Jubiläum

Das Gloria-Theater in Bad Säckingen wird 60 Jahre alt

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 26. März 2019 um 14:37 Uhr

Bad Säckingen

Nach dem großen Kino-Boom der 1960er diskutierte der Gemeinderat einst über den Abriss des Gloria-Theaters. In diesem Jahr feiert das Haus mit einer Jubiläumsshow seinen 60. Geburtstag.

"Ein neues Haus für die Freunde des Films": So lautete die Schlagzeile zur Einweihung des Gloria-Theaters im November 1959. Stars wie der Schlagersänger Vico Torriani und die aus dem Film "Das doppelte Lottchen" bekannten Schwestern Isa und Jutta Günther gaben sich damals bei der glanzvollen Eröffnung des Kinos ein Stelldichein. Filmreif ist auch die bewegte Geschichte, die das Haus an der Friedrichstraße hinter sich hat. An "60 Jahre Gloria-Theater" wird bei einer großen Jubiläumsshow am 15. November erinnert.

Karl-May-Filme als Straßenfeger

In detaillierter Recherche haben Gloria-Intendant Jochen Frank Schmidt und der frühere Stadtbaumeister Michael Rohrer, Mitglied des Fördervereins, eine Chronik des "Kulturtempels" erstellt. Erbaut wurde das Haus im typischen 1950er-Jahre-Stil nach Plänen des Architekten Albert Ruf, die örtliche Bauleitung hatte Karl Thomann. Der Neubau mit 600 Sitzplätzen, einer neun auf 17,50 Meter großen Bühne, Orchestergraben und riesiger Filmleinwand, die als größte in Südbaden galt, war als Kombination aus Kino und Theater gedacht. Erster Betreiber des Lichtspielhauses war die Familie Timmermann aus Geislingen. Als erster Streifen flimmerte der Farbfilm "Heimat, deine Lieder" über die Leinwand. Hauptdarstellerin Ingeborg Schöner kam seinerzeit zur Premiere des Gloria.

Als wahre Straßenfeger erwiesen sich Mitte der 1960er-Jahre die Karl-May-Filme. Neben dem Kinobetrieb gab es von Anfang an Konzerte der Stadtmusik oder des Musikvereins Obersäckingen und Theateraufführungen. Nach dem Tod des Inhabers 1965 musste das Gloria zwangsversteigert werden. Die Stadt ersteigerte das Gebäude und verpachtete es an den Karl Krott Theaterbetrieb, der es bis 1973 führte. Neuer Pächter wurde 1974 der Kinobetreiber Prinzbach.

In dieser Zeit wurde mit der Inszenierung des "Wildschütz" durch die Städtischen Bühnen Freiburg 1973 der BZ-Theaterring begründet. Bis heute läuft diese Abo-Reihe, die Oper, Operette, Ballett, Schauspiel und Musical umfasst, höchst erfolgreich im Gloria. Ab den 1970er-Jahren veranstaltete das städtische Kulturamt zahlreiche Theaterabende. Gastspiele der Städtischen Bühnen Freiburg und der Badischen Kammerschauspiele zogen viele Zuschauer an.

Sanierungsbedarf des Gebäudes wurde immer gravierender

Derweil gingen die Zuschauerzahlen im Kino zurück, Anfang der 1980er-Jahre sorgten Sexfilme für einen Skandal und Protest. Diskussionen über einen Kino-Umbau scheiterten an den städtischen Finanzen. Immerhin bekam die Fassade 1983 einen neuen Anstrich. Von 1985 bis 2007 führte Curt Prinzbach das Kino im Gloria, unterstützt von Filmvorführer Siegfried Eckert. In den 1990er-Jahren wurde der Balkon mit neuen Sitzen ausgestattet. 2005 wurde das Haus in die Liste der Baudenkmäler aufgenommen. Aber das änderte nichts daran, dass der Kino-Boom der 1960er-Jahre vorbei war.

Parallel wurde der Sanierungsbedarf des Gebäudes immer gravierender. Zwar gründete sich eine Bürgerinitiative, doch die Summe von drei Millionen Mark konnte aufgrund der Finanzsituation der Stadt nicht aufgebracht werden. So wurde im Gemeinderat sogar über einen Abriss des Gloria diskutiert. Doch dann traten 2006 zwei ambitionierte Jungunternehmer aus Waldshut-Tiengen auf den Plan: Alexander Dieterle und Jochen Frank Schmidt, Geschäftsführer der Hochrhein-Musicals, die sich das Gloria-Theater als Spielstätte ausgeguckt hatten und mit ihrem Konzept den Gemeinderat überzeugten. So übernahmen Schmidt und Dieterle im Sommer 2007 das Haus, das sich baulich in marodem Zustand befand.

Die beiden wollten dem Gloria kein modernes Outfit überstülpen, sondern "lieber das Alte neu aufpolieren", wie es Dieterle ausdrückt, und den Charme der 1950er-Jahre bewahren. Unterstützt von Architekten, Handwerkern und rührigen Helfern des Vereins der "Förderfreunde", haben sie aus dem Gloria ein Schmuckstück gemacht, ein weit über die Region hinaus ausstrahlendes Musical- und Gastspiel-Theater, das trotz der Neuanstriche und modernster Licht- und Tontechnik sein liebenswertes nostalgisches Ambiente bewahrt hat.

Jubiläumsshow soll eine Zeitreise werden

Die Gloria-Macher haben viel Originales belassen, den Boden, die Garderoben, die Treppengeländer. Das Foyer wurde im 1950er-Look neu eingerichtet, die Lampen auf Hochglanz gebracht, die alten Scheinwerfer als Blickfänge im Treppenhaus aufgebaut. Kostenaufwändig ließen Schmidt und Dieterle die Sitze aufmöbeln. Auch der Schriftzug "Gloria" kam in Neufassung wieder aufs Dach. Und wie früher werden bei der Programmanzeige am Haus die Plastikbuchstaben von Hand ausgewechselt – bei Wind und Wetter. Das Flair der 1950er- und 60er-Jahre wird durch Foto-Wände im Treppenhaus verstärkt, wo Porträts und Autogrammkarten von Rex Gildo, Gitte, Peter Frankenfeld, Max Greger, Rosita Serrano, Inge Brandenburg, The Lords und anderen Musikern der Wirtschaftswunder-Jahre hängen.

Die Jubiläumsshow "60 Jahre Gloria-Theater" soll eine Zeitreise werden, wie Jochen Frank Schmidt erzählt. Comedystar Christoph Sonntag wird als Moderator im Gespräch mit Talkgästen auf der Couch die Geschichte des Gloria-Theaters Revue passieren lassen, die Gegenwart beleuchten und einen Ausblick in die Zukunft geben. Stars aus eigenen Musicalproduktionen wie die umjubelte "Aida" Isata Kamara, die heute in Hamburg in "König der Löwen" spielt, Markus Oschwald und Johannes Hog, bekannt aus "Bikini Skandal", werden Songs aus den Erfolgsmusicals von Schmidt aufführen. Als Appetithappen wird es eine Kostprobe aus dem neuen Stück von Jochen Frank Schmidt geben, das wahrscheinlich 2020 herauskommt: schöne Zukunftsmusik fürs Gloria!
Die Jubiläumsshow "60 Jahre Gloria-Theater", 15. November, 20 Uhr. Karten: Tel. 07761/6490