In den Tod gewatschelt

Die Bundesstraße bei Rheinfelden ist eine große Gefahr für kleine Enten

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

So, 18. August 2019 um 11:55 Uhr

Rheinfelden

Mehrere Entenfamilien mussten in diesem Jahr auf der B316 schon ihr Leben lassen, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rheinfelden, Hannelore Nuß. Und bittet die Autofahrer: Langsam machen!

Auf der B 316 häuften sich dieses Jahr Unfälle mit Entenfamilien. Wenn es die Entenmutter erwischt, überleben auch die Küken mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange. Der Tierschutzverein Rheinfelden appelliert an die Autofahrer, die Höchstgeschwindigkeit einzuhalten.

Wenn Entenküken schlüpfen, sind sie schon nach wenigen Stunden lauf- und schwimmfähig, aber für einen gewissen Zeitraum sind sie noch abhängig von der Entenmutter. Fliegen lernen sie erst nach etwa acht Wochen, aber auch danach bleiben sie noch rund 50 bis 60 Tage bei der Entenmutter. Gerade an Schnellstraßen droht den noch nicht flüggen Jungtieren und der Mutter große Gefahr, berichtet Hannelore Nuß, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rheinfelden. Die B 316 sei dieses Jahr besonders auffällig. In den vergangenen Wochen seien mehrere Entenfamilien aus Mutter und bis zu sechs Küken dem Verkehr zum Opfer gefallen. Enten queren die Straßen, wenn sie von einem Wasserlauf zum nächsten wechseln wollen.

Manche Autofahrer beschimpften die Tierschützer sogar

Im Bereich der Wiechsmühle sowie beim Kreisel zur Müßmattstraße und im Bereich der Abzweigung in Richtung Nollingen beim Eisweiher hat Nuß in vier Wochen vier Entenfamilien auf der B316 gezählt. Auf der Bundesstraße gilt beim Eisweiher eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. "Wenn man nicht rast, dann könnte man auch für Tiere stoppen", meint sie. Dass manchmal gerast wird, haben Mitglieder des Tierschutzvereins vor Ort erlebt, als sie Entenfamilien sicher über die Straße bringen wollten. Es sei schwer erträglich, wenn dann Autofahrer ungebremst an den Helfern vorbeifahren und sie gefährden würden. Manche Autofahrer machten immerhin so langsam, dass sie die Tierschützer gar noch beschimpfen konnten.

Totgefahrene Enten werden nicht immer der Polizei gemeldet. Laut Polizeipressereferent Mathias Albicker gab es in Rheinfelden nur im März eine Meldung wegen einer überfahrenen Ente zwischen Herten und Degerfelden. Präsidiumsweit in den Landkreisen Lörrach, Waldshut, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und dem Stadtkreis Freiburg wurden in den letzten zwölf Monaten elf Fälle von überfahrenen oder verletzten Enten dokumentiert. "Vier Meldungen gingen ein, dass Enten oder Entenfamilien auf einer Straße seien", sagt Albicker. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wurden 28 Wildunfälle gemeldet. Allerdings ist auch diese Zahl nicht aussagekräftig, da ein Fall nicht den Weg in die Statistik findet, wenn ein Jagdpächter hinzugerufen wird. Dann rückt die Polizei nämlich nicht an.

Spezielle Warnschilder gibt es nicht

Bleiben Tierkadaver auf der Straße liegen, rücken schon einmal die Technischen Dienste aus, um die Überreste zu entfernen. In diesem Jahr gab es bezüglich Enten nur einen solchen Einsatz, wie Herbert Bächle von der Stadtplanungs- und Umweltabteilung informiert. Ihm sind keine Maßnahmen bekannt, um Enten davon abzuhalten auf Straßen zu laufen. Auch spezielle Warnschilder für querende Enten gibt es nicht. Die Schilder "Wildwechsel" und "Viehtrieb" würden in dem Fall nicht zutreffen. Zudem sei der Zeitraum der Gefährdung auch begrenzt, bis die Entenjungen nach zwei Monaten flügge werden. Aber: "Es ist immer bedauerlich, wenn Tiere dem Straßenverkehr zum Opfer fallen, seien es Igel, Enten oder andere Tiere", sagt Bächle.

Auch wenn offizielle Stellen keine Häufung von Entenunfällen belegen können, sieht Nuß das Jahr diesbezüglich als "extrem" an. Zum bislang letzten Vorfall kam es während des morgendlichen Berufsverkehrs beim Eisweiher. "Wenn die Mutter überfahren wird, sind die Küken auch hin. Die kann man kaum mehr einfangen, die sind dann Freiwild für Bussarde", erklärt sie.

Dankbar ist sie der Familie Ammann aus Rheinfelden, die immer Entenküken aufnimmt und sie aufpäppelt. An die Autofahrer appelliert Nuss, sich an die Geschwindigkeit zu halten, damit sie – nicht nur wegen Enten – rechtzeitig bremsen können, wenn ein Hindernis auftaucht.