BZ-INTERVIEW

Muslimischer Religionsphilosoph: "Das Ziel ist Gerechtigkeit"

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Sa, 21. März 2015 um 00:00 Uhr

Bildung & Wissen

Al-Qaida und der IS haben die islamische Religion in Verruf gebracht. Der muslimische Religionsphilosoph Milad Karimi über seine Sicht des Islams und wie Extremisten ihn missverstehen

Seit das Terrornetzwerk al-Qaida und der Islamische Staat (IS) im Namen des Islams morden, fürchten ihn viele Menschen, gerade im Westen. Die Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" (Pegida) lockte in den vergangenen Wochen viele Demonstranten auf die Straße. Annemarie Rösch sprach mit dem islamischen Religionsphilosophen Milad Karimi von der Uni Münster über seine Religion, darüber, ob sie Fanatismus Vorschub leistet oder auch Auslegungen ermöglicht, die mit Demokratie und Menschenrechten vereinbar sind.

BZ: Herr Karimi, warum ist Ihnen die islamische Religion ans Herz gewachsen?

Karimi: Der Islam als Hingabe ist eine ganzheitliche Religion, eine realistische Religion, die nicht nach einem utopischen Ideal trachtet, sondern mich in meiner gegenwärtigen Verfassung anspricht, trägt und zum Guten leitet. Ich liebe den Islam, weil mir mein Glaube Demut, Geduld und Gerechtigkeit lehrt und das Gedenken Gottes meiner ruhelosen Seele Frieden schenkt. Er macht mich zu einem besseren Menschen. Mit der Hingabe an den einen Gott kehrt der Gläubige nämlich zu sich selbst zurück. Er begreift sich selbst als ein freies und mithin verantwortungsvolles Subjekt in einer Welt, die seine Welt ist. Mich bewegt daher die koranische Botschaft als eine Botschaft für das Leben und eine Wegweisung zum Frieden. Im gleichen Atemzug bewegt mich der Prophet Muhammad als eine Person, deren Handlungsmaxime der Gerechtigkeit und Veredlung des menschlichen Charakters mir heute als Vorbild dienen.

BZ: Was hebt den Islam vom Christentum ab?

Karimi: Mich bewegt die Einfachheit der islamischen Botschaft. Die Hinwendung zu Gott ist direkt, es gibt keine Menschwerdung durch Jesus, keine Stellvertretung durch einen Papst, keine weltliche Autorität, die zwischen Gott und ...

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