Generalsanierung

Der Offenburger Neptunbrunnen ist wieder dicht

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Di, 04. Mai 2021 um 19:00 Uhr

Offenburg

Die Stadt Offenburg investiert 6500 Euro in die Sanierung eines der Wahrzeichens in der Fußgängerzone: Der leck gewordene Neptunbrunnen ist wieder dicht – und eine Bildhauerarbeit mit Geschichte.

Der Neptunbrunnen in der Fußgängerzone ist wieder dicht und von Grund auf saniert, auch die Ende des 18. Jahrhunderts vom Offenburger Bildhauer Johann Nepomuk Speckert gefertigte Statue sieht wieder aus wie neu. Rund 6500 Euro hat die Stadt in eine Sanierung gesteckt, nachdem Wasser aus dem achteckigen Sandsteinbecken ausgetreten war. Eine Oberkircher Spezialfirma hat die Fugen freigelegt und neu ausgefugt sowie eine neue Beschichtung aufgebracht, wie Stadtsprecher Florian Würth auf BZ-Anfrage mitteilte. Zudem wurde der Brunnen samt Säule und Neptun-Standbild sandgestrahlt.

Wie der Historiker Martin Ruch, ehemals Chef von Archiv und Museum, in seinen "Offenburger Stadtführer" schreibt, hatte Bildhauer Speckert im Jahr 1783 dem Stadtrat einen Vorschlag samt Zeichnung für einen Röhrenbrunnenstock auf der Hauptstraße überreicht. Laut Ruch beschloss der Rat, es solle auf der Brunnensäule ein Standbild des Neptun "in einer Größe von fünfeinhalb Schuh" errichtet werden. Den Stein bezahle die Stadt. Angesetzt wurde ein Preis von 24 Gulden "sofern die Statue gut ausfällt". Ruchs Quellen zufolge war der Brunnen zwar bald fertig, allerdings missfiel die Proportion von Stock und Statue.

1909 bei Gewitter in den Brunnen gefallen

Zudem wurde befürchtet, dass die Säule bei Sturm umstürzen könnte. Der als Sachverständiger geladene Maurermeister Anton Schmid habe gefordert, das Postament niedriger zu machen. Aus dem abgesägten Sandstein könne ja ein "Bildnis Mariä" gefertigt werden. Martin Ruch vermutet, dass es die Madonna am benachbarten Beck’schen Hauses sein könne. Bildhauer Speckert präsentierte eine Rechnung von 61 Gulden und verwies darauf, dass Kenner sie "allzeit gegen 100 Gulden werth" einstuften. Der Rath billigte den Preis zwar nicht, soll Ruch zufolge aber das Honorar etwas erhöht haben, "in Rücksicht, dass die Figur gut geraten sei."

1909 fiel der Gott des fließenden Wassers bei einem Gewitter in den Brunnen und brach sich den Hals. Das Original wird seither im Museum aufbewahrt – was jetzt wieder aussieht wie neu, ist eine Kopie des Bildhauers Valentin von 1910.