Coronavirus

Antimasken-Attest: Offenburger Arzt geht getarnten Reportern in die Falle

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Fr, 10. Juli 2020 um 08:25 Uhr

Offenburg

Atteste gegen die Maskenpflicht? Die stellt ein Offenburger Arzt wohl auf Zuruf aus. Der Arzt sieht sein Vorgehen als Protest gegen die Corona-Verordnungen. Nun droht ihm Stress mit der Ärztekammer.

Das ARD-Magazin Report Mainz hat den Offenburger Kieferchirurgen Fritz Düker in seiner Praxis aufgesucht. Die als Patienten getarnten Reporter hatten nach eigenen Angaben von Düker ein Attest erhalten, das sie von der Maskenpflicht entbindet. Und das, so das Magazin, obwohl sie angaben, keine medizinischen Probleme mit der Maske zu haben. Für Düker, der die vom Land verhängten Corona-Maßnahmen von Anfang öffentlich kritisiert hat, gibt es nach eigenen Angaben keinen Grund für das Tragen einer Maske.

Der Kieferchirurg hat seinen Protest gegen die staatlichen Corona-Verordnungen bereits Ende März öffentlich gemacht. Zunächst allein mit einem Infotisch vor dem Offenburger Rathaus, derzeit als Teilnehmer und Mitorganisator der samstäglichen Demonstrationen auf dem Offenburger Platz der Verfassungsfreunde: "Zeig dein Gesicht fürs Grundgesetz". In der Stadt kursierte schon länger das Gerücht, dass Düker und eine weitere an diesen Demonstrationen beteiligte Ärztin Atteste gegen die Maskenpflicht auf einfache Anfrage ausstellen würden. Diesem Gerücht sind die Reporter aus Mainz nachgegangen.

"Sie haben gesagt, dass Sie sich mit einer Maske nicht anfreunden können, da habe ich die Diagnose orale Maskenphobie" Fritz Düker
Als sie sich als Reporter zu erkennen geben, rechtfertigt Düker das Ausstellen des Attests vor der Kamera: "Sie haben gesagt, dass Sie sich mit einer Maske nicht anfreunden können, da habe ich die Diagnose orale Maskenphobie", erklärte er. Die Reporter geben an, Düker ausdrücklich gesagt zu haben, dass sie keine medizinischen Probleme mit der Maske haben. Dennoch gab es ein Attest ohne Untersuchung, obwohl in allen Bundesländern Maskenpflicht gilt.



Doris Reinhardt, Fachärztin aus Friesenheim, Vertreterin der Kassenärztlichen Vereinigung Ortenau und im Vorstand der Landesärztekammer, sagt dazu: "Eine Urkunde, die nicht auf ärztlichem Sachverstand fußt, sondern ein Gefälligkeitsattest darstellt, verstößt gegen ärztliches Standesrecht. Wenn die Kammer davon Kenntnis erlangt, muss sie disziplinarische Schritte einleiten. Ein solches Verhalten schadet dem Ansehen der Ärzte in der Öffentlichkeit."
Umfrage: Liebe Leserinnen und Leser, die Rolle und auch Verantwortung der Medien ist durch die Krise deutlich gewachsen. Die folgende Umfrage beschäftigt sich mit der Glaubwürdigkeit der Badischen Zeitung in Zeiten von Corona. Es handelt sich um eine Arbeit im Rahmen eines Studiums Bachelor of Arts in Business Administration unserer Redaktionsmitarbeiterin Selina Kabis. Für Ihre Teilnahme möchten wir uns bereits im Vorfeld bedanken: zur Umfrage.