Damit Menschen von ihrer Arbeit leben können

Reinhard Herbrig

Von Reinhard Herbrig

Fr, 04. Oktober 2019

Bad Säckingen

Steuerungsgruppe "Bad Säckingen fairwandeln" zieht mit Bürgermeister Guhl eine Bilanz der Preisverleihung zum Titel "Bundeshauptstadt des fairen Handels".

BAD SÄCKINGEN. "Der Wunsch, dass durch fairen Handel, Menschen in Entwicklungsländern von ihrer Hände Arbeit leben können, treibt die Steuerungsgruppe ,Bad Säckingen fairwandeln’ zu ihrem Engagement an", erklärte Bürgermeister Alexander Guhl anlässlich eines Pressegespräches am Dienstagabend im Rathaus.

Zusammen mit sieben Vertretern der Steuerungsgruppe erklärte er, wie es möglich war, bei der Preisverleihung zum Titel "Bundeshauptstadt des fairen Handels", die am 18. September in Köln stattfand, den zweiten Preis unter 100 Bewerbern zu erzielen. Den Preis, der mit je 40 000 Euro dotiert war, teilte sich Bad Säckingen mit Münster. Es folgten Nürnberg auf dem dritten und Leipzig auf dem vierten Platz.

Fairtrade im Unterricht
Bürgermeister Guhl wollte diese Zusammenkunft nutzen, um die beteiligten bürgerschaftlichen Gruppen – ohne deren Engagement dieses Abschneiden nicht möglich gewesen wäre – zu Wort kommen zu lassen. Außerdem ging es bei dem Treffen darum, erste Ideen für die Verwendung des Preisgeldes zu sammeln.

Zu den Teilnehmern gehörte Hedwig Kubina, die es mit dem Schulkollegium 2018 geschafft hat, dass sich das Scheffelgymnasium als erste Fairtrade-Schule im Landkreis Waldshut qualifiziert hat. Sie sorgte dafür, dass jedes Jahr Praktikanten im Weltlädeli in Murg mithelfen. Außerdem finden für die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen Führungen durch die Weltläden in Murg und Wehr und regelmäßig Projekttage statt. Dabei werden Probleme in der Welt in Bezug auf fairen Handel diskutiert. Zusätzlich werden verschiedene Aktionen unterstützt: Am Muttertag werden fair erzeugte Rosen verteilt, in der Schulmensa werden Tee, Orangensaft und getrocknete Mangos aus fairem Handel angeboten.

Da die Fachlehrer für Religion, Wirtschaft, Gemeinschaftskunde, Geographie und Ethik den Gedanken des fairen Handels in den Unterricht integrieren, sind viele Schüler bereit, einen gerechten Preis zum Beispiel für Kleidungstücke mit dem Fairtrade Label (ein T-Shirt für 15 Euro oder für einen Pulli 42 Euro) zu bezahlen. Hedwig Kubina ist zusammen mit ihren Mitstreitern der Steuerungsgruppe davon überzeugt, dass durch solch relativ kleine Aktionen bei den Jugendlichen ein Umdenken stattfindet, das die Wirtschaft dazu veranlasst, mehr fair hergestellte Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen.

Umdenken im Kindergarten
Noch früher beginnt die Leiterin des AWO-Kinderhauses Rhein-Au, Corina Gerspach, die Kleinen für die Natur und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. So zeigt sie den Kindern, wie das Gemüse, das sie essen, in den Gärten, die um den Kindergarten angelegt sind, wächst. Dadurch bekommen sie mehr Wertschätzung für Lebensmittel in der Praxis. Das Kinderhaus ist seit vergangenem Jahr die erste Kita im Landkreis mit Fairtrade-Auszeichnung.

Durch den Kauf von fair hergestellten Waren werden die Lebensbedingungen der Familien in den Ländern des Südens verbessert und den Kindern ein Schulbesuch ermöglicht. Ähnlich äußerten sich Willi Moosmann, Vorsitzender der Steuerungsgruppe, Inge Engelke vom Weltladen Wehr, Franz Stortz, Ortsvorsteher von Rippolingen und Manfred Trenkle vom Weltlädeli in Murg. Wie Ralf Däubler, Umweltreferent der Stadt Bad Säckingen erklärte, möchte man durch regelmäßige Informations-, Veranstaltungs- und Bildungsangebote den Gedanken des fairen Handels stärken, so dass ein kontinuierliches Umdenken stattfindet. Denn wenn Menschen aus armen Ländern, die aus unterschiedlichen Gründen oft als Flüchtlinge nach Europa kommen, unter fairen Arbeitsbedingungen ihren Lebensunterhalt bestreiten können, werden sie ihre Heimat nicht verlassen.

Weitere Informationen zum Bundeswettbewerb gibt es auf der städtischen Homepage: http://www.bad-saeckingen.de und bald auch einen Videofilm.