Betriebsausflüge schweißen zusammen

Claudia Gempp

Von Claudia Gempp

Sa, 20. Juli 2019

Rheinfelden

BZ-UMFRAGE unter Unternehmen und Organisationen aus Rheinfelden, ob sie mit der Belegschaft gemeinsame Ausflüge unternehmen.

RHEINFELDEN. Der Sommer ist die ideale Zeit für Betriebsausflüge. Aber, sind diese noch zeitgemäß? Wir haben bei einigen Arbeitgebern nachgefragt mit dem Ergebnis: Egal, was angeboten wird, der Trend geht hin zu noch mehr Spaß und Bewegung! Dabei waren sich alle einig: Das gemeinsame Erleben soll den Zusammenhalt unter der Belegschaft, die Kommunikation außerhalb betrieblicher Themen und die Bindung zum Unternehmen stärken und fördern.

"Wegen Betriebsausflug geschlossen", hieß es vor kurzem beim Rathaus. Für diesen einen Tag konnten die rund 400 Beschäftigten einschließlich aller Außenstellen unter sieben Angeboten wählen. Schon seit vielen Jahren würde man jeweils mehrere Varianten anbieten, berichtet Personalratsvorsitzende Ute Hornauer. Dazu gehörten unterer anderem eine Fahrt zur Hochkönigsburg im Elsass, Wanderung im Schwarzwald oder Fahrradtour ins Rebland, während sich mutige Männer der Feuerwehr oder vom IT-Bereich fürs Slackline laufen entschieden hätten. Das ganze Jahr über, so Hornauer, werden beim Personal Ideen gesammelt, die man dann ausarbeitet. Die Vorbereitungen seien immer "ein großer Aufwand", so hätte zum Beispiel für die Wanderung bei Muggenbrunn ein Personalratsmitglied und Wanderer die Strecke vorher für die Zeitangabe abgelaufen. Die Angebote kämen gut an. "Es sind noch immer alle heil zurückgekommen", freut sich Hornauer.

Für die sechs Mitarbeiter der Gerüstbaufirma Stemmer bleibt "leider oft keine Zeit für Ausflüge, aber wir versuchen auf jeden Fall, sporadisch etwas anzubieten", sagt Projektleiter Björn Lemm, wie einen Grillabend, Teilnahme an einem Grümpelschießen oder eine Fahrt zu einem Gerüstbauer in der Nähe von Nürnberg. Geplant sei auf jeden Fall noch in diesem Jahr ein Besuch des Klettergartens in Lörrach.

Das St. Josefshaus Herten lädt jährlich zu drei unterschiedlichen Betriebsausflügen ein – einem Wander- oder Stadtausflug und Besuch eines Weihnachtsmarktes mit jeweils rund 100 begeisterten Teilnehmern, berichtet Andrea Grass, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung. Früher habe der Fokus mehr auf dem Wandern gelegen, inzwischen würde schon mal eine Klettertour dazugehören, "damit auch die jungen Leute am Ball bleiben". Höhepunkt in diesem 140. Geburtstagsjahr des St. Josefshauses sei eine Fahrt nach Stoos/Schweiz mit Besuch des Klosters Ingenbohl, dessen sozial engagierte Oberin Schwestern Maria Theresia Scherer Mitbegründerin des St. Josefshauses war.

So wie früher, gibt es bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden keine Betriebsausflüge mehr. Dafür bietet sie ihren Mitarbeitern eine lange Liste regelmäßiger Freizeitangebote, "weil wir ein attraktiver und moderner Arbeitgeber sein wollen, und alles wird hervorragend angenommen, dazu überwiegend kostenfrei", sagt Lutz Pankrath, Leiter Personalmanagement. Die Möglichkeiten reichen vom jährlichen Betriebsfest und Herbstbummel über Skiausflüge, Gesundheitstage bis zu kulturellen Angeboten wie Ausstellungs- und Theaterbesuchen sowie Betriebssport (Fitness, Badminton), "damit unsere Mitarbeiter fit bleiben", ergänzt der Rheinfelder Filialdirektor Klaus Schäuble. Alle zwei Jahre dürfen sich auch die Pensionäre auf eine eher geruhsame Busfahrt freuen, etwa in den Vogelpark Steinen oder zum Landhaus Ettenbühl, wo sie in Erinnerungen schwelgen können. Ein Grund, warum klassische Betriebsausflüge nicht überlebt hätten, sieht Pankrath auch darin, dass wir in einer Grenzregion wohnen mit der Nähe zu den Bergen der Schweiz, zum Schwarzwald oder nach Frankreich. Da die Leute heute mobiler seien, würden sie eher privat dorthin fahren.

Schon lange gibt es auch bei Evonik keine Betriebsausflüge mehr, weiß Katharina Fraune, Standortleiterin Kommunikation. Der Konzern stellt für jeden Mitarbeiter einen gewissen Betrag zur Verfügung. In den Abteilungen werde dann entschieden, was damit gemacht wird, etwa gemeinsame sportliche Aktivitäten, essen gehen oder eine Weihnachtsfeier. Zuletzt habe man die Zuschüsse gespart und davon 2018 im Bürgersaal ein großes Betriebsfest veranstaltet unter dem Motto "Las Vegas", welches an zwei Abenden jeweils rund 500 Gästen begeisterte.

Wie wichtig ein Betriebsausflug sein kann, weiß das Team des Hausarztzentrums. Jedes Jahr organisiert ein anderer der vier Ärzte einen "Überraschungsausflug" – wohin es geht, wird nicht verraten. Für die 17 Mitarbeiterinnen gibt es nur ein paar wichtige Hinweise. Diesmal hieß es: "Wetterfeste Kleidung, Badesachen und etwas zum Grillen mitnehmen". Die Reise führte an den Vierwaldstätter See mit Gondelfahrt und Wanderung auf der Klewenalp. "Das war für uns ein beeindruckendes Erlebnis", erinnert sich Teamleiterin Helga Senger, und Kollegin Sabrina Karth verrät, dass "immer irgendetwas passiert", so wie 2017 bei einer Fahrt mit dem nostalgischen Gelbfüßler-Bus in den Hotzenwald, wo ihnen beim Wandern (beabsichtigt) eine "Kräuterhexe" begegnet sei und vieles über Heilpflanzen erzählt hatte.

Die Ausflüge, so Helga Senger "sind eine willkommene Gelegenheit neue Mitarbeiterinnen besser kennenzulernen" und nicht zuletzt, so der Arzt Wolfgang Rütschlin, "ist es auch ein Ausdruck von Wertschätzung gegenüber dem Personal".