Klimawandel konkret

Der Freiburger Stadtwald sieht an vielen Stellen traurig aus

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Do, 11. Juli 2019 um 17:22 Uhr

Freiburg

Der Klimawandel ist in Freiburg angelangt: Fichten färben sich, der Borkenkäfer breitet sich aus. Das Forstamt arbeitet deshalb vorwiegend an Konzepten für den Wald der Zukunft.

Im Stadtwald sind derzeit überall rotbräunlich vertrocknete Fichten inmitten des satten Sommergrün auszumachen. "Der Klimawandel ist in Freiburg angelangt", begrüßt Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik zum Pressetermin oben im Revier Waldsee. Waldschäden seien ein bundesweites Thema, das nun auch hier trotz sehr guter Bewirtschaftung weithin sichtbar werde. Man habe sämtliche Schäden im Blick, ergänzt Forstamtsleiterin Nicole Schmalfuß, aber man wolle auch die Bevölkerung über die Lage informieren.

Sturmholz und Sommerdürre sorgten für Ausbreitung des Borkenkäfers

Eine unglückliche Konstellation habe den Freiburger Stadtwald ungewöhnlich belastet, erklärt Forstamtsleiterin Nicole Schmalfuß: Im Februar 2018 hatte Sturm Burglind 5.000 Kubikmeter Sturmholz im Stadtwald verursacht – das meiste wurde aus dem Wald geholt, einiges aber blieb liegen. Im ungünstigen Fall ist das auch Brutplatz für den Borkenkäfer. Der aber gedieh dann obendrein besonders gut dank der außergewöhnlichen Sommerdürre. Statt der üblichen zwei Borkenkäfergenerationen gab es sogar vier. Mit jeder Generation verzwanzigfacht sich der Bestand der Käfer – und die große Zahl der Käfer fand zahlreiche, von der Trockenheit bereits geschwächte Bäume vor, die den Befall nicht abwehren konnten. "Keine Katastrophe", sagt Nicole Schmalfuß, "aber eine enorme Kalamität."

"Unsere eigentliche Aufgabe, die gute, sinnige Bewirtschaftung des Stadtwalds, muss da im Moment zurückstehen." Berno Menzinger, Stellvertretender Forstamtsleiter
Große, jahrelang gehegte Biodiversität habe den Freiburger Stadtwald insgesamt sehr robust gemacht, versichert Berno Menzinger, Stellvertretender Forstamtsleiter. Nun aber zwinge die große Trockenheit der Vorjahres, auf die aktuellen Nöte des Waldes schnell und gründlich zu reagieren. "Unsere eigentliche Aufgabe, die gute, sinnige Bewirtschaftung des Stadtwalds, unser planvolles Agieren, muss da im Moment zurückstehen."

Eine Borkenkäfergeneration nämlich wächst innerhalb von etwa sechs Wochen heran. Sechs Wochen, in denen zum Beispiel ein Befall auch an kleinen Signalen erkannt werden und der Baum gefällt werden und aus dem Wald geschafft werden muss, sonst fliegt die neue Generation aus – und fällt weitere Bäume an.

Stadtwald wird bleiben, aber er wird sich verändern

Ein Problem, das in diesem Folgesommer auf die Dürre des Vorjahres fast alle europäischen Länder teilen. Entsprechend ist das Mehr an notwendigem Abtransport und Vermarktung eine nur schwer zu lösende Aufgabe, etliches Holz geht – mangels Alternativen – im Container nach Übersee. Parallel zur aktuellen Schadensbekämpfung mit ständiger Beobachtung des gesamten Bestandes und den entsprechenden Sofortmaßnahmen wie Einschlag und Abtransport arbeitet man im städtischen Forstamt an der viel weitreichenderen Aufgabe, auch weiterhin Konzepte für einen zukunftstauglichen Wald zu entwickeln.

Gemeinsam mit der forstlichen Versuchsanstalt und der Uni betreibt das Forstamt ohnehin seit 14 Jahren die Versuchsflächen am Mooswald, um herauszufinden, welche Bäume künftig dem Klimawandel standhalten und den Freiburger Stadtwald erhalten können. Die Fichte, so viel scheint inzwischen klar, kann es – als Liebling des Borkenkäfers – kaum sein. Und auch das ist längst klar: Nur die große Biodiversität des hiesigen Waldbestands macht ihn bei allen Problemen dennoch vergleichsweise widerstandsfähig. Schwierig sind trockenen Lagen, Hügelrücken, exponierte Flächen. Angst um den Wald haben die hiesigen Experten dennoch nicht. Sie setzen auf gelingende Sofortmaßnahmen und auf einen vorsichtigen "Umbau" mit klimaangepassten Baumsorten.

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