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Zeiträume Basel eröffnet mit mehr als 20 Produktionen neue Hörräume

Michael Baas

Von Michael Baas

Mi, 08. September 2021 um 08:26 Uhr

Basel

Architektur und Neue Musik sind wichtige Bezugspunkte im Basler Selbstverständnis. Das Festival Zeiträume führt beide Sphären in mehr als 20 Produktionen unter dem Oberbegriff Verwandlung zusammen.

Basel versteht sich als Architekturstadt. Ebenso wichtig für das Selbstverständnis der Stadt ist die Musik – nicht zuletzt die Neue. Dafür stehen unter anderem Institutionen wie die Paul Sacher Stiftung. Beide Dimensionen – Architektur und Neue Musik – bringt das von dem Basler Komponisten- und Musikertrio Beat Gysin, Georg Friedrich Haas und Marcus Weiss initiierte Festival Zeiträume seit 2015 im Zweijahresturnus also als Biennale an teils sehr speziellen Spielstätten wie Brücken und Kanälen zusammen. Die aktuelle Ausgabe versucht mit mehr als 20 Produktionen unterschiedlichster Art zu beleuchten, was der Begriff Verwandlung im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert und angesichts der jüngsten Pandemie-Erfahrungen bedeuten kann.

Verwandlung als verbindendes Thema

Verwandlung und städtebauliche Transformation gehören am Rheinknie seit Jahren zum Alltag. Große Städtebauliche Entwicklungen finden sich in fast allen Himmelsrichtungen – im Dreispitzareal im Osten, im Lysbüchel im Westen oder im Klybeckareal im Norden. Dort findet sich auch ein Knotenpunkt des einmal mehr von Bernhard Günther kuratierten Festivals. Dort ist nach dem Prolog dieser Tage am Donnerstag die offizielle Eröffnung. Am Klybeckquai ist auch das frühere Feuerschiff Gannet, genauer dessen Rumpf, die Kulisse des multimedialen Projektes "Phase 4", in dem sich Geister der Vergangenheit und Visionen der Zukunft treffen, wie es in der Ankündigung heißt. Und im K 26, einem einst als Eisfabrik genutzten erstmals zugänglichen Bau der noch weitgehend "verbotenen Stadt" des Klybeckareals, endet das Festival am 19. September mit den "Urban Morphologies", einer Konzertinstallation des Berliner Ensembles Mosaik, die städtebaulichen Wandel in Basel, Berlin und Los Angeles künstlerisch untersucht.

Verwandlung sichtbar wird zum Beispiel aber auch in diversen umgewidmeten Kirchen, die das Festival als Spielstätten nutzt. So wird die Kulturkirche Paulus beim Schützenmattpark Schauplatz eines "Oratoriums", das der Elektronikpionier Thomas Kessler zu einem Text des Büchner-Preisträgers Lukas Bärfuss komponiert hat. Das in einer früheren Kirche realisierte Musikzentrum Don Bosco im Breite-Quartier ist gar Bühne eines Festival-Höhepunktes, einem fast zweistündigen Musiktheater. Konkret geht es um die von Michael Hersch und Stephanie Fleischmann komponierte Oper "Poppaea", die alternative Lesarten der berüchtigten Gattin des ebenso berüchtigten römischen Kaisers Nero bietet und die Zeiträume als Uraufführung mit dem Festival Wien Modern koproduziert.

Klang- und Soundinstallationen

Darüber hinaus sind wieder zahlreiche weitere Orte und Produktionen zu entdecken. Dazu gehören stille – wie der durch Barblina Meierhans erstmals klanglich ausgelotete Lesesaal der Universitätsbibliothek Basel; dazu gehört auch der öffentliche Raum, wie die Mittlere Brücke, an der erneut der Festivalpavillon steht. Dazu gehören auch Klang- und Soundinstallationen in Birsfelden, wo Cathy van Eck dem Klang der Gemeinde nachspürt, oder an der Kaserne Basel, wo ein Audiowalk eintaucht in die Geschichte des Ortes. Weitere Partner wie die Fondation Beyeler oder die Gemeinde Riehen ermöglichen weitere wundersame Orts- und Konzerterlebnisse. So verwandelt sich der Sarasinpark in Riehen auf Basis von Jürgen Wäldeles Komposition "Snurglond" in eine begehbare Partitur. Dazu kommen Firmen, die ihre Türen für Projekte öffnen wie die Versicherung Swisslife oder das Smart City Lab der SBB im früheren Güterbahnhof Wolf, wo das Thema Grenzbahnhof verklanglicht wird.

All das will Assoziationsräume öffnen, die Wandel als "permanente Größe in allen Lebensbereichen" beschreiben, wie es in der Ankündigung heißt. Dem der Neuen Musik anhaftenden Ruf des Sperrigen tritt Intendant Günther indes einmal mehr entgegen. In seinen Ohren sei diese nicht sperrig. "Neue Musik steht nicht für Abgrenzung, sondern für eine Erweiterung der Kunstmusik", betonte er zur Ausgabe 2019 und bekräftigt das nun. Es gehe um eine Wahrnehmung mit den Ohren, darum, die Möglichkeiten des Hörens erlebbar machen, und zwar nicht nur durch große Meisterwerke, sondern auch Spaziergänge oder Gespräche.
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Zeiträume Basel, bis 19. September, diverse Schauplätze, Eröffnung, 9. September, 18 Uhr, Festivalpass 200, ermäßigt 100 Franken, Last minute Tickets für Schüler, Studierende und Auszubildende fünf Franken. Programm: http://www.zeitraeumebasel.com