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Kinderbuch

Aus dem Nachlass von Otfried Preußler: " Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete"

  • Mo, 28. Mai 2018, 20:10 Uhr
    Literatur & Vorträge

     

Der "Vater" vom Räuber Hotzenplotz, Otfried Preußler (1923-2013), hat ein weiteres Abenteuer über den Gauner mit den sieben Messern verfasst: Jetzt ist das Theaterstück als Buch erhältlich.

So sieht das neue Buch aus.  | Foto: dpa
So sieht das neue Buch aus. Foto: dpa
Da sitzt die Großmutter beim Kaffee in ihrer gemütlichen Küche und schmökert vergnügt die Zeitung. Für ihre gute Laune hat sie allen Grund: "Berüchtigter Räuber endlich gefasst! Hotzenplotz sitzt im Spritzenhaus", steht da in fetten Lettern auf dem Titelblatt. Aber stopp, so war es das in Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker um den Gauner mit den sieben Messern ja schon einmal – und dann mussten Kasperl und Seppel losziehen und den Hotzenplotz eigenhändig mit allen Tricks und Kniffen wieder einfangen. Schließlich ist der eigentlich zuständige Wachtmeister Dimpfelmoser dümmer, als die Polizei erlaubt...

Genauso passiert es dann auch in der jetzt mit viel Medienrummel vorgezogenen Veröffentlichung von "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete", einem Manuskript aus dem Nachlass des 2013 in Priem am Chiemsee gestorbenen, vielfach ausgezeichneten Kinderbuchautors. Eine sensationelle Schubladen-Entdeckung als unbekanntes viertes Hotzenplotz-Abenteuer, wie vom Stuttgarter Thienemann Verlag irrtümlich angenommen, ist dieses von Tochter Susanne Preußler-Bitsch in Erzählform gebrachte Theaterstück allerdings nicht: Wie ein aufmerksamer Leser bemerkte, wurde die Geschichte unter anderem Titel schon 1967 und 1969 publiziert. Für die "Die Fahrt zum Mond" hat sich das Düsseldorfer Schauspielhaus aber gleich die Uraufführungsrechte gesichert.

Mit jeder Menge Räuberehre im dicken Wanst

Ob alt oder neu – den Kindern kann das ja wurscht sein, hat dieser ruppig-poltrige Schwerenöter doch bis heute nichts von seinem Charme verloren. Ein bisschen doof, dafür trotz krimineller Energie mit jeder Menge Räuberehre im dicken Wamst: So liegt er jeden Morgen pünktlich um 8 Uhr im Wald auf der Lauer. Im schlimmsten Fall fuchtelt er fluchend mit seiner Pfefferpistole herum. Ein im Grunde genommen sympathischer Hanswurst. Sich selbst treu geblieben ist er auch in den vielen fröhlich-frechen Bildern von Thorsten Saleina, die an den Stil des Original-Illustrators F. J. Tripp angelehnt sind. Und die Geschichte? Ist lustig, aber sehr viel schlichter gestrickt als ihre drei Vorgänger. Und natürlich gibt es am Ende Schwammerlsuppe mit viel Speck und Zwiebeln samt einem Dutzend Knödel...

Liegt auf dem Mond ein Schatz?

Weil der Hotzenplotz nämlich aus dem Spritzenhaus ausgerissen ist und Seppel ihn deswegen am liebsten zum Mond schießen würde, hat Kasperl wieder mal einen seiner großartigen Pläne. Ein paar Kartons, Kleister und silberfarbenes Klebeband – fertig ist die Rakete, der Leiterwagen ihre Abschussrampe. Wie die beiden den Hotzenplotz so übertölpeln, dass er sich freiwillig samt Kartoffelsack in diese Pappröhre stopfen lässt, ist – Potz Schwefel! – eine echte Räuberpistole und funktioniert allein mit dem klug eingefädelten Gerücht, auf dem Mond liege ein Schatz. Freilich werden Hotzenplotz-Fans nicht nur die frechen Wortverdrehereien und den Sprachwitz von Kasperl und Seppel vermissen, sondern auch die hanebüchenen Verwechslungen und Zickzackwendungen.

Otfried Preußlers Theaterstück zu "Der Hotzenplotz und die Mondrakete" ist im Original nur wenige Seiten lang und sollte mit Regie-Anwendungen Kinder vor allem zum Theaterspielen animieren. Ein Knüller ist dieser Hotzenplotz also nicht, weder in puncto Originalität noch Qualität. Spaß macht er aber trotzdem – am besten als Appetithäppchen für den "echten" Hotzenplotz.

Otfried Preußler: Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete. Illustrationen von Thorsten Saleina. Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart 2018. 60 Seiten, 12 Euro. Ab 6.

Ressort: Literatur & Vorträge

  • Artikel im Layout der gedruckten BZ vom Di, 29. Mai 2018: PDF-Version herunterladen

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