BZ-Interview

Atomkraftwerk-Abschaltung in Fessenheim: "Es geht um den Schutz der Menschen"

Bärbel Nückles, Annemarie Rösch

Von Bärbel Nückles & Annemarie Rösch

Sa, 22. Februar 2020 um 09:54 Uhr

Südwest

BZ-Plus Die Ära der Atomkraft am Oberrhein geht zu Ende: Ein Reaktor des AKWs in Fessenheim wurde am Samstag abgeschaltet. Die beiden Umweltschützer Jean-Paul Lacôte und Axel Mayer erinnern im BZ-Interview an die Anfänge des Widerstands.

Seit Jahren fordern Umweltschützer auf beiden Seiten des Rheins vereint das Aus für das Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim. Nun scheinen sie am Ziel. Am heutigen Samstag ist Reaktor eins abgeschaltet worden, Reaktor zwei soll am 30. Juni stillgelegt werden. Dann geht die Ära der Atomkraft am Oberrhein zu Ende. Die Umweltschützer Axel Mayer und Jean-Paul Lacôte kämpften von Anfang gegen die Atomanlage. Im BZ-Gespräch erzählen sie, wie die deutsch-französischen Proteste begannen und wie sich daraus die hiesige Umweltbewegung entwickelt hat.

BZ: Herr Mayer, wann waren Sie sich sicher, dass die Reaktoren in Fessenheim abgeschaltet werden?
Mayer: So richtig hundertprozentig glaube ich es dann, wenn beide abgeschaltet sind. Es gab so viel Hin und Her und so viele Abschaltankündigungen. Das ist ein Selbstschutzmechanismus. Ich halte es jetzt aber für sehr, sehr wahrscheinlich, dass das AKW tatsächlich abgeschaltet wird.

BZ: Wie sehen sie das, Herr Lacôte?
Lacôte: Ich hatte da einen kleinen Vorteil. Seit zehn Jahren gehöre ich in Frankreich auf nationaler Ebene verschiedenen Gremien an, unter anderem der Dachorganisation der Kontrollkommissionen für Kernkraftwerke. Dort sind wir mit den Verantwortlichen des Betreibers Electricité de France (EdF) und der Atomaufsicht im Gespräch. Irgendwann war ich mir sicher, jetzt wird es definitiv abgeschaltet. Mayer: Ich stimme Jean-Paul da zu. Aber es gibt immer noch zwei theoretische Möglichkeiten, die eine Stilllegung verhindern könnten. Entweder ein Regierungswechsel in Frankreich – extrem unwahrscheinlich, aber man weiß nie. Oder zum Beispiel ein schweres Erdbeben im Rhonetal oder ein Unfall mit Auswirkungen auf andere Atomkraftwerke in Frankreich – und irgendein anderes müsste dringend abgeschaltet werden.

BZ: Wäre dann die Stromversorgung gefährdet und Fessenheim müsste womöglich wieder in Betrieb?
Mayer: Aus Sicht der EdF schon. Im Moment ist aber der Wille da, abzuschalten. Das erkenne ich an.

BZ: Sehen Sie bei Abschaltung Ihre Mission erfüllt?
Lacôte: Für mich ist der Prozess noch lange nicht abgeschlossen. Da gibt es noch ...

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