Ende der Betreuungsnot

Die Kindertagesstätten in Freiburg haben wieder geöffnet

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Mo, 29. Juni 2020 um 20:47 Uhr

Freiburg

Seit Montag haben die Kitas in der Stadt wieder offen – ganz regulär, aber natürlich auch zu Pandemie-Bedingungen. Kinder und Betreuerinnen und Betreuer müssen sich an die neuen Regeln gewöhnen.

Im Innenhof der Kita Weltentdecker in der Wiehre macht Melanie Brugger einige vorsichtige Schritte auf die Erzieherin zu. Es ist derselbe Kindergarten, in den die Dreijährige schon vor Ausbruch der Pandemie gegangen ist, aber das ist Monate her – weiß sie es überhaupt noch? Außerdem ist einiges plötzlich ganz anders. Melanies Eltern dürfen ihre Sprösslinge nicht mehr ins Gebäude begleiten, sie klopfen im Erdgeschoss an die Scheibe, dann werden die Kinder abgeholt.

Mamas und Papas, die ihre Kinder in Kleinkindgruppen haben, dürfen noch mit hinein, aber nur zwei gleichzeitig – mit bunten Tierfiguren, die die Eltern mit hinein nehmen und beim Gehen wieder abstellen müssen, wird die Limitierung geregelt. Ihre gemeinsame Frühbetreuungsgruppe musste die fünfzügige Kita des Jugendhilfswerks streichen, da Kinder nur noch einer festen Gruppe zugeordnet werden dürfen.

Es ist das, was die Landesregierung "Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen" nennt, für Eltern wie die von Melanie Brugger ist es dennoch ein Lichtblick nach langer Durststrecke: "Es ist noch nicht einfach wieder normal", sagt Vater Hans Brugger, "aber ein Schritt in die richtige Richtung." In allen Freiburger Tagesstätten durfte der Betrieb gestern unter Restriktionen wieder beginnen und die meisten der rund 240 Einrichtungen in der Stadt kamen dem wohl nach.

Die Katholische Kirche meldete 36 Kitas von 38 Kitas im Stadtgebiet im Einsatz, lediglich zwei Horte an den Tuniberg-Gemeinden starten laut Sprecherin Simone Richter erst am 1. Juli, "in Absprache mit den Eltern". Auch 35 Kitas der evangelischen Kirche laufen wieder regulär, für die 22 städtischen Kitas und die zwölf des Jugendhilfswerks gilt dasselbe.

Anforderungen an die Qualität nach unten geschraubt

Auch in Kitas mit sogenannten "offenen Konzepten", in denen sich Kinder nach jeweiliger Lust heraussuchen können, welche Angebote in den Räumlichkeiten sie gerade wahrnehmen, läuft der Betrieb – allerdings in Gruppen und eben nicht nach freier Raumwahl. Hier, so heißt es im Amt für Kindertageseinrichtungen, strebe man einen stufenweisen Übergang zum offenen Konzept an.

Weil infektionssichere Gruppenkonstellationen mitunter den Einsatz zusätzlicher Betreuer erfordern und Kitas immer wieder auch Personal fehlt, das wegen gesundheitlicher Risiken nicht arbeitet, ist der Regelbetrieb nicht selbstverständlich. Das Land hat daher die Grenze für das Minimum des eingesetzten Personals gesenkt und erlaubt, dass Hilfskräfte, FSJ-ler oder Azubis zentraler eingesetzt werden dürfen als bisher.

Was heißt: Die Anforderungen an die pädagogische Qualität wurden nach unten geschraubt. In Freiburg habe die Kommunalpolitik in der Vergangenheit die Personalstandards der Kitas deutlich höher angesetzt als eigentlich verlangt, erklärt Anett Röling, Leiterin des Bereichs Frühpädagogik beim Jugendhilfswerk. Und so komme man hier nicht so schnell in Not: "Bis wir hier beispielsweise den Mindestschlüssel für die Betreuung unterschreiten, muss schon einiges passieren."