Mitgliederversammlung

Der BI Bahntrasse in Offenburg geht die Arbeit nicht aus

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Di, 21. September 2021 um 11:00 Uhr

Offenburg

Karl Bäuerle, der als Vorsitzender der Bürgerinitiative bestätigt wurde, sieht die Initiative auch beim Bau des Tunnels und Kampf um Lärmschutz gefordert.

Seit dem Beschluss zum Bau des Güterzugtunnels im Januar 2016 sind bereits fünf Jahre ins Land gezogen. Seither gab es eine "wenig spektakuläre Phase", hinter den Kulissen sei dennoch viel gearbeitet worden, sagte bei der Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative Bahntrasse Karl Bäuerle. Die Arbeit werde auch in Zukunft nicht ausgehen. Der 71-Jährige wurde für weitere zwei Jahre als Vorsitzender wiedergewählt. Er ist guter Dinge, dass der Tunnel spätestens 2035 in Betrieb gehen wird.

Bei der Mitgliederversammlung der seit der Gründung immens rührigen und erfolgreichen BI Bahntrasse war der frühere evangelische Dekan Manfred Wahl im Herbst 2016 nach zehn Jahren als Vorsitzender verabschiedet worden. Nachfolger der 4200 Mitglieder starken Bürgerinitiative wurde Karl Bäuerle, BI-Mitglied der ersten Stunde. Bei der Versammlung wurde Bäuerle für zwei weitere Jahre wiedergewählt. Ihm zur Seite stehen ebenfalls weiterhin Schwester Martina (1. Stellvertreterin) und Oliver Strauch (2. Stellvertreter), Simone Golling-Imlau (Schriftführerin) und Anita Rost (Kassiererin). Dem erweiterten Vorstand gehören weitere zwölf Personen an, darunter die Vertreter der Offenburger Bürgergemeinschaften und Manfred Wahl als Ehrenvorsitzender.

Zuletzt eine wenig spektakuläre Phase

Gewiss, sagte Bäuerle, seien die vergangenen fünf Jahre, seit dem Beschluss, im Westen von Offenburg den Güterzugtunnel zu bauen, "eine wenig spektakuläre Phase gewesen". Nicht zu unterschätzen aber die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung im Juni 2020, die wegen der Corona-Pandemie virtuell stattgefunden hatte. Laut Bahn AG hatten seinerzeit 3650 Interessierte den Online-Auftritt zu dem Milliarden-Projekt aufgerufen, die BI hatte zudem 30 Fragen der Bahn vorgelegt.

Doch auch so seien die Verantwortlichen gefordert gewesen. Mit dem Wegfall der A3-Güterzugtrasse mitten durch die Stadt sei der angemeldete Bahnhalt "Messeplatz" unter den Tisch gefallen, dessen Notwendigkeit musste erneut formuliert werden: "Seit März 2020 liegt dem Kreis eine Zusage der Bahn vor, dass der neue Halt ins Fahrplankonzept 2035 integriert wird." Gleicher Schallschutz im Norden wie im Süden: Auch diese Forderung habe viel Arbeit gemacht, ebenso der dringliche Wunsch, für den Lärmschutz die Zugzahlprognose für 2030 zugrunde zu legen – und nicht die für 2025.

Baulärm darf akzeptable Höhe nicht überschreiten

Allmählich aktuell werde das Thema Bauphase, so Karl Bäuerle. Es müsse darauf geachtet werden, dass der Baulärm auf Höhe von Windschläg die gerade noch akzeptable Höhe nicht überschreite.

Wie Schwester Martina schwerpunktmäßig ausführte, setze sich die BI auch dafür ein, dass beim Tunnelbau nur der geringstmögliche Transportverkehr entsteht. Die Aushubmasse, Kies, Sand und Erde, sollte vor Ort verwertet werden: "Durch kurze Transporte würde viel CO2 eingespart. Es käme zu weniger Lärm und weniger Straßenbelastung." Außerdem würden Ressourcen vor Ort, etwa Baggersee-Kies, über viele Jahre geschont.

Lärmschutzwände könnten deutlich kleiner ausfallen

Das Engagement der BI strebe auch die Verbesserung der Lärmsituation an, der an der Quelle entsteht, an Schiene, Rädern und Oberleitungen. Dann könnten eines Tages auch die Lärmschutzwände deutlich kleiner – keine drei Meter, sondern höchstens 75 Zentimeter hoch – und somit ästhetischer ausfallen. "Bei der Bahnfahrt", ergänzte Bäuerle, "wäre auch das Stadt- und Landschaftsbild nicht zerstört." Als ungelöstes Problem bezeichnete er die Situation der auf Hohberger Gemarkung liegenden vier Binzburghöfe: Diese seien durch den Bahnausbau existenziell bedroht.

Der 71-Jährige ist nach wie vor mit Leidenschaft bei der Sache, mag die Arbeit auch nie ausgehen und hie und da auch sehr zäh ausfallen. Er gab sich überzeugt, dass der erste Zug spätestens 2035 durch den Tunnel fahren wird: "Ich habe das Gefühl, dass die Bahn ihre eigenen zeitlichen Vorgaben einhalten will."