Die erste Absage in 72 Jahren

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Sa, 01. August 2020

Staufen

Musikwoche in Staufen fällt Corona-bedingt aus.

. Die Fans der Staufener Musikwoche müssen in diesem Jahr auf einen hochkarätigen Konzertreigen verzichten. Erstmals seit der Gründung vor 72 Jahren fallen sämtliche Veranstaltungen aus, eine weitere Folge der Corona-Pandemie. Immerhin drei Konzerte sollen dafür im nächsten Jahr stattfinden.

"Wir konnten kurz nach dem Lockdown Anfang März grade noch den Druck der 3000 Programmhefte stoppen", sagt Wolfgang Schäfer, seit 35 Jahren künstlerischer Leiter der Musikwoche. Schon lange handelt es sich dabei um eine überregional ausstrahlende Einrichtung der Kulturstadt Staufen, wie auch Bürgermeister Michael Benitz bereits in seinem Grußwort in der Jubiläumsbroschüre vor zwei Jahren anmerkte. Umso herber ist die Absage sowohl für die Klassikfans in Staufen und Umgebung als auch für die zahlreichen Künstler. Ebenso für die Dozenten und den studentischen Nachwuchs, dessen Kurse – sie sind fester Bestandteil der Musikwoche und münden stets in ein Dozentenkonzert und ein Workshopkonzert bei freiem Eintritt – nun ebenfalls ausfallen müssen.

Schäfers lässt sich sein Leidenschaft und sein Engagement, ohne das die Musikwoche kaum vorstellbar wäre, indessen nicht vermiesen. Ganz im Gegenteil, er hat trotz Virenkrise noch eine gute Nachricht. Es werden drei der fünf geplanten Konzerte im kommenden Jahr stattfinden, sofern nicht wieder ein Virus grassiert, verkündet er. Mit dabei ist das Tschechische Collegium Marianum Prag mit Musik aus dem Barock. Darüber hinaus das slowenische Ingenium Ensemble mit geistlichen Werken von der Renaissance bis zur Moderne. Außergewöhnlich ist auch das Konzert von Hornist Felix Kieser. Klassikfreunde wissen, dass der Musiker sein Instrument mit den Füßen spielt.

Der wirtschaftliche Schaden hält sich in Grenzen

Wolfgang Schäfer hat jedoch nicht nur die Musik, sondern auch die wirtschaftliche Seite im Blick. "Es hat uns zum Glück nicht ganz so schlimm getroffen, weil unsere Künstler ja nun bis auf den international erfolgreiche Bariton Andre Schuen im nächsten Jahr kommen", so Schäfer. Und die renommierte Hamburger Ratsmusik mit Sopranistin Hanne Zumsande wird wohl noch im Herbst im Zuge des Stadtjubiläums in der Belchenhalle gastieren. "Darüber sind wir natürlich sehr froh und es lindert unseren Ausfall ein wenig." Dennoch fallen Ausgaben an, und Schäfer fände es, wie er sagt, ganz gut, wenn wir über die Eintrittsgelder und die Sponsorenzuwendungen hinaus ein kleines Polster anlegen könnten. "Man weiß ja nie, was passiert, und oft muss ich auch überlegen, ob ich einen erfolgreichen Künstler überhaupt engagieren kann." Zumal die Ticketpreise bewusst moderat kalkuliert sind. Und so denkt er als Folge von Corona darüber nach, den derzeit ruhenden Freundes- und Förderkreis der Musikwoche wieder zu aktivieren. Das könne nicht schaden.

Angefangen hatte es mit der Musikwoche auf Initiative des Oldenburger Professors Ernst Duis in einem kleinen Kreis in einem musizierfreudigen Privathaus. Duis schwebte ein Konzept mit abendlichen Konzerten vor sowie Kursen für Laienmusiker und junge Talente. Aus den "Ferien mit Alter Musik" ging in der Folge das "Studio für Alte Musik" hervor und das "Staufener Chorseminar". Die Staufener Musikwoche ist Chorseminar und Festival zugleich. Nach dem Tod von Ernst Duis im Jahr 1967 übernahm zunächst dessen Witwe die Leitung, gemeinsam mit den Horst Schneider und Wolfgang Fornow.