Stadtteilgeschichten

Zum Stadtjubiläum möchte ein Freiburger Verein den Stühlinger beleben

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Do, 20. August 2020 um 12:28 Uhr

Freiburg

Der Verein Schwere(s)Los! warnt vor einer Gentrifizierung des Stühlingers. Für einen Aktionstag am 17. Oktober auf dem Kirchplatz sammelt der Verein Beiträge von Anwohnerinnen und Anwohnern.

"Mit 'Stühlinger wirALL' möchten wir den Stadtteil erfahrbar machen", sagt Michael Labres von Schwere(s)Los!. Am 17. Oktober findet im Rahmen von "900 Jahre Freiburg" auf dem Kirchplatz ein Aktionstag statt. Dort präsentiert der Verein zusammen mit Kooperationspartnern und ehrenamtlichen Akteuren Arbeiten und Ideen von Bürgerinnen und Bürgern.

Stadtteilgeschichten und Wünsche

Die Beiträge fließen aus verschiedenen Veranstaltungsreihen zusammen. Im Erzähl-Café können Menschen aus dem Stühlinger jeden Donnerstag ihre Stadtteilgeschichten preisgeben. "Wir laden Leute ein, die persönliche und historische Anekdoten erzählen", sagt Labres. Beim Image-Tisch, der jeden Samstag parallel zum Markt stattfindet, können Anwohnerinnen und Anwohner ihre Wünsche für den Stühlinger kundtun. Die Ergebnisse aus beiden Formaten werden in audiovisueller und schriftlicher Form festgehalten und am Aktionstag vorgestellt.
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Unter dem Motto "Digitale Corona Performances" sammelt Schwere(s)Los! zudem Kunstbeiträge. "So lange es politisch nicht daneben ist, kann es alles sein", sagt Labres. Von Musikvideos bis Kurzfilmen freue er sich über jede Einsendung. Die Werke zeigt der Verein ebenfalls am 17. Oktober auf einer großen Leinwand.
"Der Stadt wollen wir damit kein Bein stellen, sondern einen produktiven Vorschlag einbringen." Michael Labres
Bevor die Pandemie die Pläne stoppte, wollte die Stadt den Kirchplatz mit einer Freilichtbühne, einem Café und Lichtinstallationen aufwerten. "Das Konzept wurde dem Bürgerverein und den anderen Initiativen aufgedrückt", sagte Maren Moormann von Schwere(s)Los! im Juni gegenüber der Badischen Zeitung. Das ziele auf die Verdrängung von Gruppen wie den Gambiern ab.

"Wir wollen der fortschreitenden Gentrifizierung des Stadtteils, der zunehmenden Kriminalisierung Geflüchteter und den wachsenden Ängsten der Anwohner*innen durch Begegnungsangebote auf Augenhöhe entgegenwirken", schreibt der Verein über "Stühlinger wirALL". "Der Stadt wollen wir damit kein Bein stellen, sondern einen produktiven Vorschlag einbringen", erläutert Michael Labres die Projektidee.

Die Eschholzstraße wird Chill-Meile

An einem zweiten Aktionstag im Frühling 2021 soll die Eschholzstraße in eine "Chill-Meile" verwandelt werden. Hierfür wird ein Streckenabschnitt komplett für den Autoverkehr gesperrt. "Die Bewohner sollen die Straße erobern", sagt Labres. Kunst-Performances seien bereits geplant. Die Ergebnisse aus "Stühlinger wirALL" sollen bis dahin ebenfalls weiterentwickelt werden.

Veranstaltungen:

  • Erzähl-Café, jeden Donnerstag, 18 bis 19.30 Uhr, Stühlinger Kirchplatz
  • Image-Tisch, jeden Samstag, 11 bis 13 Uhr, Stühlinger Kirchplatz
  • Aktionstag "Stühlinger wirALL, 17. Oktober, 13 bis 22 Uhr, Stühlinger Kirchplatz