Zwischen Fragilität und Stabilität

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 28. September 2019

Denzlingen

Thomas Hammelmann zeigt in Denzlingen eine Ausstellung, die Überraschendes bereithält / Bis Ende Oktober im Alten Rathaus.

DENZLINGEN. Oft entsteht Kunst im Atelier, bevor sie verpackt und in die Galerie getragen wird. Ganz anders verhält es sich mit den Installationen von Thomas Hammelmann. Sie entstehen im Kopf und realisieren sich erst in den Ausstellungsräumen. Die Galerie im Alten Rathaus ist damit bis Ende Oktober nicht nur ein Ort der Präsentation. In ihr verwirklicht sich künstlerische Arbeit, Kunst ist dort ein lebendiges Ereignis.

Weniger deutlich wird dies beim Betreten des "Intro-Raums", wie Hammelmann den mittleren Galerieraum bezeichnet. Die dort gezeigten Skulpturen führen in seine Motivik ein, machen vertraut mit dem, was in den anderen Räumen immer wieder auftaucht. Und diese Skulpturen stehen zugleich auch für sich und die Themen Ordnung und Zerbrechlichkeit.

Mit seinen Zahnradobjekten scheint der 55-Jährige etwas Vertrautes anzubieten, das bei näherer Betrachtung jedoch ganz aus der geordneten Vorstellungswelt herausfällt. Seine Zahnräder, Symbole für ein stabiles Ineinandergreifen, sind als Gies-Keramik höchst zerbrechlich, die Gestelle, in denen sie fixiert und angeordnet sind, erwecken nur den Eindruck, aus stabilem Metall zu sein. Die bildhaften Arbeiten, geordnete Papierbilder, die mit Laser geschnitten wurden, spielen mit scheinbarer Stabilität und deutlicher Fragilität. "Es ist eben nicht alles wie es scheint", so Hammelmann, der Philosophie und Musikwissenschaften studiert hat.

Was sich in diesen Arbeiten als Konzept andeutet, setzt Hammelmann in den anderen Räumen fort. Schon seit den Anfängen ist der gebürtige Dortmunder mit Computertechnik und Videografie vertraut, beides setzt er nun höchst spannend ein. Per Zufallsgenerator entstehen so auf Bildschirmen Zeichnungen, werden Bilder übermalt und ständig verändert, entsteht scheinbare Ordnung, die sich dann wieder auflöst. Durchaus auch auf Bestreben des Betrachters hin, der die Möglichkeit hat, per Knopf den Prozess zu stoppen, auf Neustart zu setzen. Wiederholen, oder das, was eben war, zurückholen, kann er dadurch nicht. Mit dem Druck auf den Knopf verschwindet Einmaliges, beginnt die Kreation des Einmaligen neu.

Ganz so direkt in den schöpferischen Prozess geht es in der ganzräumigen Videoinstallation im dritten Raum nicht. Bewegte Bilder verleihen dort filigranen Skulpturen Lebendigkeit, die Ordnung des Objekts zerbricht in der Bewegung, was sich durch die eigene Bewegung, durch Perspektivwechsel potenzieren lässt.

Unendlich viele Möglichkeiten bieten so die Arbeiten von Hammelmann, der sich selbst mit der Bezeichnung Künstler nicht wirklich anfreunden kann. "Das klingt so eitel." Er fühlt sich Handwerkern oder allgemein Menschen, die etwas gut können, verbundener. "Künstler machen nichts besser, sie machen nur etwas anderes", erklärt er. Wer seine Ausstellung besucht, sollte auch etwas anders machen: Er sollte ganz besonders viel Zeit mitbringen.

Die Ausstellung "Ordnung und Zerbrechlichkeit – Neue Medien, Papier und Skulptur" von Thomas Hammelmann ist in der Galerie im Alten Rathaus bis 27. Oktober immer samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen.