Beispiel Rheinfelden

Die Gefühle bei der Wiedereröffnung der Spielplätze sind gemischt

Leony Stabla

Von Leony Stabla

Mi, 06. Mai 2020 um 17:03 Uhr

Rheinfelden

Sie starten mit gemischten Gefühlen und jeder Mengel Sandelspielzeug: Leony Stabla und ihre Söhne haben sich auf einen wiedereröffneten Spielplatz in Rheinfelden gewagt und geschaut, wie es dort zugeht.

Mit gemischten Gefühlen und jeder Menge Sandelspielzeug im Gepäck sind unsere Spielpatztester Leony Stabla und ihre Söhne Jakob und Jonas nach etwa sieben Wochen zum ersten Mal wieder zum Abenteuerspielplatz in der Maurice-Sadorge-Straße gepilgert. Vor Ort machten sie sich ein Bild von der Lage. Werden die Spielplätze angenommen und die Regeln eingehalten?

Ob wir tatsächlich auf dem Spielplatz bleiben, möchte ich erst vor Ort entscheiden, wenn ich sehe, wie viele Menschen sich dort tummeln. Dies erfordert natürlich einiges an Vorarbeit, denn gerade, wenn sich die Kinder wieder auf den Spielplatz freuen, wäre die Enttäuschung sehr groß, wenn wir gleich wieder gehen würden. Deshalb habe ich schon direkt nach dem Aufstehen begonnen, mit meinen Jungs über die Situation zu sprechen.

Die Kleinen müssen die Regeln lernen

Die erste Reaktion auf meine Eröffnung, dass wir einen Spielplatz besuchen werden, waren die aufgerissenen Augen meines Großen und der erschreckte Ausruf: "Aber Mama, das dürfen wir doch nicht, die sind doch geschlossen!" Umso größer war die Freude, als ich ihnen mitteilte, dass die Spielplätze nun wieder geöffnet sind. Gebetsmühlenartig sind wir deshalb immer wieder die Regeln durchgegangen: Abstand halten, kein Spielzeug von anderen Kindern benutzen, warten, wenn ein Spielgerät von anderen Kindern belegt ist. Und auch, dass wir wieder gehen, wenn es zu voll sein sollte.

Das Wetter am Mittwochmorgen spielt uns in die Karten, denn es ist bewölkt und etwas kühl, so dass nicht sehr viele Besucher auf dem Spielplatz sind. Am Nachmittag jedoch, als sich die Sonne wie angekündigt zeigte, herrschte dagegen deutlich mehr Trubel. Bei unserer Ankunft am Morgen sind es sechs Frauen mit neun Kindern, zwei weitere Mütter mit jeweils einem Kind kommen später dazu. Es bilden sich Grüppchen, die wahrscheinlich nicht immer nur einem Haushalt angehören, aber das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Doch die Leute versuchen, sich und ihre Kinder von den anderen fernzuhalten, auch wenn es schwierig ist.

Sobald es interessant wird, sind die Abstandsregeln vergessen

Eine Gruppe steht beim Bach, die nächste bei den Schaukeln, wir erobern den Sandkasten. Ein etwa Anderthalbjähriger kommt zu uns und macht sich an unserem Sandelspielzeug zu schaffen, was Jakob gar nicht gefällt, der weiß, dass er kein Spielzeug von anderen benutzen soll. Der Kleine weiß das natürlich noch nicht. Doch auch, wenn meine Jungs die Regeln sehr verinnerlicht haben, ist es mit der Disziplin nicht weit her, sobald sie ein anderes Kind nicht kennen.

Eine Kindergartenfreundin von Jonas und ihre Schwester spielen ebenfalls im Sand. Die Kinder geben sich Mühe, doch die Abstandsregeln sind schnell aus dem Kopf, wenn der andere etwas Interessantes macht, also muss ich regelmäßig daran erinnern. "Wieso darf ich die Rutsche jetzt nicht benutzen?", bockt Jakob, als ein anderes Kind schneller ist als er, doch trotzdem genießen sie den Besuch sichtlich.

Nach etwa einer Stunde machen wir uns wieder auf den Heimweg, so haben auch andere die Chance, den Spielplatz zu nutzen. Alle Mütter, mit denen ich gesprochen habe, sind sich einig, dass man jetzt eben ein bisschen solidarisch sein sollte. Es ist toll, dass die Spielplätze wieder geöffnet sind, und man gibt sich Mühe, dass dies auch so bleibt. Keiner möchte diese Chance verspielen. Vielleicht muss man mal auf einen anderen Spielplatz ausweichen, wenn die erste Wahl zu voll ist, und ein Buch zu lesen, während man die Kinder einfach machen lässt, ist zurzeit sicher auch nicht möglich. Aber trotzdem: Die Öffnung der Spielplätze ist ein riesiges Stück zurückgewonnene Freiheit.