Expats in Müllheim

Ausländische Fachkräfte: "Zu Hause wollen sie Schnee-Bilder sehen"

Kathrin Blum

Von Kathrin Blum

Mi, 22. Januar 2020 um 12:50 Uhr

Wirtschaft

Zwei sogenannte Expats aus Sri Lanka stoßen beim Maschinenbauer Auma in Müllheim auf große Offenheit – und manches kulturelle Hindernis. Enttäuscht sind sie nur über den milden Winter.

Sprache, Mentalität, Erwartungen: Im Ausland ist vieles anders als zu Hause und als man denkt. Diese Erfahrung machen sogenannte Expats. Das sind Fachkräfte, die im Auftrag ihrer Firmen längere Zeit im Ausland arbeiten. Beim Antriebshersteller Auma in Müllheim sind das derzeit zwei aus Sri Lanka stammende Ingenieure, die sich über manche Erkenntnisse freuen und über andere etwas wundern.

Manulak Dissanayake ist enttäuscht. "Alle haben gesagt: Der Winter in Deutschland ist grauenvoll kalt. Nimm’ alle warmen Kleider mit, die du besitzt." Statt im dicken Wollpulli läuft er in diesen Tagen im T-Shirt durch das imposante Auma-Gebäude. "Zu Hause wollen sie Schnee-Bilder sehen", sagt der 33-Jährige lachend. "Weil ich ihnen keine schicken kann, werden sie mir nicht glauben, dass ich in Deutschland war."

"Sie werden sie mir nicht glauben, dass ich in Deutschland war."Manulak Dissanayake
Seit September arbeitet der aus Sri Lanka stammende Softwareingenieur am Hauptsitz von Auma im Markgräflerland und unterstützt die Einführung eines neuen Computersystems.

Seinen Landsmann Saranga Liyanage, der ebenfalls einige Zeit als Expat in Müllheim verbringt, kannte er vor seiner Deutschlandreise nicht. "Es gibt zwar Verbindungen, aber wir sind uns nie zuvor begegnet", erklärt Liyanage. Der 35-Jährige ist es gewohnt, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Vor seinem Deutschlandaufenthalt arbeitete er mehrere Monate in Finnland. Auch in Indien, Afghanistan und Großbritannien war er schon tätig.

Das Englisch der Franzosen verstehen sie kaum

"In Europa sprechen viele Menschen Englisch, deshalb klappt es gut mit der Verständigung", sagt er. Einzig das Englisch der Franzosen verstehe er kaum, gesteht er lachend. Der Elektroingenieur hat schnell Anschluss gefunden. In seiner Freizeit tanzt er Salsa, spielt Gitarre und trifft sich mit neuen Freunden. Als größte Herausforderung seines Alltags in Deutschland nennt er den öffentlichen Nahverkehr. "Manche Züge fahren nur einmal in der Stunde." Für ihn, der sich an den engen Fahrplantakt in Helsinki gewöhnt hatte, war das erst einmal frustrierend – und der Grund, ein Auto anzuschaffen. Damit kann er allerdings nur noch diesen Monat fahren. "Weil mein Führerschein hier dann abgelaufen ist, müsste ich ab Februar noch mal in die Fahrschule", erzählt er.

Die deutsche Bürokratie, fragwürdige Vorschriften und die Flut an Formularen – sie sorgen bei ihm immer wieder für Kopfschütteln. Ausländerbehörde und Rathaus sind zwei der deutschen Wörter, die er zuerst gelernt hat. Inzwischen kann er noch einige mehr. Brezel zum Beispiel. Die mag Liyanage – am liebsten mit Käse überbacken. Auch sonst findet er deutsches Essen gut. "Ich kannte schon ein paar Gerichte von deutschen Restaurants in Sri Lanka."

Etwas wählerischer ist da Manulak Dissanayake. Er kocht meistens selbst – und zwar Spezialitäten aus seiner Heimat. Die scharfen Gewürze, die er extra dafür aus Sri Lanka mitgebracht hat, mildern den Trennungsschmerz etwas. Denn obwohl ihm die Arbeit Spaß macht und er sich gut aufgenommen fühlt, überkommt ihn oft Heimweh: Dissanayake vermisst seine Frau und seine fünfjährige Tochter. "Food and Family" machen ihm zu schaffen, wie er auf Englisch erklärt.

"Ich hätte nicht damit gerechnet, in Deutschland so herzlich empfangen zu werden."Manulak Dissanayake
Auf der anderen Seite ist er positiv überrascht: "Ich hätte nicht damit gerechnet, in Deutschland so herzlich empfangen zu werden." Denn man höre ja so einiges. Zum Beispiel, "dass man Probleme wegen seiner Hautfarbe bekommen kann und die Deutschen nicht sehr ausländerfreundlich sind." Umso mehr freut er sich, dass er ganz andere Erfahrungen mit den Deutschen macht. "Sie sind offen, aufrichtig und unterhalten sich gerne mit mir." Er hätte nie gedacht, dass die Deutschen so aufgeschlossen sind. "Sogar meine Nachbarn in Neuenburg kommen immer wieder auf mich zu – obwohl ich kein Deutsch kann und sie kein Englisch sprechen."

Bei der Arbeit klappt die Verständigung auf Englisch gut. "Wenn einem Kollegen die Worte fehlen, um etwas Komplexes zu erklären, holt er einfach einen anderen, der es verständlich machen kann", sagt Dissanayake. Nicht gerechnet haben die beiden Expats mit einem so angenehmen Betriebsklima und dem wertschätzenden Umgang der Mitarbeiter untereinander. "Es gibt viel Feedback und häufig Lob", sagt Liyanage. "Das ist in anderen Kulturen nicht so."

Und die Kollegen gäben nicht nur ihm selbst, sondern auch dem Chef positive Rückmeldungen zu seiner Arbeit – was der Vorgesetzte wiederum würdigte. "Das erstaunt mich immer wieder." Dissanayake nickt zustimmend. Auch er freut sich, dass seine Leistung gesehen und anerkannt wird.

Beide sind nach ein paar Wochen in Deutschland sehr angetan: von der Freundlichkeit der Menschen, dem ansprechenden Arbeitsumfeld und der Region. Manulak Dissanayake kann sich deshalb vorstellen, Frau und Kind herzuholen. Und zu bleiben. Wenn das klappt, kann er ihnen vielleicht auch eines Tages Schnee zeigen.