Friday For Future

Demo für den Klimaschutz – Schulen in Weil verzichten auf Sanktionen

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Fr, 22. Februar 2019 um 07:00 Uhr

Weil am Rhein

Zwei Weiler Gymnasiasten haben die Freitags-Demo in Lörrach mitorganisiert. Mehrere hundert Schüler haben sich für die Kundgebung angekündigt – und müssen keine Sanktionen fürchten.

Um 10 Uhr haben sich mehrere hundert Schülerinnen und Schüler an diesem Freitag auf dem Bahnhofsplatz in Lörrach verabredet, um gegen Klimawandel zu demonstrieren, für einen Kohleausstieg und für einen bewussteren Umgang mit der Natur. Zwei Weiler Gymnasiasten haben die Veranstaltung mit organisiert und an ihren Schulen, am Kant-Gymnasium und dem Oberrhein-Gymnasium, bei den Rektoren um Verständnis für den Streik der Schüler geworben – mit Erfolg. An beiden Schulen wird von Sanktionen ausnahmsweise abgesehen.

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Schulpflicht geht in jedem Fall vor

Selbstverständlich ist das nicht, wie die Schulleiter unterstreichen. Immerhin bestreiken die Schülerinnen und Schüler, die an der Demonstration unter dem Titel "Friday for Future" teilnehmen, den Unterricht und verstoßen damit gegen die Schulpflicht. "Als Schulveranstaltung können wir so etwas nicht deklarieren, schon allein deswegen, weil es uns als Lehrern verboten ist, innerhalb der Schulzeit zu demonstrieren", erklärt Silke Wießner als Leiterin des Oberrhein-Gymnasiums. Ihr wäre es daher auch viel lieber gewesen, wenn die Demonstration außerhalb der offiziellen Schulzeit, etwa am Freitagnachmittag stattgefunden hätte. Das hätte in ihren Augen die Glaubwürdigkeit der Aktion unterstrichen.

"Existenzielle Zukunftsfrage für die junge Generation"

Mit ihrem Kollegen Martin Haas vom Kant-Gymnasium ist sie sich aber einig, dass die Idee, die hinter dem Anliegen steht, "eine gute Sache ist". Haas bezeichnet es als "vollkommen verständlich" und begrüßt es, wenn "die junge Generation in einer für sie existenziellen Zukunftsfrage Stellung bezieht". Er habe es als sehr toll empfunden, dass die Schüler, allen voran die Mitinitiatorin Katrin Engler, ganz offen auf ihn zugekommen sei und ihr Anliegen, aber eben auch den Zwiespalt geschildert habe, indem sich die Schüler mit der Aktion "Friday for Future" befinden. Damit hätten sie deutlich gemacht, wie ernst es ihnen mit ihrer Sorge um die Natur und den Klimaschutz ist.

Der Demo sollen Taten in der Schule folgen

An das Entgegenkommen knüpft Haas allerdings den Wunsch, dass nach einer solchen Aktion auch Taten innerhalb der Schule folgen sollten. Damit stößt bei den Schülern auf offene Ohren. "Wir sind schon länger an dem Thema dran. Es gibt Überlegungen, den Klimaschutz zum Thema an den Projekttagen zu machen und auch eine Politik AG ist im Gespräch", erklärt Katrin Engler. In der AG sei daran gedacht, Themen vorzubereiten, um sie mit Kommunalpolitikern zu diskutieren. Gut finde sie auch den Vorschlag von Haas, Diskussionsforen in der Schule zu etablieren und Klimaschutz auch praktisch anzupacken. Der Eindruck, die Jugend sei eher unpolitisch, sei falsch, ist sich die 17-Jährige sicher.

Mehrere Hundert Teilnehmer haben sich angemeldet

Wie groß die Zahl der Schülerinnen und Schüler ist, die sich am Freitag auf dem Bahnhofsplatz in Lörrach versammeln, wagen weder Katrin Engler, noch Erik Mehrle, Initiator und Schüler am Oberrhein-Gymnasium, abzuschätzen. In den Gruppen im Internet, in denen sie das Vorhaben beworben haben, hätten sich rund 500 Teilnehmer angesagt. "Das sind vor allem 10. und 11. Klassen", so Mehrle. Für die Zwölftklässler, die kurz vor dem Abitur stehen, habe das Lernen Vorrang. Allein aus seinem Umfeld am Oberrhein-Gymnasium rechne er mit rund 100 bis 150 Mitschülern. "Ich denke, vom Kant sind es nicht weniger", schätzt Katrin Engler. Sie selbst werde in den erste beiden Stunden noch eine Klausur mitschreiben und dann erst nach Lörrach gehen. Und am Nachmittag gehe der Unterricht für sie und viele ihrer Kollegen aus der Kursstufe auch schon wieder weiter. Nur so zum Plausch werde wohl kaum einer an der Demo teilnehmen.

"In Weil hätten wir dafür die Hauptstraße sperren müssen"

Warum bei so vielen Teilnehmern aus Weil am Rhein die Demo trotzdem in Lörrach stattfindet, liegt für Erik Mehrle auf der Hand: "In Weil hätten wir für die Demo wohl die Hauptstraße sperren müssen. Das wollten wir nicht. In Lörrach haben wir da bessere Möglichkeiten, zumal wir Schüler aus dem ganzen Landkreis ansprechen wollten", erklärt er. Dass die Schüler später auch einmal in Weil – außerhalb der offiziellen Schulzeiten, wie er versichert – auf ihre Anliegen aufmerksam machen, hält er nicht für ausgeschlossen. Besprochen sei aber noch nichts. Sein nächstes Ziel, sei allerdings, dass sich die Schüler im Landkreis Lörrach am 15. März an der europaweiten "Friday for Future"-Demonstration beteiligen. Die wäre noch einmal an einem Vormittag, "aber das ist ja auch ein besonderes Zeichen, wenn in ganz Europa Schüler gleichzeitig zum Streik aufrufen", erklärt Erik Mehrle.

Gymnasiasten bleiben weitgehend unter sich

Kein Thema ist die Demo an der Gemeinschaftsschule. Und an der Realschule hat nur eine einzige Schülerin bei Rektorin Wittek freigefragt. "Die Schülerin kam mit einem Brief der Eltern, die die Verantwortung übernehmen und versicherten, dass sie die ersten beiden Stunden zum Unterricht kommt. Das finde ich in Ordnung und das habe ich auch genehmigt", erklärt Wittek. Ein Freibrief für andere Schüler sei das aber nicht.