Schwarzwald

Der Schluchsee ist ein Segelparadies

Ulrike Ott

Von Ulrike Ott

So, 20. September 2020 um 14:21 Uhr

Südwest

Der Sonntag Der Schluchsee ist ein Paradies für Segler – direkt vor der Haustür. Flautentage gibt es fast keine an diesem Binnensee. Der Wind bläst verlässlich und die Natur ist wunderschön. Die Segler freut’s.

Der Schluchsee ist das perfekte Segelrevier. Das sagen die Mitglieder des gleichnamigen Segelvereins und nennen als den wichtigsten Grund, dass in ihrem kleinen Paradies sehr verlässlich der Wind bläst. Und ohne den geht ja bekanntlich nichts beim Segeln.


"Flautentage haben wir aufgrund der thermischen Berg- und Talwinde praktisch keine", erklärt denn auch Kristian Raue, ehemaliges Vorstandsmitglied im Verein. Wie zum Beweis bläst an diesem Donnerstagvormittag die Brise kräftig und der Schluchsee präsentiert sich mit einem Bilderbuchgesicht: blaugrün schimmerndes Wasser bis fast zum Horizont, noch mehr Blau am Spätsommerhimmel und um den See herum dunkle Tannen und grüne Wiesen. Das ist ein Schwarzwaldidyll wie auf der Postkarte.

Segelluft schnuppern macht Spaß

Mit Raue und Jens Reimer, Sportwart im Verein, wollen wir Segelluft schnuppern und ganz hautnah einmal erleben, was die Faszination an diesem Sport ausmacht. Ein bisschen wackelig ist der Steg, der zur Sportyacht von Reimer führt. Ein großer Schritt und wir Greenhörner in Sachen Segeln sind an Bord der 7,50 Meter langen "Melges 24". In sauberem Schuhwerk versteht sich. Das ist gesetzt.

Dann geht es schon los mit dem Segellatein. Back- (links) und Steuerbord (rechts) verstehen wir ja noch, auch von Luv (Richtung, aus der der Wind kommt) und Lee (Richtung, in die der Wind weht), haben wir schon einmal etwas gehört. Aber was sind Fallen (Segelhochziehleine) oder Schoten (Segelranziehleinen)?

Dass am Mast die Segel festgemacht sind, ist klar und was ein Baum ist, merken wir dann schnell aus eigener Erfahrung. Der sitzt unter den Segeln und bedroht bei jedem Kurswechsel die Köpfe der Segler. Aber der Skipper gibt ja glücklicherweise rechtzeitig das Kommando. "Alles klar zur Wende?", fragt er in die Runde. Köpfe einziehen und zügig die Seiten wechseln, heißt das übersetzt.

Die Windstärke nimmt zu

Was anfangs noch schwer fällt, gelingt mit ein bisschen Übung fast mühelos und macht sogar Spaß, weil es das Dahingleiten auf der Wasseroberfläche unterbricht. Kaum zu glauben, dass die Windstärke inzwischen schon bei etwa sieben Knoten liegt. Die anfangs noch leichte Brise wurde von einem mäßigen Wind abgelöst. Sogar die Wellenkämme beginnen langsam zu brechen und erste Schaumkronen zeigen sich auf dem vorhin noch spiegelglatten See. Das Haar flattert jetzt um den Kopf und wir sind froh, einen dünnen Pullover eingepackt zu haben.

Dass es jetzt flotter vorangeht, kommt genau richtig, auch weil mit mehr Wind ganz gut demonstriert werden kann, dass sportliches Segeln auf dem Schluchsee sehr gut möglich ist. Sportliches Segeln, das im Verein bei einer engagierten Jugendarbeit beginnt. Mehr als 100 Nachwuchssegler zählt er in seinen Reihen. Es gibt Trainingsprogramme für alle Altersklassen und Bootsklassen. Dazu Opti- (eine Optimisten-Jolle ist das klassische Ausbildungsboot für Kinder und Jugendliche) und Jugendwochen, zudem Regatten und das auch schon mal in anderen Revieren. Erwachsene perfektionieren ihr Können nebenan in der Segelschule von Till Klump (dort gibt es auch Schnupperkurse) und natürlich beim Segeln selbst.

Wer noch kein eigenes Schiff hat, könnte auf eine Segelbeteiligung hoffen oder vielleicht auf einer Tafel im Seglerhof – das Vereinsheim in einem alten Schwarzwaldhaus nebst Gastronomie – fündig werden. Dort bieten Segler gebrauchte Jollen und Zubehör an. Zum Teil schon für 1500 bis 3000 Euro. Das haben wir uns als Nichtsegler doch teurer vorgestellt.

In Richtung Staumauer

Aber zurück aufs Wasser. Wir segeln mittlerweile noch ein bisschen schneller als zuvor in Richtung Staumauer, die den höchsten Binnensee Deutschlands am südlichen Ende begrenzt. Die 30 Meter hohe Mauer staut den Schluchsee auf seine heutige Länge von rund sieben Kilometer. "Dort vorne könnte man anlegen und am Kiosk etwas essen", sagt Raue. Das machen wir heute jedoch nicht. Viel zu schade bei dem Wind, der am Nachmittag auch wieder schwächer werden soll. Meinen jedenfalls die beiden Segler und legen einen Zahn zu. Sie wissen zu jedem Katamaran auf dem See, ja zu jedem Boot eine Geschichte zu erzählen. Man kennt sich in dieser großen Seglerfamilie, grüßt auch schon mal von Schiff zu Schiff oder gibt Tipps. Den Jugendlichen, die da vorne gekentert sind, beispielsweise.

Wir sind jetzt fast schon wieder angekommen an unserem Ausgangspunkt in Schluchsee-Aha. Schade, dass der Vormittag so schnell verging. Aber schön war’s auf dem Wasser, Entspannung pur. Die Segelbegeisterung hat uns gepackt.
Infos: http://www.segelverein-schluchsee.de Eindrücke vom Segeln auf dem Schluchsee unter https://tinyurl.com/svs-segelvideo
Kontakt für die Schnupperkurse: http://www.segelschule-schluchsee.de