Ziemlich beste Freunde

Axel Veiel

Von Axel Veiel

Sa, 07. April 2012

Ausland

Dafür, dass Deutsche und Franzosen sich nicht lieben, verstehen sie sich erstaunlich gut.

So schnell kann es gehen. Eben erst in den höchsten Tönen gepriesen, hat das Modell Deutschland auch schon wieder ausgedient. Vor ein paar Wochen noch hatten die französischen Lobeshymnen auf den erfolgreich wirtschaftenden Nachbarn so manchem Deutschen die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Staatschef Nicolas Sarkozy war vor die Fernsehkameras getreten, hatte die Bundesrepublik zum Maß aller Dinge und die Kanzlerin zur besten aller Duz-Freundinnen erklärt. Ob im Exportgeschäft, beim sozialen Dialog oder in der Rentenpolitik: Von Deutschland lernen heißt siegen lernen, lautete die Devise. Angela Merkel zeigte sich beeindruckt, versprach rückhaltlose Wahlkampfhilfe. "Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal was er tut", sagte sie. Fast schon eine Liebeserklärung war das.
Die Fantasie begann, Purzelbäume zu schlagen. Der Soziologe Ulrich Beck beschwor das Wunder eines Zusammenschlusses der einander über Jahrhunderte hinweg bekriegenden Nationen, rückte es in den Bereich des Möglichen, erinnerte daran, dass andere Wunder wie der Fall der Berliner Mauer bereits Wirklichkeit geworden sind. Dem Kürzel RFA, das den Franzosen für die Bundesrepublik Deutschland steht, wuchs eine neue, eine abenteuerliche Bedeutung zu: République Francaise d’Allemagne, Französische Republik Deutschland. Und der Philosoph Alain Badiou lotete volkscharakterliche Konsequenzen deutsch-französischer Einheit aus. Tiefgang, Disziplin und Strenge der Deutschen hätten sich mit Klarheit, Lebhaftigkeit und Leichtigkeit der Franzosen zu verbinden, schrieb Badiou.
Aber Anfang April ist dies Schnee von gestern. Die Schamesröte ist der Zornesröte gewichen. Von deutsch-französischen ...

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