Jugend und Beruf

Zoff im Job: Boomer versus Gen Z

Sabine Meuter

Von Sabine Meuter (dpa)

Di, 31. Januar 2023 um 09:53 Uhr

Verlagsthema

Verlagsthema Ok, Boomer! So würgt die Generation Z die Aussagen ihrer Eltern ab. Auch am Arbeitsplatz kann sich dieses Spannungsfeld der Generationen aufbauen – so lassen sich Konflikte lösen.

Obwohl es eigentlich normal ist, dass mehrere Generationen am Arbeitsplatz zusammenkommen, können unterschiedliche Werte und Arbeitsweisen Konfliktpotenzial bergen. Schließlich treffen die sogenannten Babyboomer (1956 bis 1965) auf die Generation X (1966 bis 1980) und Y (1981 bis 1995). Seit einiger Zeit mischt auch die Generation Z mit, zu der alle ab 1996 Geborenen gehören.

"Die Babyboomer stehen nach einem gängigen Klischee für Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit. Autoritäten respektieren sie", sagt Ute Gietzen-Wieland, Karriere-Coach in Bielefeld. Boomer würden hart arbeiten und Überstunden in Kauf nehmen. Der Generation X und Y hingegen sei eine Work-Life-Balance wichtig. Für die Generation Z hätten Faktoren wie Spaß an der Arbeit und Sinnfindung Vorrang. Für sie liege der Fokus auf einer klaren Abgrenzung von Beruf und Privatleben.

Unmutsthema Überstunden
Aus Sicht von Timo Müller, Leiter des Instituts für Konfliktmanagement und Führungskommunikation, kann gerade das Thema Überstunden für Unmut in einem altersgemischten Team sorgen. "Für Babyboomer ist es in der Regel selbstverständlich, länger zu arbeiten", sagt der .

Eine Person der Generation Z habe dazu eine andere Einstellung, so Müller. Die Argumentation laute hier vielfach: "Bei Überstunden geht mir wichtige Freizeit verloren, dazu bin ich nicht bereit." Und: "Bei Konflikten mit dem Chef oder mit der Chefin kündige ich, schließlich gibt es andere Arbeitgeber mit netten Führungskräften."

Für diese Einstellung der Generation Z mangelt es Babyboomern laut Müller teilweise an Verständnis. "Wenn Mitarbeitende immer pünktlich nach Hause gehen, interpretieren dies Babyboomer dann womöglich als Faulheit", sagt Müller.

Werte unterscheiden sich
Und wenn ein Vertreter oder eine Vertreterin der "Gen Z" bei Stress mit anderen am Arbeitsplatz kündigt und sich eine neue Stelle sucht, stempeln Babyboomer das unter Umständen als fehlende Durchhaltefähigkeit ab. "Die Einstellung, im Beruf zuerst an sich zu denken und am Ende möglichst viel Freizeit zu haben, ist für Boomer nicht nachvollziehbar, widerspricht deren Normen und ist für diese sogar moralisch verwerflich", so Müller.

Nach seiner Beobachtung hat es umgekehrt die Generation Z größtenteils nicht auf dem Schirm, dass es eine "Einstellungswelt" außerhalb der eigenen gibt.

Ein weiteres mögliches Konfliktpotenzial: "Viele der Jüngeren werfen Älteren nicht selten vor, zu starr an bisherigen Strukturen festzuhalten und nicht aufgeschlossen genug gegenüber neuen Ideen zu sein", sagt Gietzen-Wieland. Hinzu komme, dass der Umgang mit digitalen Medien für Jüngere selbstverständlich ist und sie ihn in den Joballtag integrieren wollten. "Aber an der Stelle kommen viele der Älteren oft nicht mit und verschließen sich", so die Expertin. Die Älteren wiederum würden häufig den Jüngeren vorwerfen, sie wollten mit allen auf Augenhöhe sein und überall mitreden, seien aber nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Perspektive wechseln und den anderen verstehen
Wenn solche generationsbezogenen Konflikte am Arbeitsplatz auftreten, hilft nur eins: "Sich als Team zusammensetzen und miteinander reden", sagt Gietzen-Wieland. Das habe sich bei altersgemischten Teams auch vor dem Auftreten von Streitigkeiten, also quasi vorbeugend, bewährt.

Dabei komme der Führungskraft eine moderierende Rolle zu. Auch externe Konfliktmoderatoren könnten bei einer solchen Teamsitzung hilfreich sein. "Zunächst geht es darum, dass alle Beteiligten einmal die Perspektive wechseln", sagt Müller.

Ziel sei dabei, den Erfahrungs- und Sozialisationshintergrund der anderen Generationen zu verstehen und nachzuvollziehen.

Voneinander lernen und Toleranz üben
Verständnis zu wecken ist das eine. Das andere, ebenfalls Wichtige: "Jeder und jede im Team sollte sich bewusst machen, dass alle voneinander lernen können", erklärt Karriere-Coach Gietzen-Wieland.

So könnten Jüngere zum Beispiel Ältere dabei begleiten, schneller in digitale Prozesse – die ja oftmals den Joballtag wesentlich unkomplizierter machen – einzufinden. Ältere wiederum könnten Jüngere an ihren langjährigen Erfahrungen teilhaben lassen.

"Oft macht es Sinn, wenn ein altersgemischtes Team explizit ein paar Spielregeln für den Umgang miteinander festlegt", so Gietzen-Wieland. Dazu könne beispielsweise gehören, dass jeder jedem mit Respekt begegnet oder dass alle Mitarbeiter neue Ideen beispielsweise für Arbeitsabläufe aufgeschlossen prüfen und nicht gleich verwerfen.

"Wichtig ist aber auch, dass alle eine gewisse Toleranz für das andere Arbeitswelt-Erleben entwickeln", fordert Konfliktexperte Müller. Denn offen miteinander zu reden und Verständnis füreinander zu entwickeln, lohne sich: Der Joballtag gestaltet sich konfliktfreier und für den Betrieb unter dem Strich in jedem Fall wirtschaftlich produktiver.
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