680 Millionen Substanzen

Basler Forscher suchen Wirkstoffe gegen das Coronavirus

sda, bz

Von sda & BZ-Redaktion

Mo, 09. März 2020 um 18:31 Uhr

Basel

In der Nordwestschweiz und dem Südelsass gibt es immer mehr Corona-Fälle, im Kreis Lörrach ist die Lage stabil. Das Euro League-Spiel in Basel wurde gecancelt.

Im Landkreis Lörrach bleibt es – Stand Monatgabend, 18 Uhr – bei einem gemeldeten Corona-Infizierten. Die Basler Behörden erwarten indes eine weitere Zunahme der Coronafälle im Kanton. In der Summe ist die Nordwestschweiz damit eine der betroffensten Schweizer Regionen und die Basler Behörden haben am Montagnachmittag auch das Euro League Spiel zwischen Basel und Frankfurt am 19. März verboten. Die Basler Universität beteiligt sich derweil aktiv an der Suche nach Impfstoffen. Das Stuttgarter Sozialministerium empfahl am Montag zudem, das Südelsass als Risikogebiet zu behandeln.

Die Lage in Basel und der Schweiz
Die Fallzahlen steigen. Nach der nationalen Fallzahlen-Karte, auf die der Kanton Basel-Stadt in puncto Zahlen inzwischen verweist, waren am Montagmittag in Basel 28 Infektionen identifiziert, in Baselland 20, im Aargau 14. Das Basler Gesundheitsdepartement (GD) geht indes davon aus, dass in der Stadt "Dutzende weitere" Coronafälle "auftreten werden", heißt es in einer Mitteilung. Das werde auch weitere Gesundheitseinrichtungen treffen. Am Sonntag wurde bekannt, dass im Rehab Basel, einer Spezialklinik für Menschen, die an einer Hirnschädigung leiden oder querschnittgelähmt sind, sowohl Patienten wie auch Mitarbeitende an Covid-19 erkrankt sind.

In der Klinik wurde eine ganze Abteilung wegen des Coronavirus unter Quarantäne gestellt. Dabei handelt es sich laut Rehab-Direktor Stephan Bachmann um die Überwachungsstation. Diese wird gereinigt und bleibt vorübergehend geschlossen. Sie geht laut Bachmann wieder in Betrieb, wenn genug Personal verfügbar ist. Dies ist derzeit nicht der Fall, weil auch neun Mitarbeitende positiv auf Sars-CoV-2, wie das Virus offiziell heißt, getestet wurden. Nach Angaben des GD befinden sich die Betroffenen in häuslicher Quarantäne. Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen geht laut der Mitteilung davon aus, dass weitere Kliniken von Coronafällen betroffen sein werden. Er ruft die Bevölkerung dazu auf, nationale und kantonale Verhaltensregeln zu beachten.

Die Lage im Südelsass
Auch im Südelsass spitzt sich die Lage zu. Laut der Angaben vom Wochenende gibt es dort inzwischen 113 bestätigte Coronafälle. Da die französischen Gesundheitsbehörden angesichts dieser Zahlen keine Kontaktpersonen mehr nachverfolgen, rät das Stuttgarter Ministerium für Soziales und Integration das Südelsass (Departement Haut-Rhin) angesichts der vielfältigen grenzüberschreitenden Kontakte nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu behandeln. Darüber informierte das Regierungspräsidium (RP) am Montag. Eine offizielle Einstufung des Departements als Risikogebiet seitens des RKI sei bislang zwar nicht erfolgt. Dennoch sollen Personen, die aus dem Südelsass nach Südbaden pendeln, entsprechend der Empfehlung für Rückkehrer aus Risikogebieten möglichst für 14 Tage zu Hause zu bleiben.

Die Lage im Sport
Die Absage des Euro League-Achtelfinales in Basel begründen die Behörden damit, dass selbst bei einem "Geisterspiel" ohne Publikum davon auszugehen sei, dass hunderte Fans aus Frankfurt kämen und sich vor dem Stadion versammeln würden. Damit würde das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als tausend Personen unterlaufen. Das sei aus "einer präventiven Sicht derzeit nicht zu verantworten".

Auch das Swiss Open in Basel ist stark von der Ausbreitung des Virus betroffen. Zwar soll das internationale Badminton-Turnier vom 17. bis 22. März in der St. Jakobshalle stattfinden, aber quasi ohne Zuschauer. Am Freitag könnte diese Entscheidung zwar wieder in die eine oder andere Richtung kippen: Dann wird die Schweizer Bundesregierung neue Regeln präsentieren. Angesichts der Entwicklungen deutet aber nichts auf Entspannung. Im Gegenteil. Nach einer Entscheidung des Baselbieter Krisenstabs – die Halle wird zwar von Basel-Stadt betrieben, steht aber auf Münchensteiner Gemarkung, also in Baselland – sind derzeit maximal 200 Zuschauer zugelassen. Für das "Swiss Open" bedeutet schon diese Vorgabe laut des Vorsitzenden des Organisationskomitees Christian Wackernagel einen "Super-GAU". Neben der Stimmung fehlten auch die Einnahmen aus dem Ticketverkauf und der Gastronomie.

Forschung und Pharma
Derweil suchen Forschungsgruppen weltweit nach Medikamenten gegen das Virus. Ein Grundlage dafür liefern Forschende der Basler Universität: Ein Team um Professor Markus Lill hat sich mit computergestützten Methoden auf die Suche nach Wirkstoffkandidaten gemacht. Das Team durchforstete 678 Millionen Substanzen mit dem Ziel, Kandidaten zu finden. Die Forscher testeten die Substanzen dabei rein virtuell und identifizierten laut eines Fachartikels ein Dutzend Kandidaten, die das Potenzial hätten, die Vermehrung des Virus zu blockieren. Aufgrund der aktuellen Notlage veröffentlichte das Team die Ergebnisse bereits außerhalb von Patentverfahren, teilt die Uni weiter mit. Seit die Studie hochgeladen worden sei, wurde sie bereits mehr als 900 mal heruntergeladen. Doch auch die Medikamentenentwicklung braucht Zeit. Dass die Ergebnisse im Zuge dieser Epidemie noch zu einem Wirkstoff führen, sei eher unwahrscheinlich, räumt Lill laut der Mitteilung ein.

Für die aktuelle Epidemie setzt man vor allem darauf, die Wirksamkeit existierender Medikamente zu prüfen. Bereits in klinischen Studien getestet wird ein Wirkstoff, der gegen das Ebolavirus gedacht war. Auch ein Arthritismittel des Pharmakonzerns Roche verspricht Hoffnung für schwererkrankte Corona-Patienten. So haben chinesische Behörden dessen Einsatz bei schweren Lungenschäden erlaubt. Andere Ansätze beruhen auf Substanzen, die das Eindringen des Virus in die Zelle verhindern. Im Rennen sind da Mittel gegen Malaria oder Grippe.