Spendenaufruf

Die BZ-Aktion Weihnachtswunsch hilft, wo staatliche Unterstützung fehlt

Klaus Riexinger, Anja Bochtler, Christoph Giese

Von Klaus Riexinger, Anja Bochtler & Christoph Giese

Do, 01. Dezember 2022 um 18:33 Uhr

Südwest

Eine alte Frau, die sich das Heizen nicht mehr leisten kann. Wohnungslose, die medizinische Hilfe benötigen. Vielen Menschen aus der Region konnte bereits geholfen werden, andere sind aktuell in Not. Das sind ihre Geschichten.

Die 29. Auflage der BZ-Weihnachtsaktion ist angelaufen. In den zurückliegenden knapp 30 Jahren hat sich die Spendensammelkampagne zu einem wichtigen Partner für Hilfsbedürftige und auch für Sozialdienste in der Region entwickelt, den man nicht missen möchte. Wir stellen eine Organisatorin vor, die von Anfang an dabei war, ein Obdachlosenheim in Lörrach, in dem eine Stelle durch die Aktion mitfinanziert wird und eine betroffene Frau, die sich über die Hilfe freut.

Die Organisatorin

Seit 28 Jahren gibt es die Aktion Weihnachtswunsch der Badischen Zeitung und genau so lange wird die Aktion in Bad Krozingen von Andrea Bösch organisiert. Erlebt hat die Sekretärin der Badischen Zeitung dabei einiges. Manches Schicksal ging ihr an die Nieren, die Freude über die eine oder andere Hilfe merkt man ihr aber heute noch an.

Zum Beispiel über die Geschichte, die vor etwa 20 Jahren mit einem Anruf aus Staufen begann. Die Frau am Telefon berichtete Bösch von einer Nachbarin, die es sich nicht leisten konnte, im Winter zu heizen. Als eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes Katholischer Frauen den Fall prüfte und die über 80-jährige Frau besuchte, saß sie in Fellschuhen und Wintermantel in der ausgekühlten Wohnung. Mit dem Geld der Weihnachtsaktion konnte ihre Ölheizung gefüllt werden.

Wenn solche Schicksale in der Zeitung geschildert werden, sei die Spendenbereitschaft spürbar höher, sagt Andrea Bösch. Viele Leute wollten dann haben, dass ihr Geld direkt an diese Menschen weitergeleitet werde. Das sei möglich, sagt Bösch ausdrücklich. Wie sie auch allen Spendern versprechen kann, dass jeder Cent weitergegeben werde. Die Verwaltungskosten trage die BZ.

Von Beginn an kooperiert die BZ-Weihnachtsaktion eng mit Sozialen Hilfsdiensten wie Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt. Die sind nah dran an hilfsbedürftigen Menschen und wissen, bei wem staatliche Hilfsprogramme Lücken aufweisen. Anfangs hätten sich noch die Menschen direkt bei ihr gemeldet und nach den Spenden gefragt, sagt Bösch. Um die Fälle zu prüfen, leitete sie die Anfragen dann aber an die Sozialdienste weiter. "Es geht darum, das Geld mit dem Kopf zu verteilen, nicht mit dem Herzen", so Bösch.

Schon lange achtet sie zudem darauf, dass Geld für den Rest des Jahres übrig bleibt. Notsituationen könnten schließlich jederzeit entstehen. So fehlte der Tafel in Staufen wegen der stark gestiegenen Nachfrage ein größerer Betrag, um Lebensmittel einzukaufen. Bösch überwies im Juni und November jeweils 10 000 Euro.

Eine Geschichte, die Andrea Bösch gewiss nie vergessen wird, hat mir ihrem früheren Schäferhund Erik zu tun. Der eigentliche Protagonist ist aber Eduardo Bastone, ein Italiener aus Kalabrien, der nach Bad Krozingen kam und einen Job suchte, die dafür notwendigen Sprachkenntnisse aber nicht hatte. Mittellos stand er da und wandte sich in seiner Not ans Deutsche Rote Kreuz. Letztendlich ermöglichte Andrea Bösch die Finanzierung eines Sprachkurses. Bastone wollte sich dafür erkenntlich zeigen. Geld hatte er zwar keines, aber Talent zum Zeichnen. Nach längerem Überlegen kamen sie auf Erik, den Schäferhund als Motiv. "Als ich das Ölbild zum ersten Mal sah, dachte ich, Erik steht vor mir", sagt Bösch noch heute ganz ergriffen. Heute ist Bastone ein stadtbekannter Künstler.

