1. Bundesliga Frauen

Die Effizienz des SC Sand beim 3:0-Sieg

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mo, 26. August 2019 um 10:00 Uhr

Frauenfussball

Beim 3:0 demonstriert der SC Sand seine Tugenden: Defensive Aufopferung und offensive Effizienz.

Kein Ort für Klaustrophoben war Sand am Sonntag. Dicht an dicht war am sengend-heißen Nachmittag das Motto in der Heimat des SC Sand (SCS), der die SGS Essen bei seiner Heimspielpremiere mit 3:0 (2:0) besiegte. Bereits auf der zum Orsay-Stadion führenden Straße parkten die Zuschauer Stoßstange an Stoßstange. Zwei Abstöße entfernt drängten sich in der engen Heimstätte der Südbadenerinnen 585 Fans auf den raren Schattenplätzen.

Was sie auf dem Spielfeld sahen, stellte ein Spiegelbild der Park- und Schattenplatzsituation dar. "Hier ist es immer unangenehm", sagte Essens Trainer Markus Högner nach der 0:3-Niederlage seines Teams. "Sand ist gut eingestellt, hier geht es unglaublich eng zu." In der Tat zauberten die Ortenauerinnen ein nahezu perfekt modelliertes Abbild gut organisierter, geduldiger und kompakter Abwehrarbeit auf ihren Heimrasen. So sehr sich die angriffslustigen Gäste auch mühten, spätestens an der Strafraumgrenze war Schluss – und das obwohl Essen mindestens 70 Prozent Ballbesitz hatte.

Die Essener Offensive konnte einem fast leid tun

Die beiden Aktivposten Turid Knaak und Alida Dzaltur, die sich wiederholt technisch ausgesprochen versiert auf der rechten Seite durchsetzten, konnten einem da fast leid tun. Der letzte Pass wollte nie sitzen. Högner gestand: "Wir haben uns keine klaren Torchancen erspielt." Der letzte Zug zum Tor: Er fehlte. "Wir hätten auch noch eine Stunde spielen können", fand Essens Defensivkraft Lena Sophie Oberdorf hinterher. Und klagte: "Hier ist es immer eklig."

Womit sie Sands Teamführerin Anne van Bonn aus der Seele sprach. "Spielerisch ist noch Luft nach oben", fand diese zwar, lobte aber: "Das war Sand-Fußball, leidenschaftlich, kämpferisch und ekelhaft für den Gegner." Man muss wohl lange suchen, um Teams zu finden, die eine derart leidenschaftliche Defensivarbeit zelebrieren. Auch psychisch ließ sich der SCS vom Dauerdrang der Gäste nicht unterkriegen.

Aus seinen geringen Möglichkeiten holte er er das Maximale heraus. So rieben sich die Zuschauer verdattert die Augen, als Franziska Fiebig nach einer kurz ausgeführten Ecke und einem Sonntagsschuss ins lange Eck zur Führung (18.) traf. Auch in der Folge statuierten die Sanderinnen ein Exempel der Effektivität. Als die doppelte Sturmspitze aus Dörthe Hoppius und Agnieszka Winczo eine gute Viertelstunde später zum ersten Mal in den Strafraum der Essenerinnen vordrang und SGS-Verteidigerin Ramona Petzelberger der Ball schulternah an den Körper sprang, entschied die Unparteiische Ines Appelmann, auf Handelfmeter (29.). Kapitänin van Bonn verwertete souverän.

Während Sands Geschäftstellenleiterin Claudia von Lanken in der Pause provisorisch versuchte, die gröbsten Löcher auf dem arg lädierten Grün zu stopfen, gelang es den Essenerinnen auch im zweiten Durchgang nicht, Lücken in das Sander Abwehrbollwerk zu reißen.

"Wir waren super organisiert", befand Fiebig, die ihrem ersten Bundesligatreffer in der 62. Spielminute den zweiten Folgen ließ. Die 26-jährige profitierte von der Pressingarbeit der Kolleginnen. Als van Bonn im Mittelfeld ins zaghafte Aufbauspiel der Gäste preschte und den eroberten Ball auf die in den offenen Raum stürmende Viktoria Pinther legte, war der Weg zum 3:0 geebnet. Die 20-Jährige musste nur querlegen, wo sie in Fiebig eine dankbare Abnehmerin fand.

Nach der 0:1-Auftaktniederlage bei Meister Wolfsburg hat Sand also direkt den ersten Heimsieg folgen lassen. "Damit sind wir sehr zufrieden", sagte Trainer Glass. Sein Essener Pendant, Markus Högner lobte:"Das war gnadenlose Effektivität." Womit er den Kern des Sander Erfolgsrezept erfasst hat: Aus geringen Möglichkeiten machen sie hier ganz viel. So frohlockte der erste Vorstand Klaus Drengwitz: "Wir sind in der Bundesliga etabliert." Gleichzeitig gab er sich nachdenklich: "Wir platzen aus allen Nähten und kommen an Grenzen." 13 Teams muss der Dorfverein bedienen, hat aber nur zwei Plätze. "Wir brauchen mindestens einen zusätzlichen Platz. Da haben wir nicht so viele Geldgeber, wie wir es uns wünschen."

Die Bundesliga aber entwickelt sich rasant. Teams wie der VfL Wolfsburg, Bayern München und der SC Freiburg enteilen infrastrukturell dem Rest der Liga. Vorerst aber sind das Zukunftssorgen. Denn dass der SCS in der starken Liga auch im sechsten Bundesligajahr in Folge mithalten kann, hat er durch den effizienten 3:0 Heimerfolg einmal mehr unter Beweis gestellt.

Tore: 1:0 Fiebig (18.), 2:0 van Bonn (29./ Elfmeter), 3:0 Fiebig (62.). Zuschauer: 585.