Streit um Kurs des Bankhauses

Commerzbank-Spitze wirft hin

dpa

Von dpa

Fr, 03. Juli 2020 um 18:52 Uhr

Wirtschaft

Mitten in der Diskussion über die künftige Ausrichtung der Commerzbank hat Konzernchef Martin Zielke seinen Rücktritt angeboten. Auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann geht.

Der Präsidial- und Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats habe beschlossen, dem Kontrollgremium zu empfehlen, Zielkes Vertrag spätestens zum 31. Dezember 2020 zu beenden. Das teilte der teilverstaatlichte Frankfurter MDax-Konzern am Freitagabend in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. "Der Aufsichtsrat wird dazu in seiner Sitzung am 8. Juli 2020 einen Beschluss fassen."

Zielke ist seit 1. Mai 2016 Vorstandsvorsitzender. Auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann habe angekündigt, sein Mandat im Aufsichtsrat mit Wirkung zum 3. August 2020 niederzulegen. Zuletzt war die Kritik am Kurs der Bank lauter geworden. US-Finanzinvestor Cerberus hatte dem Commerzbank-Management Versagen und eine verfehlte Strategie vorgeworfen. Cerberus ist mit gut fünf Prozent zweitgrößter Anteilseigner. Der Bund hält nach der Rettung der Bank mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2008 heute 15,6 Prozent der Anteile.

Neue Sparpläne bringen neuen Streit. Eine für diese Woche angesetzte außerordentliche Aufsichtsratssitzung wurde kurzfristig abgesagt. Der Vorstand hatte im Februar nach einem Gewinneinbruch angekündigt, dass der Sparkurs forciert werden soll. Bisher war geplant, 4300 Vollzeitstellen zu streichen, aber auch 2000 Jobs zu schaffen. Etwa 200 Filialen – jeder fünfte Standort in Deutschland – soll wegfallen. In Medienberichten war nun die Rede davon, dass die Bank bis zu 7000 Stellen abbauen und etwa 400 Filialen schließen könnte. Derzeit hat sie auf Vollzeitbasis etwa 39 800 Mitarbeiter.