Landtagswahl

Baden-Württemberg wählt: Hans-Ulrich Rülke von der FDP im BZ-Talk

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 11. Januar 2021 um 16:45 Uhr

Südwest

Er gilt als konservativer Liberaler und humorvoller Redner. Hans-Ulrich Rülke ist der Spitzenkandidat der FDP – und die möchte sich im Land gern wieder an der Regierung beteiligen. Etwa in der Ampel?



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FDP und CDU galten sich einst in Baden-Württemberg wechselseitig als natürliche Koalitionspartner, neuerdings aber teilen die Freien Demokraten aus der Opposition heraus lustvoll gegen die Christdemokraten aus. Beim Dreikönigstreffen warfen FDP-Spitzenleute der CDU jüngst vor, mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik und ihrer Fixierung auf die E-Autos die deutsche Automobilindustrie zu zerstören.

Nun legte im BZ-Talk Hans-Ulrich Rülke, liberaler Spitzenkandidat für die Landtagswahl, mit Blick auf die Bildungspolitik nach: "Die Schülerinnen und Schüler des Landes Baden-Württemberg sind nicht nur Opfer der Corona-Krise, sondern auch Opfer des Versagens der grün-schwarzen Landesregierung, insbesondere der Kultusministerin." Es sei in den zehn Monaten seit Ausbruch der Pandemie versäumt worden, die Schulen im Land so zu auszustatten, dass der Fernunterricht funktioniere, wenn der Präsenzunterricht – wie derzeit – nicht möglich sei. Für das Zusammenbrechen der Lernplattform Moodle am Montag machte Rülke die Kulturministerin verantwortlich, wobei diese ja nicht irgendjemand ist, sondern Susanne Eisenmann, die Spitzenkandidatin der CDU bei der Wahl am 14. März, also eine, die früher der natürliche Partner der Liberalen gewesen wäre.
Hans-Ulrich Rülke

Hans-Ulrich Rülke führt die FDP-Fraktion im Landtag seit 2009 und gilt dort als einer der profiliertesten Redner. Zum zweiten Mal nach 2016 ist der 59-Jährige Spitzenkandidat; damals holte er das Mandat in seinem Wahlkreis Pforzheim. Der Gymnasiallehrer und Studiendirektor trat 1985 in die FDP ein. Rülke, der über einen schier unerschöpflichen Fundus von Bonmots und Zitaten verfügt, ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

Die FDP gibt sich seit einiger Zeit in ihrem Bestreben Mühe, in ihrem Stammland nach einer Dekade in der Opposition wieder mitzugestalten, sich eine zweite Option auf die Macht zu eröffnen. Nach derzeitigem Stand ist neben einem Bündnis mit CDU und SPD nur eines mit Grünen und SPD möglich.

So hart Rülke mit der CDU ins Gericht ging, umso offensichtlicher bezirzte er die Grünen. Er betonte, dass die FDP 2016 das Angebot gehabt habe, in eine Ampel-Koalition mit Grünen und SPD einzutreten. "Ich habe damals gesagt: Das machen wir nicht, weil wir nicht hinreichend Gemeinsamkeiten sehen. Das hat sich jetzt etwas verändert." Für die FDP sei wichtig, dass die Autoindustrie eine Zukunft habe. "Die Aussage von Ministerpräsident Kretschmann, dass er eine Zukunft des umweltfreundlichen Verbrennungsmotors sieht, macht uns deutlich, dass es bei den Grünen ein Umdenken gibt, das Arbeitsplätze erhält und das hilft, wegzukommen von der Ideologischen Fixiertheit auf die batterie-elektrische Mobilität. Unter diesen Umständen kann man wieder eher über eine Regierungsbeteiligung der FDP reden."

Dürfe man daraus schließen, fragte BZ-Chefredakteur Thomas Fricker, dass Rülke damit rechne, dass die Grünen im März stärkste Kraft werden? Ja. "Es pfeifen ja auch die Spatzen von den Dächern, dass Frau Eisenmann mit ihrer wenig erfolgreichen Schulpolitik nicht gerade auf der Überholspur ist."

Auch mit den Corona-Regeln, die die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgehandelt haben, ging Rülke hart ins Gericht. Dass der "Wellenbrecher-Lockdown" im November nicht funktioniert habe, sei kein Wunder: "Wenn man Gastronomiebetriebe, Sportstätten und Kultureinrichtungen schließt, die funktionierende Hygienekonzepte haben, drängt man die Menschen ins Dunkel privater Treffen. Dann muss man sich nicht wundern, wenn die Infektionszahlen steigen."

Auf die Nachfrage, ob er glaube, dass die Zahlen nicht gestiegen wären, wenn die Gastronomie offen geblieben wäre, antwortete er, dass könne er nicht sagen, nur, dass die Regeln nicht funktioniert hätten. Nachfrage: Eventuell hätte man, wie von der Kanzlerin gefordert, früher einen harten Lockdown gebraucht, aber die FDP sei schon lange Hauptkritikerin der Kanzlerin. Rülke: "Ich habe ja dafür Verständnis, dass Journalisten alle Schuld für alles Versagen bei der FDP suchen. Aber in diesem Fall ist es daneben." Denn von der FDP sei bei der Ministerpräsidentenkonferenz niemand dabeigewesen. (Ronny Gert Bürckholdt)