Ältere Frau in Not

Wer sind die Menschen, die von der BZ-Aktion Weihnachtswunsch unterstützt werden? Etliche von ihnen sind dauerhaft krank und daher erwerbsunfähig, andere haben nach einem langen Leben mit schlecht bezahlter Arbeit magere Renten. Zu ihnen gehört Frieda L. (Name geändert) aus Freiburg. Sie ist 81 Jahre alt, und am Ende ihres Lebens wirkt es, als würde sich ein Kreis schließen – aber kein erfreulicher: Als Kind erlebte sie Armut und Hunger. Und jetzt, mit ihrer kleinen Rente, fragt sie sich: "Muss ich als alter Mensch wieder auf Butter verzichten?"

Die Butter steht symbolisch für vieles. Mit ihrer Kindheit, die bestimmt war vom Krieg, von Bombennächten im Keller, Angst und später der Nachkriegsnot, verbindet sie den Geschmack von billiger Margarine. Sie hasste ihn. Geprägt war diese Zeit ihres Lebens auch von anderen Dingen, die ebenso typisch waren für ihre Generation und ihre soziale Herkunft: da war das Fehlen des Vaters, den sie erst nach dem Kriegsende kennenlernte und zu dem sie keine Verbindung mehr aufbauen konnte.

Da war der frühe Einstieg ins Arbeitsleben, als sie mit 14 Jahren in einem Hotel im Schwarzwald als Koch-Lehrling anfing: Zehn Stunden Arbeitszeit täglich, sechs Tage die Woche. Dafür bekam sie neben Kost und Logis 20 Mark im Monat. Als 17-Jährige hatte sie den Gesellenbrief in der Tasche, ein Jahr später, mit 18, begegnete sie bei der Arbeit in Baden-Baden ihrem späteren Mann. "Damit ging das Elend los", sagt sie im Rückblick.

Schnell war sie schwanger, bald hatte sie drei kleine Kinder. Ihr Mann fand keine Arbeit und fing an zu trinken. Also hing alles an ihr. Frieda L. arbeitete weiter, ihre Kinder versorgte ihre Mutter. Mit ihrem Mann wurde es schlimmer. Viele hätten gewusst, dass er Alkoholiker war und was das mit seiner Familie anrichtete, sagt Frieda L. – der Pfarrer, der Arzt, der Ortsvorsteher. Geholfen habe niemand.

"Vom Kinn bis zum Fußzeh ist alles angeschlagen." Frieda L., Rentnerin
Das alles hat sich auch auf ihre Kinder ausgewirkt, glaubt Frieda L.: Alle drei seien angeschlagen, ein Sohn war ebenfalls vom Alkohol abhängig, eine Tochter habe Panikattacken. Gesund ist auch Frieda L., der Ende der 1970er die Trennung gelang, schon lange nicht mehr. Vor knapp 30 Jahren hatte sie Krebs, sie erholte sich aber und arbeitete weiter bis zur Rente. Mittlerweile hat sie Probleme mit dem Herzen, der Lunge, dem Blutdruck: "Vom Kinn bis zum Fußzeh ist alles angeschlagen", sagt sie und lacht – denn ihren Humor und ihre Energie hat sie sich bewahrt, genau wie ihre Freude an Handarbeiten.

Nach 50 Jahren als Köchin bekommt sie nur eine kleine Rente und ist auf Wohngeld angewiesen. Weil das zuständige Amt stark überlastet sei, habe ihr letzter Antrag erst nach drei Monaten bearbeitet werden können. Sie hat Angst davor, dass es nun wieder so laufen wird: "Dann fehlen mir fast 200 Euro im Monat", sagt Frieda L. Als Köchin ist sie zwar geübt darin, aus fast allem ein essbares Gericht zu zaubern – doch dass ihr im Alter die Butter genommen würde, das hatte sie nicht erwartet.

