Ukraine-Krieg und Russlanddeutsche

Auch in Lahr wird es am 24. April einen Autokorso geben

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Do, 14. April 2022 um 17:17 Uhr

Lahr

Nach anderen Kommunen ist nun Lahr an der Reihe: Für den 24. April wurde ein Autokorso gegen die "Diskriminierung von Russlanddeutschen, für Frieden in Deutschland, gegen Krieg" angemeldet.

Nach anderen Kommunen ist nun auch Lahr an der Reihe: Wie die Stadt Lahr am Donnerstag mitteilt, wurde für Sonntag, 24. April, ein Autokorso gegen die "Diskriminierung von Russlanddeutschen, für Frieden in Deutschland, gegen Krieg" angemeldet.

Es ist nicht der erste Autokorso dieser Art. Am vergangenen Wochenende waren gleich zwei solcher Kundgebungen in Stuttgart und in Lörrach. Die Initiatoren wendeten sich gegen die aus ihrer Sicht Diskriminierung von Deutschen aus Russland in Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. In Stuttgart, wo 190 Autos teilnahmen, lautete das Motto: "Gegen die Diskriminierung russischsprechender Menschen."

In Lörrach fuhren 120 Autos

In Lörrach waren etwa 120 Fahrzeuge unterwegs, die mit russischen, alten sowjetischen und deutschen Flaggen dekoriert waren. Das angemeldete Motto lautete: "Gegen Diskriminierung der russischsprachigen Mitbürger in Deutschland, gegen Krieg, gegen Faschismus und Nazismus".

Die Frau, die die Kundgebung angemeldet hatte, hatte gegenüber der Badischen Zeitung gesagt, dass es ihr nicht um den Ukraine-Krieg ginge, vielmehr um die Lage in Deutschland. "Das ist unsere zweite Heimat", sagte die Frau. Doch aus ihrer Sicht gebe es "Beleidigungen, Demütigungen und Diskriminierung", weil man russischstämmig sei. "Wir können nichts dafür, was in der Welt passiert."

Wer in Lahr den Autokorso angemeldet hat, ist nicht bekannt. Olesja Romme von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland kennt die Frau nicht, hat aber versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Romme ist es wichtig, dass mit dem Autokorso die richtige Botschaft vermittelt wird: gegen den Krieg, für ein friedliches Zusammenleben aller Länder und gegen die Diskriminierung von Russlanddeutschen und russischsprachigen Mitbürgern.

Gegendemonstrationen mit 500 Menschen in Lörrach

In Lörrach hatte es zwei Gegendemonstrationen gegeben: Entlang der Wegstrecke hatte sich auf Initiative der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft unter einer Autobahnbrücke 150 Menschen versammelt. Außerdem hatte ein Bündnis von Grünen, Linken, Jusos und SPD Lörrach zu einer Mahnwache in der Innenstadt aufgerufen, an der 350 Menschen teilnahmen – darunter Oberbürgermeister Jörg Lutz.

Der Autokorso in Lahr soll gegen 13 Uhr beim Bahnhof beginnen und um 15 Uhr beendet werden. Über die genaue Strecke wurde laut Stadt noch nicht final entschieden. Die Anmelderin rechne mit mehr als 100 teilnehmenden Fahrzeugen.

Bürgermeister Schöneboom kritisiert die Art der Kundgebung

"Unabhängig von Thema und Anlass verwundert mich, dass Autokorsos als Mittel der politischen Meinungsäußerung genutzt werden sollen. Das halte ich für einen merkwürdigen Zeitgeist", erklärt in der Pressemitteilung Guido Schöneboom, der Erste Bürgermeister der Stadt Lahr, der unter anderem für Sicherheit und Ordnung zuständig ist.

Die Kundgebung muss nach Angaben der Stadtverwaltung laut Versammlungsgesetz angemeldet werden, ist aber nicht genehmigungspflichtig. Die Stadtverwaltung werde sich jedoch hinsichtlich möglicher Auflagen mit der Polizei abstimmen.

In Lörrach zum Beispiel waren Flaggen erlaubt, Hupkonzerte allerdings nicht. Das Zeigen des "Z"-Symbols kann als öffentliche Billigung des russischen Krieges gegen die Ukraine strafbar sein, darauf hatte kürzlich das Bundesinnenministerium hingewiesen.

Die Lahrer Stadtverwaltung weist darauf hin, dass auf jeden Fall am früheren Nachmittag des 24. April mit Beeinträchtigungen im Straßenverkehr zu rechnen sei.