jelka Louisa Beule und Manuel Fritsch

Von Jelka Louisa Beule & Manuel Fritsch

So, 05. Januar 2020

Freiburg

Der Sonntag Freiburg verliert im bundesweiten Carsharing-Ranking drei Plätze.

Was die Zahl von Carsharing-Autos pro Einwohner angeht, ist Freiburg unter den Top fünf in Deutschland. Allerdings sind in nur zwei Jahren gleich drei Städte an Freiburg vorbeigezogen. 2017 war die Breisgaumetropole noch Nummer zwei in Deutschland. Was ist passiert?

Frank Uekermann, Amtsleiter im Garten- und Tiefbauamt, ist zufrieden. "In Städten bis 250 000 Einwohner sind wir Platz 1", sagt er. Überholt im bundesweiten Vergleich wurde Freiburg von den Millionenstädten München, Hamburg und Berlin, Karlsruhe ist seit langem unangefochtener Spitzenreiter.

Dabei war Freiburg ein Vorreiter bei der kommunalen Unterstützung von Carsharing-Angeboten. Bereits 2015 wurden 446 öffentliche Parkplätze zu potentiellen Carsharing-Plätzen umgewidmet. In Deutschland war das ein beispielloses Vorgehen. Von diesen Plätzen sind inzwischen 281 belegt. "Es ist also noch Luft nach oben", sagt Uekermann, ist aber gleichzeitig auch zuversichtlich, dass das Angebot weiter ausgebaut werden wird.

Dass Freiburg mit seiner Carsharing-Strategie auf einem guten Weg ist, sagt auch der Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing, Gunnar Nehrke: "Freiburg hat sehr früh angefangen, großflächig Stellplätze im öffentlichen Straßenraum zu besetzen und dadurch Sichtbarkeit geschaffen. Das war sehr wichtig." Das Freiburger Stellplatzkonzept sei "deutschlandweit politisch top". Dass Freiburg im deutschlandweiten Vergleich dennoch Boden verloren hat, hält Nehrke für weniger schlimm. Denn was die Metropolen an Freiburg vorbeiziehen lassen hat, ist das so genannte Free-floating-System. Dabei werden Autos in der ganzen Stadt verteilt und können ausgeliehen und abgegeben werden – unabhängig von festen Stationen. "Das funktioniert nur bei Städten mit über 500 000 Einwohnern", sagt Nehrke. Der Carsharing-Lobbyist sagt aber auch: "Die Mehrheit der Kunden bevorzugt ein stationsbasiertes Modell", weil es planbarer sei, und weil Free-floating-Autos zur öfteren Nutzung verleiten und damit weniger zu einer Verkehrswende beitrügen. Betrachtet man nur das stationsbasierte Modell, liegt Freiburg direkt hinter Karlsruhe auf Platz zwei im deutschlandweiten Vergleich. 1,59 Carsharing-Fahrzeuge pro 1000 Einwohner gibt es hier. Zum Vergleich: Auf 1000 Einwohner kommen in Deutschland mehr als 560 eigene Pkw.

Kaum Autos in Ortsteilen

Was das Autoteilen angeht, sind die äußeren Stadtteile Freiburgs deutlich unterrepräsentiert. Lediglich sieben der rund 360 Carsharing-Autos, die die beiden Hauptanbieter Stadtmobil Südbaden und Grüne Flotte betreiben, stehen in den acht Ortschaften: drei in Lehen, zwei in Ebnet (jeweils Grüne Flotte) und je eins in Hochdorf und Tiengen (Stadtmobil). In Opfingen, Waltershofen, Munzingen und Kappel gibt es bislang kein Angebot.

Zumindest für Kappel soll sich dies ändern, wie Ortsvorsteher Christoph Brender (CDU) mitteilt. "Spätestens Ende Februar haben wir in Kappel ein Carsharing-Auto", freut er sich. Dabei sah es zuletzt gar nicht danach aus. Zwar hatten sich im Frühjahr 2019 bei zwei Infoveranstaltungen im Kappler Rathaus etwa 30 Bürger interessiert am Auto-Teilen gezeigt. Doch ein halbes Jahr später machte sich Skepsis breit. Christoph Brender hatte erfahren, dass das Carsharing-Angebot im Ortsteil Tiengen wegen mangelndem Interesse eventuell eingestellt werden muss. Brender kündigte daraufhin Gespräche an und konnte schnell einen Erfolg verkünden. Er sei mit Stadtmobil Südbaden überein gekommen, dass ein Auto an der zentralen Großtalstraße stationiert werden soll. In Tiengen steht das Carsharing-Angebot von Stadtmobil dagegen auf wackligen Füßen, wie Ortsvorsteher Maximilian Schächtele (Aktive Bürger Tiengen) bestätigt. Das Auto werde zu wenig nachgefragt. "Das zeigt beispielhaft, dass Carsharing in ländlichen Gemeinden nur schwer wirtschaftlich zu betreiben ist", erklärt Monika Schwinkendorf, Geschäftsführerin der Stadtmobil Südbaden AG. Um das Carsharing-Auto in Tiengen zu halten, wollen Ortsverwaltung und Stadtmobil bei einer Infoveranstaltung versuchen, die Bewohner von dem Angebot zu überzeugen. Diese findet am Mittwoch, 22. Januar, ab 19.30 Uhr im Versammlungssaal beim Rathaus, Freiburger Landstraße 28, statt.

Die Grüne Flotte hat in Lehen und Ebnet Autos stationiert. "Die Fahrzeuge in der Kernstadt sind höher frequentiert, und neue Standorte werden schneller angenommen als die im ländlichen Gebiet", beobachtet deren Leiter Christian Dufner. Dennoch sei es sein Ziel, das Angebot weiter zu vergrößern: "Auch die Freiburger Ortschaften haben wir dabei im Blick." Einen konkreten Zeitplan für den Ausbau gebe es allerdings noch nicht.