BZ-Fragebogen

Amara-Chef Eylem M. Gül; "Wir versuchen, das Beste daraus zu machen"

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Do, 19. März 2020 um 09:14 Uhr

Freiburg

Es wird jetzt hart, sehr hart für die Gastronomie, sagt Eylem M. Gül, der Geschäftsführer der Amara-Dönerläden in Freiburg. Aber er will sich seinen Optimismus nicht nehmen lassen.

Der 43-Jährige wurde im türkischen Landkreis Elbistan geboren, 1995 kam er nach Deutschland. Nach Stationen in Reutlingen und Baden-Baden verschlug ihn das Glück, wie er sagt, nach Freiburg, wo er Ende 2009 den Dönerladen Amara im Stühlinger eröffnet hat. 2018 kam ein Laden in der Innenstadt dazu. Gül lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Freiburger Altstadt.

Können Sie Ihre Läden weiter öffnen?
Jetzt sitzen ja alle im selben Boot und wir versuchen, zusammenzuhalten und das Beste daraus zu machen. Ja, wir bleiben geöffnet, wir haben alle amtlich vorgegebenen Maßnahmen umgesetzt und bieten jetzt mit leicht reduziertem Angebot einen Abholservice. Im Stühlinger von 11.30 bis 22 Uhr, in der Innenstadt von 12 bis 21 Uhr. Wem das Warten bei uns zu riskant ist, der kann gerne anrufen und vorbestellen, dann ist das Essen fertig, wenn er es abholt.

Wie sind Sie zum Dönerladen gekommen?
Ich bin da irgendwie reingerutscht. In meinem Bekanntenkreis und in der Verwandtschaft hatten schon einige einen Dönerladen, und ich brauchte ja einen Arbeitsplatz. Also hat man für den Jungen auch einen Laden aufgemacht. Döner war einfach, mein erster Laden war so ein 08-15-Döner, das habe ich einfach mitgenommen. Dann fing ich aber an, mir da mehr Gedanken zu machen.

Mit welchem Ergebnis?
Ich wollte eben nicht so ein Standarddöner sein, sondern Neues anbieten, den Döner salonfähig machen für alle: Studenten, Familien, Senioren. In Baden-Baden ging das nicht, dort war alles zu eingefahren. In Freiburg habe ich dann schnell gemerkt: Hier kann das funktionieren. Ich habe angefangen, meine Dönerspieße selbst zu machen und klassische Produkte wie den Lahmacun veganisiert. Da haben sich viele Mitbewerber erst mal lustig gemacht. Heute machen wir 60 bis 70 Prozent unseres Gesamtumsatzes mit vegetarischen und veganen Produkten. Da lacht keiner mehr drüber.

Was sind Ihre nächsten Ideen?
Ich würde gerne regionales Fleisch anbieten am Döner, aber das ist nicht so einfach, da bin ich gerade dran. Und ein veganer Dönerspieß wäre toll, also einer, wo ich die Fleischalternative direkt runterschneiden kann und sie nicht extra in der Pfanne warm machen muss.

Was wollten Sie als Kind werden?
Ich hatte vor lauter Spielen keine Zeit, darüber nachzudenken.

Ihr Lieblingsplatz in Freiburg?
Stühlinger Kirchplatz.

Ihr Lieblingslokal in Freiburg?
Das "Lollo" und das "Erste Liebe".

Worüber können Sie herzhaft lachen?
Über schwarzen Humor.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Die Wünsche meiner Frau erfüllen.

Wann waren Sie zuletzt in der Kirche?
An Weihnachten 2018, zum Krippenspiel.

Wann waren Sie zuletzt im Kino?
Vor drei Wochen in "Parasite".

Welche Musik hören Sie gerne?
Kurdische Folklore, Old/New HipHop, Drum’n’Bass.

Wovor haben Sie Angst?
Vor nichts, ich habe keine ausgeprägten Ängste.

Was mögen Sie an sich selbst?
Meine Gelassenheit.

Wo machen Sie gerne Urlaub?
In der Sonne.

Ihr größter Erfolg?
Meine Familie.

Sie bekommen eine Zeitreise geschenkt – wohin reisen Sie?
In die griechische Antike, weil ich diese Zeit sehr spannend finde.

Ihre Traum-Schlagzeile?
"Das kurdische Volk hat seine Freiheit erlangt."

Bitte vervollständigen Sie: Am Herd gelingt mir am besten ...
... Spiegeleier.


Wer es in meinem Job zu etwas bringen will, der ...
... muss Träume haben.

Die Zeit vergesse ich, wenn ...
... ich arbeite.

Einmal im Leben will ich unbedingt ...
... Urlaub machen ohne Zeitdruck.

Als Oberbürgermeister von Freiburg würde ich ...
... den Platz der Alten Synagoge grüner gestalten und für mehr natürlichen Schatten sorgen.