Abstufung der B 415 als erster Schritt

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Di, 19. Februar 2019 um 15:03 Uhr

Lahr

BZ-Redaktionsgespräch mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Sandra Boser über Verkehrslärm und Digitalisierung an Schulen

Sandra Boser, die Landtagsabgeordnete der Grünen, will sich im Redaktionsgespräch für eine Abstufung der B 415 zur Landesstraße stark machen, um ein nächtliches Lkw-Fahrverbot für die geplagten Anwohner in Kuhbach und Reichenbach zu erreichen. Weitere Themen: Digitalisierung an Schulen und Wohnungsbau.

Den Höhenflug der Grünen sieht Boser nicht allein in der Person des bundesweit beliebten Regierungschefs Winfried Kretschmann begründet. "Ich sehe uns als Partei, die die Mitte trifft", sagt die Landtagsabgeordnete mit entwaffnendem Lächeln und nennt als Beispiel die Debatte um Luftreinhaltung. Die Grünen versuchten hier die schwierige Balance zwischen den Interessen der Automobilindustrie und der Gesundheit der Bevölkerung auszutarieren werden – zur Not eben auch mit Fahrverboten. Dass die Mitbewerber schwächeln, sieht sie in deren Personal begründet. Die aktuell desolate Lage der Sozialdemokraten sei jedenfalls problematisch für die ganze Parteienlandschaft.

Für das Schuttertal befürwortet Sandra Boser eine Rückstufung der B 415 zur Landesstraße, um ein Nachtfahrverbot für Lkw einigermaßen zeitnah umsetzen zu können. Bisher vorgestellte Trassenvarianten für eine Schutterparallele führten zu neuen Betroffenheiten. Positiv sieht sie die Bürgerbeteiligung im Entscheidungsprozess und kann sich vorstellen, Anlieger auch per Zufallsprinzip zu befragen: "Das wäre eine Chance auch mal Menschen zu hören, die sich bisher nicht geäußert haben."

Unabhängig von den Überlegungen zum Straßenbau spricht sie sich für eine Verbesserung des ÖPNV-Angebots und der Radwege aus. Als gute Entwicklung auf langer Perspektive wertet Boser den Umstand, dass die Zahl der Führerscheinneulinge um 20 Prozent abgenommen hat. "Für Jugendliche hat das Auto nicht mehr den Stellenwert wie noch vor einigen Jahren." Grundsätzlich spricht sich die Grünen-Landtagsabgeordnete dafür aus, Mobilitätsalternativen zu testen – und nennt explizit das Mitfahrerbänkle.

Die Förderung der Schulen nach dem Gießkannenprinzip in Sachen Digitalisierung hält Boser aus einem einfachen Grund für wenig sinnvoll: "Die Einrichtungen in der Region sind da auf einem höchst unterschiedlichen Niveau. Manche brauchen erst einmal Wlan-Anschluss, andere arbeiten schon längst mit Whiteboards und Tablets. Dann gibt’s Schulen, in denen Schüler zum Teil schon 3D-Drucker programmieren." Der unterschiedliche Entwicklungsstand hänge nicht zuletzt mit der Qualifikation von Lehrkräften zusammen, weshalb sich die Abgeordnete dafür ausspricht, diese, wo nötig, erst einmal entsprechend für digitalen Unterricht zu qualifizieren. 150 Millionen Euro will das Land in den kommenden beiden Jahren in diesen Bereich investieren und dabei eng mit den Kommunen zusammenarbeiten.

Ins kritiklose allgemeine Lob für das Gute-Kita-Gesetz mag sie nicht ganz einstimmen: "Ich finde, da gibt es zu viele bürokratischen Hürden und Vorgaben." Sinnvoll erachtet sie die Finanzierung von Beratungsstellen durch ein Landesprogramm und eine enge Bindung an die Landkreise und Einrichtungen.

Beim sozialen Wohnungsbau sieht Sandra Boser die Stadt Lahr auf einem guten Weg. Der Beschluss einer Sozialquote bei Neubauprojekten und die angestrebte Durchmischung des Kanadarings wiesen in die richtige Richtung. Dazu zähle auch, Wohnbaugesellschaften gezielt mit Fördergeldern zu unterstützen. Ansonsten wünscht sie sich mehr Flexibilität bei der Vergabe von Sozialwohnungen.

Beim Fachkräftemangel in der Region sieht sie die Sprachbarrieren als größtes Manko. Das betrifft in erster Linie die Elsässer, die ohne Deutschkenntnisse nur geringe Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hätten. Sprachförderung in die beruflichen Schulen zu integrieren sei ein sinnvoller Weg.