Auf Adlerschwingen

Roland Knauer

Von Roland Knauer

Sa, 20. März 2021

Bildung & Wissen

Karlsruher Forscher beschreibt ein besonderes Haifossil.

Vor 90 Millionen Jahren flog ein Hai mit superlangen, schmalen Flügeln gemächlich wie ein Rochen durch die Meere der Kreidezeit und weidete winzige Organismen ab. "So ein Tier hatte ich noch nie gesehen", beschreibt Eberhard Frey vom Naturkundemuseum Karlsruhe den Moment, als ihm das Fossil im Herbst 2011 gezeigt wurde. "Das ist etwas völlig Neues", habe er gedacht. Der freiberufliche Paläontologe Margarito González González hatte das Fossil in Mexiko gesichert. Arbeiter hatten ihn über den Fund informiert.

Im Stein zeichnete sich ein Fisch mit einem erstaunlich breiten Kopf, der typischen gegabelten Schwanzflosse eines Haies und superlangen, schmalen Brustflossen ab. Deren Spannweite war ähnlich wie bei den Flügeln von Albatrossen und Segelflugzeugen größer als die Körperlänge. "Adlerhai" nennt Frey den spektakulären Fund mit dem wissenschaftlichen Namen Aquilolamna milarcae, den er gemeinsam mit Romain Vullo von der Universität Rennes und weiteren Kollegen in der Zeitschrift Science beschreibt. Bis auf die Spitze einer der superlangen Brustflossen sind die Umrisse des gesamten Adlerhais in der Steinplatte erhalten geblieben. "Am Kopf des Tieres sieht man sogar noch kleinste Schüppchen", so Frey. Die Kiemen sitzen bei dem Fossil wie bei allen Haien vor den Brustflossen – das beweist, dass der Adlerhai wirklich ein Hai ist. Dazu passt auch die Schwanzflosse, die langgestreckt weit nach oben ragt.