Ziel: 6,2 Millionen Passagiere

Chef des Euroairports sieht den Flughafen auf Kurs

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Fr, 13. Mai 2022 um 15:57 Uhr

Basel

In der Pandemie sind die Passagierzahlen am Euroairport um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Nun geht es wieder bergauf. Bis zum Jahresende rechnet der Flughafen wieder mit 6,2 Millionen Fluggästen.

Mit Blick auf das Ziel von 6,2 Millionen Passagieren, das der Basler Euroairport (EAP) für das laufende Jahr ausgegeben hat, sieht sich EAP-Direktor Matthias Suhr derzeit auf Kurs. Das gelte, auch wenn er die Prognose in der aktuellen Weltlage für schwierig hält. Mit 9,1 Millionen Passagieren hatte der EAP 2019 seinen Spitzenwert erreicht. Es folgte ein pandemiebedingter Einbruch um 71 Prozent im Jahr 2020. Keinen Rückgang gab es jedoch bei Anrainer-Beschwerden, das beklagte Suhr in der Hauptversammlung der IG Euroairport am Mittwoch.

Wenig Flüge, aber viele Reklamationen

"Wir hatten fast noch nie so viele Reklamationen wie 2020", so der Flughafenchef gegenüber den Mitgliedern des Vereins, der sich als Interessensvertretung der Passagiere und des Flughafens versteht. Die Sensibilität sei offenbar extrem gewachsen nach dem massiven Einbruch im März, als im Vergleich zu 2019 nur noch ein Drittel der Passagiere gezählt wurden. Im April und Mai 2020 waren es dann noch gerade rund 1000 und 1300 Fluggäste gegenüber mehr als 800.000 in den Vergleichsmonaten ein Jahr zuvor. Erst im Juni 2020 mit dem Sommerreiseverkehr ging es dann bis auf 390.000 Passagiere im August für den EAP wieder aufwärts. Auch in den ersten vier Monaten 2022 und mehr als 600.000 Fluggästen im April zeigt die Kurve wieder steil nach oben. "Wir kommen langsam wieder an die Zahlen von 2019 heran", so Suhr. Sehr gut sei vor allem der Osterreiseverkehr gewesen.

Zuwächse im Frachtverkehr

Für Anrainer im trinationalen Umland spürbar sind aber nicht nur die Passagier-, sondern insbesondere auch die Frachtflüge. Anstatt Einbrüchen gab es hier Zuwächse, wie der EAP schon im Januar vermeldet hatte. So war das Frachtvolumen 2020 bereits gegenüber dem Vorjahr gewachsen, bei der Expressfracht sogar um 14 Prozent, und 2021 insgesamt noch einmal um zehn Prozent auf 119.000 Tonnen. Die Fracht war es allerdings auch, die den EAP durch die Krise gebracht hat. "Wir konnten nicht alles ausgleichen, aber die Verluste in Grenzen halten", so Suhr, der besonders stolz darauf ist, die Probleme ohne Zuschüsse und aus eigener Kraft überwunden zu haben. Aufgrund von Kurzarbeit und einem verlängerten Einstellungsstopp habe man auch keine Kündigungen aussprechen müssen.

Die am meisten angeflogenen Ziele sind weiter das kosovarische Pristina und Istanbul in der Türkei, die auch während der Pandemie wichtige Destinationen waren. An dritter Stelle steht bereits wieder London, einst vom EAP aus am häufigsten angeflogen, zwischenzeitlich ganz gestrichen, dann aber erneut wieder aufgenommen von Easyjet und British Airways. Bei den Fluggesellschaften steht Easyjet in Basel unangefochten weiter an erste Stelle, gefolgt von Wizz Air und Turkish Airlines. In seiner Vorschau auf den Sommer nannte Suhr unter den wichtigsten Märkten nach Spanien, der Türkei und Frankreich, das zahlenmäßig abgeschlagene Deutschland wieder an vierter Stelle. "England ist für uns ein wichtiger Markt", so Suhr, "genau wie Deutschland, und beide kommen jetzt zurück."

Weniger Fluglärm in den Nachtstunden

Beim Fluglärm sieht sich Suhr allen Anwohnerbeschwerden zu Trotz auf einem guten Weg, dies vor allem mit Blick auf die sensibleren Nachtstunden. Wegen des seit Februar geltenden Verbots geplanter Starts zwischen 23 und 24 Uhr und dem ebenso seitens des EAP ausgesprochen Verbot von Starts und Landungen besonders lärmintensiver Flugzeuge zwischen 22 und 24 Uhr sowie zwischen fünf und sechs Uhr morgens geht er von spürbaren Verbesserungen aus. Die Verschiebung und Bündelung gehe indes einher mit einem vom Umfeld umso stärker wahrgenommenen höheren Flugaufkommen in den Abendstunden, das beklagten Mitglieder der IG. Eine Lösung ist hier nicht in Sicht. Suhr bleibt für die Nachtstunden indes dabei: "Wir rechnen mit einer substanziellen Reduktion von zwischen acht und zehn Prozent weniger Lärm."