Messwert

CO2-Messgeräte können beim richtigen Lüften helfen

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Mo, 28. September 2020 um 12:27 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Wie gut lassen sich Schul- oder Büroräume coronafrei halten? CO 2 -Messgeräte können dabei helfen, die Viruslast einzuschätzen – und

Mindestens alle 45 Minuten seien Unterrichtsräume zu lüften, heißt es in der "Verordnung über den Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen" des baden-württembergischen Kultusministeriums. So solle das Infektionsrisiko durch Aerosole gemindert werden. "Das ist zu undifferenziert", sagt Eckart Schultz, früherer Leiter des Referates Lufthygiene der Medizinisch-Meteorologischen Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg. Wie verbraucht die Luft in einem Raum sei und ob sich – im Falle, ein Infizierter befindet sich darin – dadurch das Infektionsrisiko erhöht, hängt unter anderem von der Raumgröße, der Schülerzahl sowie der Aktivität der Personen ab.

Als einfacher und probater Indikator dafür, wie virusbelastet Luft sein kann, gilt der Kohlendioxidwert. Der lässt sich mit speziellen Sensoren messen. Je mehr verbrauchte Luft, also solche, die bereits bei irgendjemandem in der Lunge war, sich im Raum befindet, umso höher ist der Wert. Weil das Kohlendioxid (CO2) und die Aerosole, an denen das Virus haften kann, beide aus der gleichen Quelle – den Atemwegen – kommen, gehen Experten davon aus, dass sich mit mehr Kohlendioxid auch mehr potenziell virushaltige Aerosole in der Luft befinden. "Vor allem dann, wenn kein wirksamer Aerosolfilter vorhanden ist, ist dieser Zusammenhang eng", sagt Schultz. Wie eng genau, dafür fehle es bisher allerdings an detaillierten Untersuchungen.

1000ppm ist ein sinnvoller Grenzwert

Eine CO2-Konzentration von höchstens 1000 ppm (parts per million) zeige unter normalen Bedingungen einen hygienisch ausreichenden Luftwechsel an, teilt die Kommission Innenraumlufthygiene beim Umweltbundesamt mit. Studien haben zudem gezeigt, dass es oberhalb dieses Wertes schwieriger wird, konzentriert zu arbeiten. Zum Vergleich: Der CO2-Wert in der Außenluft beträgt etwa 410 ppm. Eine Expertenkommission hat der Kultusministerkonferenz am Mittwoch zum Stoßlüften im zeitlichen Abstand von 20 Minuten und für etwa drei bis fünf Minuten Dauer sowie zum Querlüften der Räume in den Pausen geraten. Das Umweltbundesamt will für alle Schulen eine entsprechende Handreichung "Lüften in Schulräumen" erstellen.

"Wir wissen, dass die 1000 ppm in einem Klassenzimmer mit 25 Kindern innerhalb von 15 bis 20 Minuten erreicht sein können", sagt Schultz. Dass es bereits dann angebracht wäre, den Raum zu lüften und nicht bis zur Pause zu warten, könnte eine sogenannte CO2-Ampel den Lehrern anzeigen: Die Messgeräte arbeiten mit den Farben grün, gelb und rot. Zuverlässige Geräte kosten etwa 150 bis 200 Euro. Eine CO2-Konzentration von weniger als 1000 ppm schützt nicht automatisch vor einer Infektion mit dem Coronavirus oder anderen Viren. Aber die Geräte können auf ein schlechtes Luftmanagement hinweisen und zeigen auch, ob Lüftungsanlagen korrekt eingestellt sind.

Generell favorisiert auch Schultz in geschlossenen Räumen eine maschinelle Lüftung und die Verwendung wirksamer Aerosolfilter. "Aber wenn wir uns schon aufs Fensterlüften verlassen müssen, weil es an der technischen Ausstattung fehlt, dann nach objektiven Kriterien, wie sie CO2-Messungen in Verbindung mit bewährten Luftqualitätsstandards für Innenräume liefern können", sagt der Lufthygieniker.