Hochschwarzwald

18 Videos zeigen die Arbeit der Musikvereine während der Pandemie

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Mi, 03. Februar 2021 um 17:28 Uhr

Titisee-Neustadt

Keine Proben, keine Konzerte, keine Einnahmen: 18 musikalische Vereine im Hochschwarzwald zeigen in Videos, wie es ihnen in der Corona-Pandemie geht und wie ihnen das Hobby abgeht.

In schwierigen Zeiten geht über 17 musikalische Vereine ein warmer Regen. Sie sind einem Aufruf des Lions Clubs Hochschwarzwald gefolgt und haben die Folgen der Corona-Pandemie für ihre Kulturarbeit in einem Video dargestellt. Der Club hat 13.600 Euro auf sie verteilt. Gewonnen hat die Stadtmusik Löffingen, sie erhält 2100 Euro. Niemand geht leer aus. Das sind die Beiträge in der Übersicht:

Musikverein Waldau

Trachtenkapelle Hinterzarten

Schwarzwälder Gospel Singers
Trachtenkapelle St. Märgen-Glashütte
Stadtmusik Neustadt
Musikverein Kappel
Trachtenkapelle Göschweiler
Sinfonisches Orchester Hochschwarzwald
Musikverein Rötenbach
Blaskapelle Grünwald-Holzschlag
Trachtengruppe Breitnau
Jugendkapelle Stadtmusik Neustadt
Musikverein Eisenbach
Musikverein Titisee-Jostal
Stadtmusik Lenzkirch
AHC Neustadt
Stadtmusik Löffingen
Akkordeonorchester Chill out St.Märgen

Solidarität

Die Aktion zeichnet sich durch Gemeinsinn aus. Nicht nur, dass die Lions das Geld spenden, das Bürger durch den Kauf des Adventskalenders zusammengebracht haben, der wiederum mit Sachspenden heimischer Unternehmer bestückt war. Ein besonderes Zeichen für Solidarität haben die Schwarzwälder Gospel Singers gesetzt. Die Singgemeinschaft von Gabriele von Oppen hat auf einen Preis für ihren Beitrag verzichtet, damit das Geld weiterverteilt werden kann. Der Grund: Der Chor hat keine Fixkosten. Und da die Sängerinnen und Sänger den dritten Platz belegt haben, der mit 1000 Euro dotiert war, wurden 17 mal 59 Euro frei, die Lions rundeten auf 100 Euro auf als Dreingabe für die anderen Vereine. Für Lions-Präsident Thomas Vogelbacher eine Geste, die er mit "mega" bewertet.

Bange Blicke

Von ihm stammte die Idee zu dem Wettstreit, der auf musikalische Weise den ernsten Hintergrund beleuchten sollte: Angesichts der Pandemie keine Proben, keine Konzerte – und bei laufenden Kosten keine Einnahmen. Bisher hat noch kein Verein die Instrumente strecken müssen, die Gefahr bestehe aber, weiß Vogelbacher, selbst seit Jahrzehnten Musiker, 20 Jahre lang Vorsitzender der Stadtmusik Neustadt und gut vernetzt im Blasmusikverband. Nicht zuletzt droht den Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern der Spaß am Hobby zu vergehen: Die Geselligkeit fehlt, das Miteinander beim Musizieren und danach, die gemeinsame Unternehmung. Die Sorge geht um, dass man Aktive verlieren könnte. Dem wollte Vogelbacher entgegenwirken.

Zwischen 1 und 6

Über das Echo ist er "sehr erfreut". 17 Musikvereine und die Gospel Singers als einziger Chor reichten Beiträge ein. Fünf Kriterien hatten sie zu beachten gehabt: Stellen sie sich so vor, dass man erfährt, was der Vereinszweck ist und welche Aktivitäten entfaltet werden? Wie originell ist der musikalische Beitrag? Wie gut wird die Situation in der Pandemie beschrieben? Wie ideen- und abwechslungsreich ist das Video, wie der Gesamteindruck?

