Verwahrung

Mord an 7-jährigem Jungen – Basler Gericht ordnet Verwahrung an

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Di, 11. August 2020 um 17:17 Uhr

Basel

Eine 76-Jährige hat in Basel einen 7-Jährigen erstochen. Das Gericht wertet die Tat als Mord. Sie erhielt wegen Schuldunfähigkeit aber keine Haftstrafe, es wurde eine Verwahrung angeordnet.

Die Rentnerin, die einen 7-jährigen in Basel getötet hat, kommt in die Verwahrung. Am Dienstag hat das Strafgericht das Urteil in dem zweitägigen Prozess verkündet. Das Gericht wertet die Tat als Mord und folgt damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Prozess ist ihre große Bühne gewesen. Die 76-Jährige, die vergangenen März einen kleinen Jungen in Basel mit zwei Messerstichen tötete, nutzt die Verhandlung für ihre Mission. Für ihren großen Auftritt trägt sie einen Umschlag bei sich. Am ersten Verhandlungstag holt sie daraus ihr eigenes Plädoyer – 21 Seiten. Sie listet Details der Vergangenheit auf, legt dar, warum sie glaubt, von den Behörden gegängelt worden zu sein. Die Tötung des Jungens hat sie gestanden, sie sieht sich dennoch als Opfer. Die Eltern des kleinen Jungens sehen das mit an. Den ganzen Tag haben sie den Prozess verfolgt. Als die Angeklagte ihr Plädoyer verliest, weint die Mutter, sie senkt ihren Kopf auf den Tisch.

Verteidiger trägt sein eigenes Gutachten vor

Der Staatsanwalt stellte zuvor in seinem Plädoyer nüchtern die Details der Tat dar. Der Anwalt der Nebenklage sagt: "Eine noch abscheulichere Tat als die Tötung eines siebenjährigen Jungen ist nicht vorzustellen." Der Verteidiger der Angeklagten hält einen juristischen Grundlagenvortrag und trägt de facto ein eigenes psychiatrisches Gutachten zum Zustand seiner Mandantin vor.

Das Gericht folgt in seinem Urteil am Dienstag der Einschätzung des Gutachters zum psychiatrischen Zustand der Seniorin, sie leide an einem Querulantenwahn. Sie wird als schuldunfähig eingestuft. Die Verwahrung ist keine Strafe. Auch die Therapie der 76-Jährigen steht nicht im Vordergrund. Vielmehr soll die Allgemeinheit vor der Täterin geschützt werden. Die Familie des Opfers bekommt keinen Schadensersatz.

Sie könne das Unrecht ihrer Tat nicht einsehen

"Sie haben es gemacht, um ihre Vorwürfe gegenüber den Behörden endlich Gehör zu verschaffen", sagte die Richterin. Die Tat sei geplant gewesen: "Sie haben sich gezielt ein wehrloses Opfer ausgesucht. Sie haben den Tod eines Menschen gewollt." Der Junge sei ein "willkürliches Opfer gewesen - ein Mittel zum Zweck." Die Frau sei aber nicht in einem juristischen Sinne schuldig. Schuld setze voraus, dass die Frau das Unrecht einsehen könne. Die Richterin verweist auf das psychiatrische Gutachten. Der Sachverständige kommt zu dem Schluss, dass die Beschuldigte nicht einsehen könne, dass ihre Tat unrecht sei. "Spätestens mit dieser Tat ist der Wahn für alle offensichtlich geworden", sagte die Richterin.