Vollversammlung

Auch die IHK Hochrhein-Bodensee setzt den Klimawandel auf die Agenda

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mi, 04. Dezember 2019 um 06:32 Uhr

Kreis Lörrach

Thomas Conrady wird als IHK-Präsident wiedergewählt. Schwerpunkte der Kammer sollen Infrastruktur, digitaler Wandel, Bildung und Klima werden.

Thomas Conrady bleibt Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee. Die Vollversammlung hat den 60-jährigen Diplombetriebswirt und geschäftsführende Gesellschafter der Gottmadinger Cowa Service Gebäudedienste am Montag einstimmig bestätigt (BZ vom 2. Dezember). Conrady steht der Kammer seit 2014 vor und amtiert nun bis 2024. Ins siebenköpfige Präsidium zogen dagegen vier Neue ein. Zu den Themenschwerpunkten der nächsten fünf Jahre zählt neben Berufsbildung, Infrastruktur und Digitalem auch der Klimawandel.

Emissionsreduzierung geht alle an
Zu den Neumitgliedern im Präsidium der die Wirtschaft der Landkreise Lörrach, Waldshut und Konstanz abbildenden IHK zählt mit Johannes Bliestle auch ein Vertreter der Gemüse- und Landwirtschaft. Als geschäftsführender Vorstand der Reichenau-Gemüse-Vertriebs-GmbH weiß er nur allzu gut um die Auswirkungen der Klimaveränderungen und mahnt gemeinsame Anstrengungen an: "Wir sind der Meinung, dass es eine gemeinschaftliche Aufgabe ist, dem Klimawandel zu begegnen". Auch für IHK-Hauptgeschäftsführer Claudius Marx gehört das Thema auf die Agenda. Natürlich gehe die Ära der fossilen Brennstoffe zu Ende. Er pochte beim Mediengespräch nach der Versammlung aber auf Augenmaß. Man steige derzeit schneller aus etwas aus, als man wisse, wo man dafür einsteigen wolle: "Da braucht es eine Stimme der Vernunft". Wichtig seien tragfähige Konzepte, die die Wirtschaft im Blick behielten.

Infrastruktur analog und digital
Neben der Verkehrsinfrastruktur mit den Themen Elektrifizierung der Bahn-Hochrheinschiene und dem Dauerthema Autobahn A98 zählt Conrady die Ertüchtigung des Mobilfunknetzes und den Breitbandausbau zu den Schwerpunkten seiner neuen Amtsperiode: "Während die Welt an der Schwelle zu 5G steht, kämpfen wir in der Region damit, überhaupt ohne Unterbrechung telefonieren zu können." Während die Digitalisierung den Unternehmen in die Hände spielt, stellt sie den lokalen Handel vor massive Herausforderungen. Darauf gelte es "proaktive" Antworten zu finden, so Conrady. Den letzten Innovationsschub hätten die Innenstädte in den 1970er Jahren mit autofreien Fußgängerzonen erfahren, erinnerte auch Marx. Zwar würden die Auswirkungen des Online-Handels am Hochrhein noch von Kunden aus der Schweiz aufgefangen. Grundsätzlich gelte aber: "Der Einzelhandel muss sich neu erfinden".

IHK-Klassiker Berufsbildung
Permanent an neue Entwicklungen anpassen müssen sich auch die Aus- und Weiterbildung, die die IHK zu ihren Kernkompetenzen zählt. Fachkräftemangel und Nachwuchssicherung sind Dauerbrenner im Repertoire. Stark verändert hat sich indes die Bildung selbst. "Gefragt ist immer weniger abrufbares Wissen", so der Hauptgeschäftsführer. Das gäbe es schließlich immer mehr bei Online-Portalen zum kostenlosen Abruf. Wichtiger sei es dagegen, Mitarbeiter zu befähigen, künftig heute noch gar nicht bekannte Aufgaben zu lösen. Lebenslanges Lernen sei unerlässlich. Schließlich ist es nach Meinung der Präsidiumsmitglieder aber auch geboten, die Attraktivität der Berufsbildung zu stärken. Hierzu plant die Kammer 2020 eine neue Kampagne.

Die im Sommer bis 2024 gewählte 50-köpfige IHK-Vollversammlung, die jetzt zur konstituierenden Sitzung in Waldshut zusammenkam, sei jünger und mit 28 Prozent der Mitglieder auch weiblicher geworden, so Conrady. An dem Gremium liege es jetzt, sich den immer schneller ändernden Rahmenbedingungen zu stellen, in denen Wirtschaft stattfinde.