Die sechsköpfige Jury musste nach einem Notenschema bewerten, das sich zwischen "herausragend" (1) und "ohne Anspruch (6)" bewegte. Da jedes Jurymitglied für sich die Videos bewertete, sieht Vogelbacher "ein Höchstmaß an Objektivität" gesichert. Für das Gesamtergebnis habe schnell Klarheit bestanden, "große Diskussionen waren nicht notwendig".

Am überzeugendsten fand die Jury die Stadtmusik Löffingen mit der Note 2,17 und 2100 Euro. Der Musikverein Eisenbach folgte mit der Note 2,2 und 1600 Euro. Beide wählten einen szenischen Einstieg, beide unterlegen ihre Beiträge mit dem satten Klang, in dem Blasmusik normalerweise klingt.

Szenische Einstiege

Die Löffinger, durch Corona besonders geschädigt im Jahr zum 300-jährigen Bestehen, geben Einblick in den Alltag einer Familie, deren Tochter auf nichts mehr Lust hat – ihr fehlt das Musizieren, "allein macht’s keinen Spaß". Trompeter Jochen Schmid war mit Bianca und Chris Zipfel federführend. Erst wurde überlegt, wie man es aufziehen muss, damit die Kriterien erfüllt werden. Dann brauchte es 38 Video- und 38 Musikdateien. Und die Bilder für den Gegensatz, was war und was nicht mehr ist – "aber wie zeigt man Lockdown", fragt Schmid. Den Zeitaufwand kann er schlecht benennen. Eine Woche vielleicht für die Musikaufnahmen, zwei Wochen fürs Gesamte, "halt abends immer mal wieder". Wenn’s Spaß macht, schaut man nicht auf die Uhr.

Ohne Musiker geht’s nicht

Die Eisenbacher fanden es schwierig, getrennt und digital zu proben, "und das beim Internet im Schwarzwald". Zeitaufwand hier? Silas Schwab, der stellvertretende Vorsitzende des Musikvereins, fing im Dezember mit dem Vorsitzenden Martin Bliestle, Dirigent Martin Müller und Bläserjugendchef Lars Gehring an, ungefähr drei Wochen blieben sie dran. Alle Musiker mussten mobilisiert werden, dass sie ihren Part einspielen. Parallel dazu war ein Skript zu schreiben. Dann mussten alle Clips tongenau übereinandergelegt werden, und, und.... Schwab schätzt seinen Einsatz auf "rund 20 Stunden", aber "wir haben ja alle gearbeitet".

Die Schwarzwälder Gospelsingers fanden sich mit der Note 2,3 auf Rang drei mit der gleich benoteten Jugendkapelle der Stadtmusik Neustadt (1100 Euro).

Die weiteren Gewinner

Vier Vereine dürfen sich über je 900 Euro freuen: Trachtengruppe Breitnau, Musikverein Titisee-Jostal, Sinfonisches Orchester Hochschwarzwald und Musikverein Waldau. Sechs Vereine erhalten je 600 Euro: Trachtenkapelle St. Märgen-Glashütte, Musikverein Kappel, Stadtmusik Neustadt, Trachtenkapelle Göschweiler, Blaskapelle Grünwald-Holzschlag und Musikverein Rötenbach. Vier Vereine werden mit je 400 Euro aufgestockt: Akkordeon- und Harmonikaclub Neustadt, Trachtenkapelle Hinterzarten, Stadtmusik Lenzkirch und Akkordeonorchester Chill-out.

So unterschiedlich die Ansätze gewesen sein mögen, wie man die Sache angeht von der Idee bis zum Drehbuch; so verschieden die technischen Möglichkeiten oder die Kenntnisse zur Anwendung erscheinen, so kommt doch überall heraus: Hier Frust über die Situation heute, dort der Eindruck, wie die Menschen generationenübergreifend beim Musizieren Freude haben könnten und hoffentlich bald wieder haben werden – zum Gefallen der Gemeinschaft.