Das Obdachlosenheim

Eine Einrichtung, die seit Jahren von der BZ-Weihnachtsaktion unterstützt wird, ist das Erich-Reisch-Haus in Lörrach. Dort, in der größten Institution für Wohnungs- und Obdachlose im Landkreis Lörrach, gibt es seit 2008 eine medizinische Ambulanz, in der wohnungslose Menschen niederschwellig medizinische Hilfe bekommen können. Die Ambulanz wird ausschließlich über Spenden finanziert – vor allem durch die BZ-Weihnachtsaktion. Knapp 30 000 Euro werden für die 25-Prozent-Stelle einer Krankenpflegerin und die Sachkosten wie Verbandsmaterial benötigt. Rund 80 Prozent dieser Kosten deckt die Weihnachtsaktion. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Stefan Heinz, Leiter des Reisch-Hauses.

Die Krankenpflegerin Judith Thoma ist im Schnitt zweimal pro Woche im Einsatz und kümmert sich dann um die Menschen, die im Haus untergekommen sind, aber auch um Menschen, die auf der Straße leben. Thoma berät sie, kontrolliert Gewicht und Blutzucker, wechselt Verbände. Sie schneidet auch Haare, pflegt Fuß- und Fingernägel, verabreicht Medikamente oder vermittelt zu Fachärzten und ins Krankenhaus. "Es geht darum, zuzuhören und eine Vertrauensbasis aufzubauen, um ein Bewusstsein für Gesundheit zu erzeugen", sagt Heinz. Dafür arbeitet die Ambulanz zum Beispiel auch mit Sozialarbeitern und der Suchthilfe.

Für viele Wohnungslose sei das Angebot wichtig. 2021 sind 100 Personen in die Ambulanz gekommen. "Wohnungslose Menschen sind wegen ihrer Lebenssituation in besonderer Weise gesundheitlichen Risiken ausgesetzt", sagt Heinz. Gleichzeitig sei es ihnen wegen dieser Umstände oft nicht möglich, sich so um ihre Gesundheit zu kümmern, wie das der Fall ist, wenn man eine Wohnung und ein geregeltes Einkommen hat. Das fange damit an, dass Arzttermine meist online oder telefonisch vereinbart werden, viele aber kein Smartphone besitzen. Oder es fehle eine Gesundheitskarte. Deshalb schämten sich Wohnungslose manchmal, zum Arzt zu gehen. All das seien Hürden, sagt Heinz: "Wir wollen mit der medizinischen Ambulanz diese Hürden senken."
Spendenkonten im Überblick:

Bad Krozingen
  • Sparkasse Staufen-Breisach
    IBAN: DE56 6805 2328 0009 4220 07
  • Volksbank Staufen
    IBAN: DE85 6809 2300 0000 1994 00
  • Volksbank Breisgau-Markgräflerland
    IBAN: DE81 6806 1505 0030 3759 04

Kreis Emmendingen
  • Sparkasse Emmendingen
    IBAN: DE02 6805 0101 0020 0401 12
  • Volksbank Emmendingen
    IBAN: DE61 6809 2000 0000 5550 02

Freiburg
  • Sparkasse FR-Nördlicher Breisgau
    IBAN: DE77 6805 0101 0002 3995 06

Lahr
  • Sparkasse Offenburg/Ortenau
    IBAN: DE85 6645 0050 0076 0005 55
  • Volksbank Lahr
    IBAN: DE72 6829 0000 0001 2222 01

Bad Säckingen
  • Sparkasse Hochrhein
    IBAN: DE 91 684 522 90 0026 011999
  • Volksbank Hochrhein
    IBAN: DE 57 684 922 00 0002 099713
  • Volksbank Rhein-Wehra (Kontoinhaber: Caritas)
    IBAN: DE 30 684 900 00 0000 413208

Lörrach
  • Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
    IBAN: DE25 6835 0048 0001 0088 20
  • Volksbank Dreiländereck
    IBAN : DE95 6839 0000 0000 003131

Müllheim
  • Sparkasse Markgräflerland
    IBAN DE42 6835 1865 0008 0244 40
  • Volksbank Breisgau-Markgräflerland
    IBAN: DE06 6806 1505 0000 1441 00

Titisee-Neustadt
  • Sparkasse Hochschwarzwald
    IBAN: DE28 6805 1004 0004 0100 88
  • Volksbank Freiburg
    IBAN: DE21 6809 0000 0018 0981 05


Verwendungszweck: BZ-Weihnachtsaktion

Sachspenden nehmen alle karitativen Organisationen in der Region entgegen.