Treibhausgas

CO2-Konzentration stieg trotz des Corona-Lockdowns

afp,dpa,nuf

Von afp, dpa & Thorsten Knuf

Mo, 25. Oktober 2021 um 17:08 Uhr

Ausland

Keine Woche vor der Weltklimakonferenz in Glasgow zieht die Weltwetterorganisation (WMO) eine ernüchternde Bilanz: Die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre steigt unaufhörlich.

Auch die Lockdowns in der Corona-Pandemie haben daran nichts geändert. Das Wirtschaftsleben stand im ersten Corona-Jahr 2020 zwar vielerorts lange still, dennoch erreichte die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases in der Atmosphäre, Kohlendioxid (CO2), einen Rekordwert. Und nicht nur das: Der Anstieg war demnach stärker als im Schnitt der zehn Jahre davor, so die WMO.

"Die Verlangsamung der Wirtschaftsaktivitäten durch Covid-19 hatte keine erkennbaren Auswirkungen auf die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre oder auf deren Wachstumsraten", schreibt die WMO. Lediglich die neuen CO2-Emissionen seien vorübergehend zurückgegangen, um 5,6 Prozent 2020. "Solange es Emissionen gibt, steigt die globale Temperatur weiter." CO2 kann Jahrhunderte in der Atmosphäre bleiben. Es entsteht durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion sowie im Zuge von Waldzerstörung.

Der Höchstwert des Treibhausgases lag bei 413,2 ppm (Teilchen pro Million Teilchen). Das entspricht 149 Prozent des vorindustriellen Niveaus. Im Jahr davor waren es 410,7 ppm. Die WMO datiert den Beginn der Industrialisierung auf 1750. CO2 ist laut WMO für zwei Drittel des Erwärmungseffekts verantwortlich. Alle Treibhausgase zusammen haben schon zu einer durchschnittlichen weltweiten Erwärmung von 1,1 Grad geführt, in Deutschland beträgt sie 1,6 Grad. Wenn nicht deutlich schärfere Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden, werde die Welt die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht einhalten, die Erwärmung auf 1,5 bis 2 Grad zu begrenzen, so WMO-Chef Petteri Taalas.

Die Industriestaaten werden ihr 2009 gesetztes Ziel für jährliche Klimahilfen für ärmere Länder verfehlen. Die versprochenen 100 Milliarden Dollar an Hilfen pro Jahr für die Bekämpfung des Klimawandels werden voraussichtlich erst ab 2023 erreicht, wie Regierungsvertreter von Deutschland, Großbritannien und Kanada am Montag mitteilten. Die reicheren Länder hatten sich zu dieser Summe jährlicher Hilfen ab 2020 verpflichtet.

Indes haben vor der heißen Phase der Koalitionsverhandlungen führende Wirtschaftsforschungsinstitute die Ampel-Parteien aufgefordert, ihre Ankündigung wahrzumachen und im großen Stil klimaschädigende Subventionen abzubauen. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung gehören das Diesel- und Dienstwagenprivileg abgeschafft, zudem die Mehrwertsteuerbefreiung internationaler Flüge, die Energiesteuerbefreiung von Kerosin sowie die Pendlerpauschale.

Die Grünen gehen derweil mit der Forderung nach einer Erhöhung des Wohngelds, des steuerfreien Existenzminimums und des Grundeinkommens als Ausgleich für die stark gestiegenen Energiepreise in die konkreten Koalitionsverhandlungen mit Sozialdemokraten und FDP. Der ehemalige Umweltminister Jürgen Trittin, der für die Grünen die Bereiche Klima und Energie verhandelt, sagte Bild TV: "Ich persönlich bin der Auffassung, dass wir in der Tat beim Wohngeld und bei der Frage des Steuerfreibetrages hier etwas tun müssen".