Psychische Fitness

Damit Kinder kranker Eltern nicht selbst krank werden, gibt es das Angebot "Pfif"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 03. Dezember 2019 um 18:25 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Psychische Fitness in Familien, kurz Pfif, ist ein Angebot des Diakonischen Werkes und des Landkreises. Kinder, deren Eltern an psychischen Erkrankungen leiden, werden betreut und begleitet.

Kinder, deren Eltern an psychischen Erkrankungen leiden, haben ein erhöhtes Risiko, selbst zu Patienten zu werden. Um das zu verhindern, kooperieren das Diakonische Werk und das Jugendamt des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald für das Projekt Psychische Fitness in Familien (Pfif). Seit fünf Jahren gibt es dieses Angebot, das inzwischen zur Regelleistung geworden ist und von der Sozialpädagogischen Familienhilfe im Kreis angeboten wird. Darüber informierte jetzt das Diakonische Werk Breisgau-Hochschwarzwald in einer Pressemitteilung.

Pfif wendet sich an Familien, in denen es psychisch erkrankte oder belastete Elternteile gibt. Erfahrungen zeigten, dass sich Familien im Umgang mit dieser Belastung schwertun. "Die Krankheit kann sich so zu einem Tabuthema entwickeln, über das weder innerhalb noch außerhalb der Familie gesprochen wird", schreibt das Diakonische Werk. Teilweise fühlten sich Kinder und Jugendliche mitschuldig an der Lage und übernähmen die Aufgaben der Erwachsenen. So sei es nicht verwunderlich, dass betroffene Kinder einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt sind, selbst psychisch krank zu werden.

Erarbeitung eines Notfallplans

Hier setzt Pfif ein: Fachkräfte aus Familienhilfe und Sozialpsychiatrie besuchen Familien regelmäßig, klären den Unterstützungsbedarf und stehen in Kontakt mit dem Jugendamt. Dabei geht es etwa um folgende Fragen: Was brauchen die Familienmitglieder, um mit der Situation besser zurecht zu kommen? Wie kann die Familie aus der eigenen Sprachlosigkeit herausfinden und wieder handlungsfähig werden?

Nach der Kennenlernphase werden Veränderungsschritte verabredet. Dazu gehört laut dem Diakonischen Werk das Erarbeiten eines Notfallplans, um Anzeichen der Erkrankung zu erkennen und hilfreiche Schritte einzuleiten. In diesen Plan würden individuelle Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit eingearbeitet.

Pfif lege Wert darauf, betroffene Eltern bei der Annahme von Hilfen zu unterstützen und ein stabilisierendes Netzwerk zu knüpfen. So könne die Behandlung durch einen Facharzt oder die Aufnahme einer Psychotherapie entscheidend dabei helfen, mit den Auswirkungen der Krankheit besser umgehen zu können. In Gesprächen gehe es auch darum, einen Weg zu finden, bestmöglich allen Bedürfnissen der Familienmitglieder gerecht zu werden.

30 Familien bisher profitiert

Fester Bestandteil von Pfif ist eine Kindergruppe: Beim Diakonischen Werk in Müllheim treffen sich Betroffene, um zu spielen, basteln und kochen. "Neben Spiel und Spaß lernen die Kinder, ihre Gefühle auszusprechen und mit ihrer Trauer, Schuld und Wut umzugehen", heißt es in der Mitteilung. In der Gruppe sollen die Kinder erfahren, dass sie nicht alleine sind – und nicht alleine gelassen werden. Seit dem Start von Pfif vor fünf Jahren hätten mehr als 30 Familien von dem Angebot profitiert. Die Unterstützung dauere in der Regel ein Jahr, könne aber verlängert werden. Sie kann beim Jugendamt beantragt werden.