Atomkraftwerk

Als Wyhl verhindert wurde: Die Richter und das Restrisiko

Joachim von Bargen

Von Joachim von Bargen

Sa, 11. März 2017 um 00:00 Uhr

Südwest

Vor 40 Jahren hat das Freiburger Verwaltungsgericht die Baugenehmigung für das AKW Wyhl aufgehoben – weil kein Berstschutz vorgesehen war. Rückblick eines beteiligten Verwaltungsrichters.

An die Erfolgsgeschichte des Widerstandes gegen das AKW Wyhl, das – anders als zum Beispiel die Atomkraftwerke in Fessenheim und Grafenrheinfeld (Unterfranken) – nie gebaut wurde, ist in den letzten Monaten vielfach erinnert worden: mit Büchern ("Siebenunddreißig Wyhl-Geschichten", "Bürger, helft euch selbst", "Vision für die Tonne"), einer DVD ("Wyhl und die Linken") und Gedenkveranstaltungen wie der in der Wyhler Festhalle Ende Oktober ("Die Lichter sind noch an"). Ein wenig unter ging bei diesem Rückblick, dass das Land nicht lediglich dem Druck engagierter Bürgerinitiativen politisch nachgab, sondern dass es ein unabhängiges Gericht – also die Dritte Gewalt im Staat – war, das die mit mehreren Klagen angegriffene Genehmigung des Kernkraftwerkes aufgehoben hat.

Gewaltige Herausforderung für die Justiz
Das Ende Januar 1975 angerufene Verwaltungsgericht Freiburg sah sich seinerzeit vor eine außergewöhnliche Herausforderung gestellt, überfordert – wie mitunter gemutmaßt – war es indes keineswegs. Einerseits musste im Hinblick auf den Vortrag der Landesregierung, die einen Engpass bei der Stromversorgung befürchtete, möglichst schnell entschieden werden. Andererseits war der klärungsbedürftige Streitstoff außergewöhnlich umfangreich. Darüber hinaus fühlten sich die Kläger – und nicht nur sie; mehr als 89 000 Einwendungen waren erhoben worden – mit ihren Sorgen von der Genehmigungsbehörde in gar keiner Weise ernst genommen. Sie waren insbesondere von dem Erörterungstermin Mitte Juli 1974 tief ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 5 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