"Bei dem Roman geht es mir um die Rückbesinnung auf die DDR-Zeit"

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Fr, 18. Oktober 2019

Efringen-Kirchen

BZ-INTERVIEW mit der Schriftstellerin Renate Köppel, die am Mittwoch in der Mediathek Efringen-Kirchen aus ihrem Buch "Ein anderes Leben findest du allemal" liest.

EFRINGEN-KIRCHEN. Die Schriftstellerin Renate Klöppel aus Freiburg liest am Mittwoch, 23. Oktober, in der Mediathek Efringen-Kirchen. Die vielseitige Autorin bringt ihren neuen Roman "Ein anderes Leben findest du allemal" mit, eine Familienerzählung, die vor dem Hintergrund deutsch-deutscher Nachkriegsgeschichte spielt. Victoria Langelott hat mit ihr über ihr Schreiben und ihre Absicht gesprochen.

BZ: Wie kommt es, dass Sie als Freiburger Autorin in Efringen-Kirchen lesen?

Renate Klöppel: Die Mediathek hat einige meiner Bücher zur Ausleihe. Und zu meiner Freude kam deren Leiterin Juliane Blum auf mich zu und fragte, ob ich dort aus meinem neuen Roman lesen würde. Ich bin viel auf Lesereise, kürzlich war ich in Schwäbisch-Gmünd, demnächst werde ich in Emmendingen sein.

BZ: Ich weiß, Autoren hören die Frage nicht gern, aber: Wieviel Biographisches steckt in diesem Roman?

Klöppel: Viele der Schilderungen über die Nachkriegszeit sind meine Erinnerungen, die Handlung ist aber vollkommen fiktiv.

BZ: In die Familiengeschichte ist auch deutsch-deutsche Geschichte verwoben.

Klöppel: So, wie ich sie erlebt habe. Und viele Leser der Nachkriegsgeneration erkennen darin eigene, ähnliche Erinnerungen – die Päckchen an die Verwandten drüben oder die einschüchternden Grenzkontrollen.

BZ: Es ist ja in der Stimmung ein großteils recht düsteres Werk.

Klöppel: Düster – das ist sicher richtig, was die Familienschilderung betrifft, wobei ich bei der Lesung darauf achte, dass es nicht zu düster wird. Was Lisa betrifft, finde ich aber, in dem Moment, in dem ihr Bruder in ihr Leben tritt, entwickelt sie Initiative, ist ein tatkräftiger Mensch.

BZ: Verfolgen Sie als Autorin beim Schreiben immer eine konkrete Absicht?

Klöppel: Im Allgemeinen ja. Bei Krimis vermittle ich gern nebenbei Wissen oder Botschaften. Beim Krimi "Stumme Augen" etwa geht es um einen behinderten Menschen, der nicht für voll genommen wird. Meine Botschaft ist, dass kein Mensch nur nach seinen sichtbaren Einschränkungen beurteilt werden sollte. Der Roman "Namibia, Namibia" vermittelt einen Einblick in die bis heute vorhandene Kluft zwischen Schwarz und Weiß. Bei "Ein anderes Leben findest du allemal" ging es mir um die Rückbesinnung auf die DDR-Zeit, das eingrenzende politische System und die Macht der Stasi, darum, was sich in der DDR abgespielt hat, aber aus den Köpfen meist verschwunden ist. Es ist übrigens kein Zufall, dass der Roman 30 Jahre nach dem Mauerfall erschienen ist, ich habe ihn bewusst auf dieses Datum hin geschrieben.

BZ: Wie lange haben Sie daran gearbeitet, wie haben Sie recherchiert?

Klöppel: Nicht ganz zwei Jahre habe ich dafür gebraucht. Zur Recherche: Über die Willkür der Stasi und die damit einhergehende Unterdrückung bis hin zu langjährigen Gefängnisstrafen habe ich mit Zeitzeugen gesprochen. Ich hatte diese über die Zeitzeugendatei in Hohenschönhausen genannt bekommen. Sie haben mir die Ereignisse übrigens erstaunlich übereinstimmend geschildert. Außerdem habe ich sehr viel über die Zeit und die Menschen im Widerstand gegen die DDR-Staatsmacht gelesen. Für die Schilderungen aus dem Berlin der 70er-Jahre griff ich auf die Erinnerungen von zwei Klassenkameraden zurück, die damals ebenso unkonventionell in Berlin gelebt haben wie die Hauptperson meines Romans Lisa.

BZ: Wie kamen Sie zum Schreiben?

Klöppel: Ich bin Ärztin und habe rund 20 Jahre nach dem Medizinstudium noch in Trossingen Musik studiert. Dort war ich ab dem zweiten Semester gleichzeitig Dozentin für Fächer im Überschneidungsgebiet zwischen Musik und Medizin. Ich stellte fest, dass es zu bestimmten, wichtigen Themen keine Literatur gibt. So habe ich diese Themen selbst erschlossen und es entstanden Bücher wie "das Gesundheitsbuch für Musiker" oder "Mentales Training für Musiker". So kam ich zum Schreiben von vier Fachbüchern, das fünfte Buch war dann ein Krimi.

Zur Person: Renate Klöppel lebt in Freiburg, sie ist Kinderärztin und Diplommusikerin und schrieb Sachbücher, Krimis, Romane oder auch ein Buch für Kinder.

Die Lesung: in der Mediathek am Rathaus Efringen-Kirchen beginnt am Mittwoch, 23. Oktober, um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.