Historische Dokumente

KZ-Arzt Josef Mengele - seine Verbindungen nach Freiburg

Hermann G. Abmayr

Von Hermann G. Abmayr

Di, 27. Januar 2015 um 00:00 Uhr

Freiburg

Als Mediziner im Vernichtungslager Auschwitz führte Josef Mengele grausame Menschenversuche durch – nur wenige wissen von seinen Verbindungen nach Freiburg.

April 1985. Freiburg, Rotlaubstraße. Ein schlanker, mittelgroßer Mann bittet in das Büro seiner Anwaltskanzlei. Blaue Augen, nach hinten gekämmtes Haar. Rolf Mengele, Sohn des grausamen KZ-Arztes Josef Mengele, hatte erst vor wenigen Tagen seinen 41. Geburtstag gefeiert. Aussagen zu seinem Vater und zu dessen Flucht wolle er nicht machen, sagt er freundlich, aber bestimmt. Auch historische Dokumente wie Fotos wolle er der Öffentlichkeit nicht übergeben. Die Zeit werde kommen, versichert er. Doch jetzt sei es noch zu früh. Da hilft all mein Drängen nicht. Wieder ein vergeblicher Versuch, bei den Recherchen für die geplante ARD-Dokumentation "Gesucht wird ... Josef Mengele" weiterzukommen.

Wenige Stunden später öffnet Rolf Mengeles Mutter Irene in der Freiburger Valentinstraße im Ortsteil Günterstal die Tür. Sie ist die erste, längst geschiedene Frau des seit Jahrzehnten gesuchten SS-Arztes, die mit kleinen Unterbrechungen seit gut 40 Jahren in der Stadt lebt. Da ich ihr alte Familiengeschichten über die Familie Mengele in Günzburg erzählen kann, lässt sie sich schnell auf ein Gespräch ein und schwärmt über Josef Mengele, den seine schwäbischen Verwandten gern Beppo nannten. Er habe blendend ausgesehen, sei ein guter Tänzer gewesen. Man habe sich beim Skifahren kennengelernt, und kurz vor Kriegsbeginn in Oberstdorf im Allgäu geheiratet. Sie habe Josef Mengele auch nach dem Krieg noch geliebt, wollte ihn allerdings nicht bei der Flucht nach Südamerika begleiten.

Gemessen an dem, was Josef Mengele getan hat, dürfte es einem Großteil der Menschen schwerfallen, zu verstehen, dass man eine Person wie ihn lieben ...

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