Unfälle am Baggersee

19-Jährige ertrinkt im Waldmattensee in Lahr – Tauchunfall in Kürzell

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

So, 09. August 2020 um 00:00 Uhr

Lahr

Am Samstag ist eine junge Nichtschwimmerin im Waldmattensee in Kippenheimweiler ums Leben gekommen. Im Matschelsee in Kürzell geriet am Sonntag ein Taucher aus dem Elsass in Not.

Aktualisiert am Sonntag um 20 Uhr

Fatalerweise enthielt der Notruf eine falsche Ortsangabe. Zudem behinderten Falschparker die Einsatzkräfte. Im Matschelsee in Kürzell geriet am Sonntag ein Taucher aus dem Elsass in Not. Er musste zur Behandlung ins Lahrer Krankenhaus.

Der Chef der Lahrer Feuerwehr, Thomas Happersberger, sagte der BZ, Taucher der Wasserwacht Ettenheim bargen die Frau aus dem See. Versuche, sie zu reanimieren, blieben erfolglos. Das Unglück hat sich im Bereich des Kieswerks ereignet, also nicht im teils von der DLRG überwachten Teil, der als offizielles Lahrer Badegewässer ausgewiesen ist.

Ankunft der Rettungskräfte verzögerte sich

Die Einsatzkräfte wurden gegen 16.30 Uhr alarmiert. Im Einsatz waren Polizei, DLRG, Rettungsdienst und Wasserwacht mit Rettungstauchern. Je ein Hubschrauber von der DRF Luftrettung und von der Polizei waren ebenfalls vor Ort. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen zum Ereignishergang aufgenommen.

Offenbar verzögerte sich die Ankunft der Rettungskräfte, weil diese zunächst zum Auwaldsee in Langenwinkel dirigiert worden waren. Das Unglück geschah aber am Waldmattensee in Kippenheimweiler. Nach Auskunft der Polizei hatten die Angehörigen, die den Notruf absetzten selbst diesen falschen Ort angegeben. Auch bei ihnen handelte es sich um Nichtschwimmer. Ein erster Einsatzwagen der Polizei sei dann auch fälschlich an den Auwaldsee gefahren. "Als der zweite Einsatzwagen dann zum Waldmattensee kam, war der Rettungsdienst dort auch schon eingetroffen", sagte ein Polizeisprecher der Badischen Zeitung am Sonntag. Um eine Sprachbarriere dürfte es sich bei der falschen Ortsangabe nicht gehandelt haben. "Diejenigen, die den Notruf absetzten, sprachen Deutsch und waren auch nicht ortsfremd", so die Polizei auf Nachfrage. Möglicherweise sei der falsche Ort aufgrund der Schocksituation genannt worden.

Falschparker behindern Rettungsfahrzeuge

Weiterhin erschwerend wirkte sich laut dem Lahrer Feuerwehrchef und Einsatzleiter Thomas Happersberger die Verkehrssituation vor Ort aus. Demnach wurden Halteverbotszeichen ignoriert, entlang der Hauptzufahrt zum Badesee parkten Autos auf beiden Seiten der Straße. "Die Kollegen mit dem Rettungsboot hatten links und rechts noch wenige Zentimeter Platz, um mit ihrem Einsatzfahrzeug zur Unglücksstelle vorzudringen", beschrieb Happersberger die Lage. Er vermutet, die Falschparker könnten geglaubt haben, dass sie am Wochenende, wenn die Arbeit im Kieswerk ruht, keine Rücksicht auf die Parkregelung nehmen müssen. Hier wolle man kommende Woche in Gespräche mit der Stadtverwaltung treten, so Happersberger zur Badischen Zeitung. Denkbar sei, dass an der Zufahrt zum Waldmattensee Zusatzschilder aufgestellt werden, die auf Rettungswege für Einsatzfahrzeuge hinweisen. Auch ein kurzfristig verstärkter Kontrolldruck sei möglicherweise sinnvoll.

Auf die für Rettungskräfte hochproblematische Parksituation am Waldmattensee hatte erst vor wenigen Tagen Kippenheimweilers Ortsvorsteher Tobias Fässler hingewiesen (siehe BZ-Bericht vom 5. August).

Weiteres Unglück: Taucher stieg zu schnell an die Oberfläche

In seiner persönlichen Einsatzbilanz kommt Happersberger zu einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände: Zunächst die Wahl der Schwimmstelle abseits der erlaubten Bereiche, dann der Umstand, dass die verunglückte Frau und auch die Begleiter nicht schwimmen konnten, schließlich die falsche Ortsbezeichnung im Notruf und am Ende die erschwerte Zufahrt zum Einsatzort. Auf die für Rettungskräfte hochproblematische Parksituation am Waldmattensee hatte erst vor wenigen Tagen Kippenheimweilers Ortsvorsteher Tobias Fässler hingewiesen.

Ein weiterer Badeunfall ereignete sich am Sonntag im Matschelsee nahe Kürzell. Weil ein Taucher am Sonntag am Ende eines Tauchgangs im See zu schnell an die Oberfläche aufgestiegen war, geriet er in Not und verlor auch für kurze Zeit das Bewusstsein. Rettungskräfte konnten ihn ins Lahrer Krankenhaus bringen. Er schwebte nicht in Lebensgefahr.

Nach Informationen Polizei spielte sich der Tauchunfall so ab: Am späten Sonntagvormittag waren zwei Taucher auf einem gemeinsamen Tauchgang mitten im See. Dort sind Tauchgänge bis zu 50 Metern Tiefe und mehr möglich. Beim Auftauchen sei es bei einem der beiden Taucher, einem 59-jährigen Elsässer, zu einer unkontrollierter Sauerstoffzufuhr gekommen. Auslöser war vermutlich ein technischer Defekt am Tauchgerät. Der Taucher geriet deshalb in Panik und tauchte zu schnell auf. Der Tauchpartner konnte den kurze Zeit bewusstlosen 59-Jährigen an Land bringen und um 11.47 Uhr einen Notruf absetzen. Die alarmierten Rettungskräfte brachten den Taucher nach Ersthilfemaßnahmen vor Ort mit dem Rettungswagen ins Lahrer Krankenhaus. Nach Informationen der Polizei (Stand Sonntag) habe sich der Taucher nicht in Lebensgefahr befunden. Auch habe er im Krankenhaus nicht in einer Sauerstoffüberdruckkammer behandelt werden müssen.