Durchstarter aus Südbaden

Betreiber der Rückgrat-Fitnessstudios investiert trotz Krise

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Do, 15. Juli 2021 um 01:30 Uhr

Südwest

Kann die Corona-Pandemie eine Chance für einen Neustart sein? Der Fitnessstudio-Betreiber Rudolf Plüddemann ist sicher, dass die Menschen zukünftig mehr auf sich achten werden.

Monatelang war Sport in Fitnessstudios verboten, das Coronavirus hat das gemeinsame Training in Innenräumen unmöglich gemacht. Die Pandemie hat auch in den Fitnessstudios von Rudolf Plüddemann zu einem Mitgliederverlust geführt, trotzdem investiert der 65-Jährige mit seiner Rückgrat Sport- und Gesundheitscenter GmbH mitten in der Krise in weitere Studios in Breisach, Lahr, Bad Krozingen und Emmendingen.



BZ:
Im vergangenen Jahr wurden wegen der Pandemie deutschlandweit Fitnessstudios geschlossen, viele haben – wie bei Rückgrat – Mitglieder verloren. Trotzdem bauen Sie und Ihre Partner neue Studios wie das Fitnessloft in Breisach. Haben Sie keine Zweifel, dass das gut geht?
Rudolf Plüddemann: Nein, denn das Leben geht weiter, und ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Jede Krise ist irgendwann einmal vorübergegangen. Der Bewegungsmangel ist ein Problem in der Corona-Krise. Viele Menschen mussten ihre Maßnahmen für ihr körperliches Wohlbefinden hinten anstellen. Die Menschen wollen wieder ins Restaurant, sie wollen unter Menschen sein und ins Fitnessstudio gehen. Ich sehe die Pandemie in dieser Hinsicht eher als Chance für einen Neustart, besonders im Fitnessbereich.


BZ:
Gibt es einen Plan B?
Plüddemann: Nein, denn wir sehen absolut optimistisch in die Zukunft. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen künftig mehr auf sich achten und mehr für sich tun werden. Außerdem wird es schwer, wenn man als Unternehmer keinen Optimismus hat. Bevor ich 1990 das erste Fitnessstudio gegründet habe, habe ich mir von meiner ganzen Familie Geld geliehen, auch von der Bank brauchte ich Geld. Es gab keine Garantie, dass die Idee wirklich funktionieren würde, aber ich habe den Bedarf an meiner Vorstellung eines Fitnessstudios gesehen, bei dem Beweglichkeit und Schmerzfreiheit im Vordergrund stehen. Nur von Vermarktung und Steuern hatte ich keine Ahnung.
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BZ:
Was raten Sie jungen Menschen, die in den letzten 15 Monaten durch die Pandemie aus der Bahn geworfen wurden?
Plüddemann: Gerade die jungen Menschen werden von der Krise leider in einer Phase getroffen, in der sie einen Teil eines für sie wichtigen Lebensabschnittes verpassen. Das ist jetzt natürlich keine leichte Zeit für sie. Es kommen aber wieder andere Zeiten, davon bin ich überzeugt. Wichtig ist, so gut es geht, positiv zu bleiben, und das Beste aus der Situation zu machen.


BZ:
Wo sehen Sie heute Potenzial für Unternehmensgründungen?
Plüddemann:
Jetzt schwappt gerade eine Digitalisierungswelle über uns herein. Wer in diesem Bereich aktiv werden will, braucht – wie generell in jeder anderen Branche auch – profundes Fachwissen. Ich hatte das Glück, dass ich als Jugendlicher Haltungsschäden und Schmerzen hatte, mir blieb nichts anderes übrig, als mich intensiv damit zu beschäftigen, um wieder schmerzfrei zu werden.


BZ:
Was raten Sie in der heutigen Zeit einem Unternehmensgründer?
Plüddemann: Man braucht eine Idee und den Willen, sie zu verfolgen. Wichtig ist, dass sie einen hohen Nutzen für die Zielgruppe hat. Die Zielgruppe muss klar definiert sein, damit ich sie ansprechen und so erreichen kann. Bei unseren Rückgrat-Centern zum Beispiel war das damals und ist es heute Schmerzfreiheit für die Kunden. Bei einem Fitness-Loft, wie hier in Breisach, geht es um Training pur und um eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig anspornt.


BZ:
Die Mehrheit der Existenzgründungen wird wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Wie kann man das verhindern?
Plüddemann: Die Möglichkeit des Scheiterns gehört dazu, wenn man sich selbstständig macht. Auch wir waren schon einmal von einer Pleite bedroht.


BZ:
Wie groß ist Ihr Bedürfnis nach Sicherheit?
Plüddemann: Ich bin jemand, der Risiken nicht scheut. Das habe ich auch im Sport nie gemacht, zum Beispiel beim Surfen oder beim Turnen. Da probiert man so einiges aus, um zu sehen, wie es funktioniert. Manchmal habe ich mir dabei auch Verletzungen zugefügt, das gehört eben dazu.


BZ:
Sie sind noch fünf Jahre Geschäftsführer der PU-Gruppe und wollen dann in Rente gehen. Auf was freuen Sie sich?
Plüddemann: Meine Frau und ich sehen unsere Aufgabe darin, den Übergang des Inhaberwechsels bestmöglich mitzugestalten. Axel Grall und Fabian Schneider, beide seit mehr als 15 Jahren im Unternehmen, haben eine eigene Firma unter dem Namen PU GmbH gegründet und zum Jahreswechsel alle bestehenden GmbHs übernommen. Ich möchte in der Rente die Welt sehen, bisher gab es dafür keine Zeit. Außerdem möchte ich Italienisch und Klavier spielen lernen. Ich glaube nicht, dass mir langweilig wird (lacht).
Rudolf Plüddemann, Jahrgang 1957, hat nach seinem Sportlehrerstudium in Basel 1990 die Rückgrat Sport- und Gesundheitscenter GmbH in Freiburg gegründet. Die PU-Gruppe betreibt heute 17 Studios der Marken Rückgrat, Verso und Fitness-Loft sowie Back Office.